Nach dem Debakel bei der Abstimmung zum Mercosur-Freihandelsabkommen bemühen sich die Grünen im Europaparlament um Schadensbegrenzung. Der Vorsitzende der deutschen Abgeordneten, Erik Marquardt, brachte eine schnelle Ratifizierung des Abkommens ins Spiel – und zwar noch bevor das angeforderte Rechtsgutachten vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorliegt.

Marquardt sagte am Freitag dieser Redaktion: „Wenn es schon vor der EuGH-Entscheidung im Parlament zu einer Abstimmung über die Ratifizierung kommen sollte, würden wir als deutsche Grüne dafür stimmen.“ Er selbst und seine Parteifreunde seien auch für eine vorläufige Anwendung des Abkommens. Bei der nächsten Plenarsitzung des EU-Parlaments im Februar werde es darüber wahrscheinlich ein Votum geben. „Das werden wir als deutsche Grüne alle unterstützen.“

Erik Marquardt
Erik Marquardt, der Chef der deutschen Grünen im Europaparlament.© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas

Mercosur-Abkommen: Die Ratifizierung könnte sich deutlich verzögern

Am Mittwoch hatte das Parlament in Straßburg mit knapper Mehrheit einen Antrag zum Mercosur-Abkommen angenommen. Er sieht vor, zunächst einmal vom EuGH einschätzen zu lassen, ob der am vergangenen Wochenende unterschriebene Freihandelsvertrag überhaupt mit dem EU-Recht zu vereinbaren ist. Das könnte die eigentliche Ratifizierung des Abkommens deutlich verzögern, womöglich sogar um ein bis zwei Jahre.

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Für den Antrag stimmten Abgeordnete von ganz links bis ganz rechts. Auch Konservative, Sozialdemokraten und Liberale waren darunter. Von den zwölf deutschen Grünen stimmten acht dafür, was zusammen mit drei Stimmen der deutschen Linken den Ausschlag dafür gab, dass der Antrag insgesamt eine knappe Mehrheit bekam.

Diese deutschen Politiker schickten das Mercosur-Abkommen zum EuGH

Erik Marquardt
Erik Marquardt, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Partei B90/ Die Grünen.© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jan Woitas
Landesparteitag der Grünen Schleswig-Holstein
Rasmussen Andresen, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Partei B90/ Die Grünen.© picture alliance/dpa | Frank Molter
Anna Cavazzini
Anna Cavazzini, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Partei B90/ Die Grünen.© picture alliance / dts-Agentur | -
Katrin Langensiepen
Katrin Langensiepen, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Partei B90/ Die Grünen.© picture alliance / dts-Agentur | -
Alexandra Geese
Alexandra Geese, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Partei B90/ Die Grünen.© picture alliance / dts-Agentur | -
Hannah Maria Neumann
Hannah Neumann, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Partei B90/ Die Grünen.© picture alliance / dts-Agentur | -
Parteitag Grüne Rheinland-Pfalz als Landesdelegiertenversammlung
Jutta Paulus, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Partei B90/ Die Grünen.© picture alliance/dpa | Harald Tittel
Terry Reintke
Terry Reintke, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Partei B90/ Die Grünen.© picture alliance / dts-Agentur | -
Witze-Automat
Sebastian Everding, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Partei für den Schutz von Mensch, Umwelt und Tiere© picture alliance/dpa | Guido Kirchner
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Martin Günther, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Partei Die Linke. © Martin Günther Die Linke | Martin Günther Die Linke
Sonderparteitag Die Linke: Özlem Alev Demirel
Özlem Alev Demirel, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Partei Die Linke. © picture alliance / SZ Photo | Mike Schmidt

Die Europa-Grünen sagen, sie wollten das Abkommen rechtssicher gestalten

Die Grünen in Deutschland müssen sich jetzt vorwerfen lassen, in der angespannten weltpolitischen Lage ohne Not einen wichtigen Vertrag mit einem anderen Staatenblock zu gefährden und überdies die Brandmauer nach rechts eingerissen zu haben. Die Berliner Parteiführung um die Vorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak ist entsetzt über das Abstimmungsverhalten der Europa-Abgeordneten, ebenso der Spitzenkandidat der baden-württembergischen Grünen für die Landtagswahl, Cem Özdemir.

Die Befürworter des Mercosur-Abkommens argumentieren, dass dadurch das Gewicht Europas in der Welt deutlich erhöht werde und Verträge wie diese ein klares Bekenntnis zu freiem Handel und einer regelbasierten Ordnung seien. Die Europa-Grünen sagen, sie wollten das Abkommen nicht verzögern, sondern rechtssicher gestalten.

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#21 Felix Banaszak über den Schimanski in sich - und sein beiläufiges Coming-out
Meine schwerste Entscheidung
 

In Deutschland sind die Parteien der demokratischen Mitte allesamt für das Mercosur-Abkommen. Es soll der lahmenden Wirtschaft neue Impulse verleihen. Durch das Abkommen der Europäer mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay entsteht eine der weltgrößten Freihandelszonen mit mehr als 700 Millionen Verbrauchern. In Europa stemmen sich vor allem Frankreich und Polen gegen das Projekt. In der Debatte dort geht es vor allem um drohende Konkurrenz für die heimischen Landwirte.