Das „Kinderland“ in der Gemeinde Panketal ist beliebt bei den Familien, deren Kinder die Kita besuchen. „Es ist wirklich eine tolle, familiäre Einrichtung, in der sich auch Kinder wohlfühlen, die anderswo untergehen würden“, sagt Elternvertreterin Rebecca Kühne-Jacobosch. Und trotzdem sollte es die Kita nach den Sommerferien nicht mehr geben. Rückläufige Geburtenzahlen, freie Betreuungsplätze anderswo in der Kommune: So begründete die Verwaltung den Plan, die kleinste der kommunalen Einrichtungen in der Gemeinde nördlich von Berlin zu schließen. Für Kühne-Jacoboschs Tochter hätte es ein neues Umfeld bedeutet, noch einmal eine Eingewöhnung, und das im wichtigen letzten Kita-Jahr vor dem Schulbeginn. „Wir haben uns große Sorgen gemacht“, sagt die Mutter.
Die Eltern in Panketal protestierten, und das mit Erfolg. Das „Kinderland“ ist vorerst gerettet. Doch Situationen wie diese werden in Zukunft wohl immer mehr Eltern erleben. Denn nach Jahren, in denen Familien oft händeringend nach Betreuungsplätzen für ihre Kinder gesucht haben, hat sich das Bild in großen Teilen des Landes nun umgekehrt: In Großstädten wie Berlin und Hamburg preisen Kitas ihre freien Plätze online in Kleinanzeigen an und offline per Zettel an Laternenmasten. Aus Thüringen und Sachsen-Anhalt kommen Meldungen über Einrichtungen, die wegen zu weniger Anmeldungen schließen müssen. Vielen Kitas, so scheint es, gehen die Kinder aus.
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Hintergrund für diese Entwicklung sind die gesunkenen Geburtenraten der vergangenen Jahre. 2021 bekam eine Frau in Deutschland im Schnitt 1,58 Kinder. 2024 lag diese Zahl nur noch bei 1,35. Diese Entwicklung macht sich inzwischen in den Einrichtungen bemerkbar. Im vergangenen Herbst meldete das Statistische Bundesamt, dass die Zahl der Kinder unter drei Jahren, die eine Kita besuchen, zum zweiten Mal in Folge gesunken war – und das, obwohl die Betreuungsquote, also der Anteil der außer Haus betreuten Kinder, gestiegen war.
In Süddeutschland und NRW sind die Plätze noch immer knapp
„Wir haben inzwischen viele Bundesländer, wo es durch die gesunkenen Geburtenzahlen eigentlich keine Betreuungslücken mehr gibt“, sagt Wido Geis-Thöne, Experte für Familienpolitik am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Das betreffe ganz Ostdeutschland, Berlin und Hamburg. „Auch in Teilen von Niedersachsen und Schleswig-Holstein steuern wir hierauf zu.“ In Süddeutschland und NRW dagegen sei der Problemdruck immer noch hoch und die Plätze knapp.
Nach Jahren, in denen die Zahl der Betreuungsplätze der Nachfrage hinterherhinkte, entspannt sich damit zumindest in einigen Bundesländern die Lage für Eltern: Die Wartelisten werden kürzer, die Auswahl größer. „In Westdeutschland kann man sich erst einmal darüber freuen, dass sich die Situation entspannt“, sagt Geis-Thöne.
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Vor allem im Osten aber sehen sich viele Einrichtungen auf eine neue Krise zusteuern. Denn wie viel Geld Kitas von Ländern und Kommunen erhalten, hängt häufig von der Zahl der betreuten Kinder ab. In vielen Bundesländern zahlen zudem Eltern Kita-Beiträge. Weniger Anmeldungen bedeuten für Kitas deshalb meistens: weniger Einnahmen, aus denen Personal bezahlt werden kann. Die Folgen sind in manchen Kommunen schon jetzt zu spüren: geschlossene Einrichtungen, neue Kitas für die verbliebenen Kinder, zum Teil weitere Wege.
Kitas suchen Kinder: Personal abbauen oder Betreuung verbessern?
Dabei ginge es auch anders, sagen Expertinnen und Experten. Die „demografische Rendite“ müsse jetzt für eine bessere Qualität der Betreuung genutzt werden, fordert Waltraud Weegmann, Bundesvorsitzende des Deutschen Kitaverbands, in dem Kitas in freier Trägerschaft organisiert sind. „Die frei werdenden Kapazitäten müssen zumindest in den Bundesländern mit niedrigem Personalschlüssel in dessen Verbesserung investiert werden, statt Strukturen zu zerschlagen und Personal abzubauen“, sagt sie unserer Redaktion. Wie lange der Trend sinkender Geburten anhalten werde, wisse man nicht. „Und wenn wir Kitaplätze abbauen, dann bekommen wir die so schnell nicht wieder.“
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Einige Bundesländer gehen diesen Weg bereits. Thüringen hat schon 2024 ein Gesetz beschlossen, das den Betreuungsschlüssel verbessern und Personalabbau verhindern soll, Berlin zog im vergangenen Jahr nach.
Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) appelliert an die Länder und Kommunen, den Moment zu nutzen. „Der demografische Wandel mit sinkenden Kinderzahlen öffnet finanzielle Spielräume und Chancen, die wir in bessere Qualität investieren müssen“, sagt sie unserer Redaktion. Frühe Bildung sei ein Schlüssel dafür, dass jedes Kind seine Talente entfalten könne, und schaffe Chancengerechtigkeit. Der Bund habe Ländern erhebliche Spielräume freigeräumt mit dem Sondervermögen, der Lockerung der Schuldenbremse und weiteren vier Milliarden Euro über das Kita-Qualitätsgesetz, sagt Prien. „Jetzt geht es darum, dass frei werdende Mittel konsequent in die Qualität fließen, damit alle Kinder faire Startchancen erhalten – unabhängig von Herkunft, Region oder Lebenslage.“

Eine Diskussion über bessere Betreuung sei notwendig, sagt auch IW-Experte Geis-Thöne. Er sagt aber auch: Vor allem in Ostdeutschland wird es ohne Schließungen wohl nicht gehen. „Man wird in den ostdeutschen Ländern nicht darum herumkommen, Strukturen abzubauen.“ Dass die Zahl der Geburten bald wieder steigt, ist derzeit nicht abzusehen.





