Wenn es nach Cem Özdemir gehen würde, dann könnte der gesamte Bundesvorstand der Grünen ruhig mal ein paar Wochen Urlaub machen. Und die Europa-Gruppe, die kürzlich die Gesamtpartei blamiert hat, als sie das rasche Inkrafttreten des Mercosur-Handelsabkommens in Gefahr brachte, am besten gleich mit. Wenn ungefähr bis zum 9. März, dem Tag nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg, nichts zu hören wäre von den Grünen im Rest der Republik, wäre es dem Spitzenkandidaten Özdemir wohl nur recht.

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Die Baden-Württemberger Grünen waren schon immer darauf bedacht, sich abzugrenzen vom Rest der Partei. Auch der aktuelle Landesvater Winfried Kretschmann hat oft genug versucht, dem Bundesgrün eine eigene Schattierung hinzuzufügen. Özdemir geht einen Schritt weiter. Er setzt darauf, dass ausreichend viele CDU-Wähler lang genug vergessen, dass er bei den Grünen ist, und doch noch bei ihm das Kreuzchen machen.

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Theresa Martus, Korrespondentin Bundespolitik© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Das kann funktionieren, doch es ist eine Wette mit hohem Einsatz, die Özdemir da eingeht. Denn es gibt für den Schwaben zwar in Richtung CDU-Klientel einiges zu gewinnen. Es gibt aber auch – und das ist neu – am linken Rand des Spektrums etwas zu verlieren. Die Linkspartei steht in Baden-Württemberg bei sieben Prozent und damit zum ersten Mal vor dem Einzug in den Stuttgarter Landtag. Und ein Teil der Stimmen, der sie dahin bringen könnte, dürfte von ehemaligen Grünen-Wählern kommen, die sich von einem grünen Spitzenkandidaten ein bisschen mehr erhoffen als Bekenntnisse zur Autoindustrie und authentische schwäbische Sprachfärbung.