„Sehr gute Gespräche“ habe es mit den Iranern gegeben, bilanzierte US-Präsident Donald Trump vergangene Woche. Inzwischen ist der Ton in den indirekten Verhandlungen über einen neuen Atomdeal jedoch schon abgekühlt. Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian erklärte am Mittwoch, sein Land sei zwar bereit für eine Überprüfung seines Atomprogramms. Der Iran werde aber „keinen überzogenen Forderungen nachgeben“. Und Trump sagte, der Iran wäre „dumm“, keinen Deal mit den USA einzugehen.

Israel setzt sich dafür ein, dass ein Deal nicht nur das Atomprogramm einschränkt, sondern auch die Aufrüstung mit ballistischen Raketen und Marschflugkörpern. Als der Iran im vergangenen Juni israelische Städte mit tonnenschweren ballistischen Raketen angriff, wurde deutlich, wie groß die Bedrohung durch das iranische Raketenarsenal ist.

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Aus Teheran kommen dazu klare Signale: „Die Raketenkapazitäten der Islamischen Republik sind nicht verhandelbar“, sagte Ali Schamkhani, einer der führenden Strategen des Regimes. Donald Trump lässt keinen Zweifel daran, was droht, wenn die Verhandlungen scheitern. „Die USA haben eine große Flotte auf dem Weg dorthin und sie wird bald dort sein. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt.“ Ein neuer Krieg zwischen dem Iran, den USA und Israel erscheint also immer wahrscheinlicher.

Israel und Iran rüsten militärisch auf und bereiten sich auf Konflikt vor

Die israelische Luftwaffe betont, dass ihre Kampfflieger in höchster Bereitschaft seien. „Die Luftwaffe verfügt über eine starke Truppe, die in der Lage ist, tief im Feindesland zu operieren“, sagt Airforce-Chef Tomer Bar. Die Armee habe ihre Lektionen aus dem vergangenen Krieg gelernt: „Wir sind stärker daraus hervorgegangen.“

Das treffe allerdings auch für den Iran zu, mahnt der israelische Militärexperte Danny Citrinowicz vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv. „Die Iraner haben ballistische Raketen und Raketenabschussanlagen aufgestockt“, sagt der Experte. „Das wird für uns definitiv eine Herausforderung sein.“

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Israel müsse sich im Fall eines neuen Kriegs darauf einstellen, dass die Angriffe nicht nur aus dem Iran kommen. Auch die Huthis im Jemen würden sich „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ wieder in den Konflikt einschalten. Proiranische Milizen im Irak würden sich wohl an der Eskalation beteiligen und US-Ziele ins Visier nehmen.

USA sichern Israel militärische und finanzielle Unterstützung zu

Was die Hisbollah im Libanon betrifft, sei das Risiko einer neuen Eskalation schwerer zu kalkulieren. Einerseits liege der Miliz nichts an einem neuen Krieg, meint der Experte. Sollte ein neuer Krieg aber direkt auf das Regime in Teheran abzielen, dann „wird es für die Hisbollah sehr schwer sein, sich da herauszuhalten“, sagt Citrinowicz. Das wird dann auch die israelische Zivilbevölkerung zu spüren bekommen.

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Israel kann sich aber auf die Unterstützung der USA verlassen. Abgesehen davon, dass die USA rund zehn Prozent des israelischen Verteidigungsbudgets zuschießen, fließen Hunderte Millionen US-Dollar auch in die gemeinsame Entwicklung von Raketenabwehrsystemen, die Israel im Fall eines Irankriegs zugutekommen. Zusätzlich dazu stehen die USA Israel mit Soforthilfe bereit, wenn Teheran wieder schwere ballistische Raketen auf Israel abfeuert.

Schon in den vergangenen Wochen habe es „zahlreiche Flüge“ aus den USA gegeben, um die israelische Luftabwehr mit hochmoderner amerikanischer Ausrüstung aufzustocken, sagt Citrinowicz. Wie schon im vergangenen Juni erhält Israel amerikanische THAAD-Batterien, die die großen Ballungsräume um Tel Aviv und Jerusalem vor den tonnenschweren ballistischen Raketen aus iranischer Produktion schützen sollen.

THAAD-System schützt Israels dicht besiedeltes Zentrum vor Angriffen

THAAD ist ein mobiles System, das ballistische Raketen auch außerhalb der Erdatmosphäre in ihrer Endphase des Fluges abfangen und zerstören kann. Es ist effizient, aber auch sehr teuer.

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Die Iraner sind dabei im Vorteil: Israel ist ein sehr kleines Land, mit einer Fläche, die ungefähr dem Bundesland Hessen entspricht. Das Zentrum des Landes ist jedoch äußerst dicht besiedelt, und auf eben dieses Landeszentrum hat sich der größte Teil der iranischen Angriffe im vergangenen Juni konzentriert. Israel muss damit rechnen, dass dies auch im Fall eines neuen Kriegs so sein wird.

Eine einzige Raketensalve kann daher potenziell hohe Verluste – auch an Menschenleben – fordern.

Das zentrale Problem, das sich in der Raketenabwehr stellt: „Es ist viel billiger, eine Rakete zu bauen, als einen Abwehrschirm gegen eine Rakete“, sagt Citrinowicz. „Daher ist die Unterstützung, die wir von den Amerikanern erhalten, entscheidend, um Menschenleben zu retten.“

Mehr von Israel-Korrespondentin Maria Sterkl

Auch die mächtige US-Armee stößt dabei jedoch an ihre Grenzen. Die USA verbrauchten während des zwölftägigen Kriegs zwischen Israel und dem Iran im Juni etwa ein Viertel ihres Bestands an Abfangraketen für das hochmoderne THAAD-Raketenabwehrsystem, wie CNN herausfand. Laut mehreren US-Berichten habe die Armee mindestens 100 Abfangraketen eingesetzt. Bisher sei es jedoch nicht gelungen, diese Verluste durch Produktionsnachschübe auszugleichen. Laut Schätzungen könnte es bis zum nächsten Jahr dauern, bis die THAAD-Kapazitäten wiederhergestellt sind.

In Israel sei die Raketenabwehr dennoch auf alles gefasst, betont Luftwaffenchef Bar. „Wir sind jederzeit bereit für Überraschungen“, erklärte der Chef der Luftwaffe, Tomer Bar. Die Raketenabwehr werde alles tun, um die Schäden so weit wie möglich zu reduzieren, versichert Bar. Und fügt hinzu: „Wir wissen aber, dass ein Null-Einschlags-Szenario nicht garantiert werden kann.“