- Greg Bovino ist Chef der US-Einwanderungsbehörde ICE
- Sein martialisches und rigoroses Auftreten und das seiner Truppe haben ihm viel Kritik eingebracht
- Wer ist der Mann, der die maskierten Migranten-Jäger kommandiert?
Gregory Bovino tritt martialisch auf. In Minneapolis schreitet er in einem langen, auffälligen Mantel durch die Straßen. Links und rechts von ihm vermummte Grenzschutzbeamte der ICE-Behörde (Immigration and Customs Enforcement). Sie führen hier seine Befehle aus. Beim Anblick der Bilder fühlen sich zahlreiche Menschen in den sozialen Netzwerken an Nazi-Uniformen erinnert. Bovino ist der oberste Kommandeur der Bundesbehörde. Er ist dem Heimatschutzministerium unter Ministerin Kristi Noem unterstellt. Kritiker sagen, Bovino und seine ICE-Agenten verbreiten Angst und Schrecken. Noem hält sie für die wichtigste Einheit im Kampf gegen illegale Einwanderung in den USA.
Vor allem die Operation „Metro Surge“, die seit Dezember in der Doppelstadt Minneapolis-Saint Paul läuft und inzwischen auf den gesamten Bundesstaat Minnesota ausgeweitet wurde, sorgt für Proteste. Am 7. Januar wurde die 37-jährige Renee Nicole Good in ihrem Auto in Minneapolis von einem ICE-Agenten erschossen. Sie war nur zufällig vor Ort. Videoanalysen aus verschiedenen Blickwinkeln belegen, dass Good ihren Wagen aus der Konfrontation mit den ICE-Leuten wegfahren wollte.
Noems Heimatschutzministerium und das Weiße Haus halten an einer anderen Lesart fest: Good sei eine linke Aktivistin gewesen, die sich einem ICE-Einsatz in den Weg gestellt und mit ihrem Wagen den ICE-Agenten habe überfahren wollen. Eine selbst verschuldete Tragödie, bilanzierte US-Vizepräsident JD Vance nüchtern.
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Am Samstagmorgen (Ortszeit) erschießen ICE-Beamte den 37 Jahre alten Krankenpfleger Alex Pretti. Die Eltern des Erschossenen warfen den Einsatzkräften vor, ihren Sohn Alex Pretti ohne legitimen Grund getötet zu haben. Sie beschuldigten Trumps Regierung, Lügen über den Vorfall im Bundesstaat Minnesota zu verbreiten. Das Heimatschutzministerium stellt den Fall als Notwehr des Beamten dar, doch Videos von der Szene befeuern die Kritik an den ICE-Razzien gegen Migranten und dem martialischen Vorgehen gegen protestierende Zivilisten.
Auch Bovino sieht seine Agenten, nicht den toten Krankenpfleger, als Opfer vermeintlich linksradikaler Agitation. Sein Auftreten und Umgang werden zunehmend auch in der republikanischen Partei als problematisch wahrgenommen; Bovino scheint den Bogen mit dem Einsatz in Minneapolis zumindest vorerst überspannt zu haben. Er soll die Stadt verlassen müssen und die Aufgaben vor Ort an Trumps „Grenz-Zar“ Tom Homan abgeben. Nach Aussage der Regierungssprecherin Karoline Leavitt bleibt er aber Chef der Behörde.

ICE-Chef Bovino sorgt mit harten Einsätzen für Kritik in Kalifornien
Gregory Bovino ist das Gesicht der ICE-Männer (und weniger Frauen). Im Juni 2025 leitete der Mann aus dem US-Bundesstaat North Carolina einen Großeinsatz gegen illegale Einwanderung in Los Angeles. Auch damals gab es in der ganzen Stadt heftige Proteste. In Kalifornien kritisierten die regierenden Demokraten das ICE-Vorgehen. „Das Chaos, das Donald Trump verursacht, untergräbt das Vertrauen, zerreißt Familien und schwächt die Arbeitnehmer und Branchen, die die amerikanische Wirtschaft antreiben“, schrieb Gouverneur Gavin Newsom auf der Plattform X. Bovinos nächster Einsatz fand in Chicago statt, wo er die Operation „Midway Blitz“ leitete. Offenbar zum Gefallen Trumps: Im Oktober wurde er zum Oberbefehlshaber der Grenzschutzbehörde ernannt.
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Auf X zeigt sich Bovino in Uniform. Er schultert ein Gewehr. Ein Politiker ist er nicht, aber auch mehr als nur ein ausführendes Organ. Bei einer Veranstaltung Newsoms war er mit seinen Agenten aufgetaucht. Demokraten nahmen dies als Einschüchterungsversuch wahr. „Wir sind hier, um Los Angeles zu einem sichereren Ort zu machen, da wir keine Politiker haben, die das tun können“, sagte Bovino. „Das machen wir selbst.“ Newsom nannte das Verhalten der ICE-Leute „krank und erbärmlich“.
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Grenzschutzbeamte zerren Menschen aus ihren Autos
Es gehe den ICE-Agenten nur um illegale Einwanderer, behauptet das Heimatschutzministerium. Dabei überschreiten sie nach Auffassung von Rechtsexperten ihre Befugnisse: Sie überprüfen Passanten und Autofahrer aufgrund ihrer Hautfarbe, betreiben also sogenanntes „Racial Profiling“. Sie fordern, aufgrund eines angeblichen Akzents die Papiere von Autofahrern zu überprüfen. Sie verschaffen sich Zutritt zu Schulgeländen. Sie zerren Menschen gewaltsam aus ihren Autos, ohne sicherzustellen, dass sie einen Rechtsbeistand bekommen. Bovino selbst wurde vor wenigen Tagen gefilmt, als er einen Behälter mit Tränengas in Richtung mehrerer Demonstranten schleuderte.
ICE Director Greg Bovino is seen shouting and throwing a tear gas canister at unarmed civilians near a playground in Minneapolis, where residents protest his federal agents' activity in the city. pic.twitter.com/oAELkmbOjh
— MintPress News (@MintPressNews) 22. Januar 2026
Für Bovino ist das alles Teil der Operation, Amerika wieder sicherer zu machen. „Tausende tote Amerikaner“, beklagt er. „Kriminelle illegale Fremde“ hätten sie ermordet. Die Kriminalstatistik belegt dies nicht. Und trotzdem: Dagegen vorzugehen, ist Bovinos Auftrag. Trump selbst schwadroniert seit Jahren von den angeblichen Heerscharen mordender Einwanderer an der Südgrenze der USA.
News aus den USA
ICE-Chef Bovino über illegale Migranten: „Wir bieten ihnen einen Ausweg“
„Sie fragen sich vielleicht: ‚Hey, haben Sie denn kein schlechtes Gewissen?‘ Nein, das habe ich nicht“, sagte Bovino der „New York Times“ in einem Interview. „Ich möchte hier nicht gefühllos klingen, aber wir bieten ihnen ja eine Auswegmöglichkeit.“ Dieser Ausweg sei die Ankündigung der Trump-Regierung vom Mai 2025, dass sie jedem undokumentierten Einwanderer, der bereitwillig ausreise, 1000 Dollar und einen Flug nach Hause anbiete.
Selbst schuld, so die Aussage zwischen den Zeilen, wer das nicht nutze und sich stattdessen von den ICE-Agenten fangen lasse.

Bovino hat einen Hang zum Actionfilm. Als die Bürgermeisterin von Los Angeles den ICE-Einsatz als Misserfolg geißelte, konterte Bovino mit einem Video: Zu Rap-Musik blendete er Straßenjagd-Szenen in L. A. ein. ICE-Agenten in voller Montur rennen mutmaßlichen illegalen Migranten hinterher, führen sie ab. Harte Schnitte, hartes Durchgreifen soll das Video zeigen. Bovino schreitet voran, ebenfalls in Kampfmontur und Helm. Von wegen Misserfolg.
When you're faced with opposition to law and order, what do you do?
— Commander Op At Large CA Gregory K. Bovino (@CMDROpAtLargeCA) 8. August 2025
Improvise, adapt, and overcome!
Because American comes first...no apologies.#OpAtLarge #DHS #CBP #BorderPatrol #TrojanHorse pic.twitter.com/8CZr8SkrtL
Bovino genießt absoluten Rückhalt von der Regierung
Privat ist wenig über Bovino bekannt, etwa ob er verheiratet ist oder Kinder hat. Eine seiner Leidenschaften soll die Bärenjagd sein. Bei Instagram postete er im Dezember ein Video, in dem jemand den biblischen Vers 6:8 im Buch Jesaja liest. Betitelt ist das Video mit den Worten „‚Whom shall I send?‘ – ‚Send me‘“. Eine Referenz auf die Vision des Propheten Jesaja von Gott. Auf Gottes Frage „Wen soll ich senden – und wer wird für uns gehen?“ reagiert der Prophet mit den Worten „Hier bin ich, sende mich!“.
Der Vers steht für die Bereitschaft, Gottes Auftrag anzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und sich für eine Mission einzusetzen, auch ohne alle Details zu kennen, und ist ein Aufruf zur Nachfolge und zum aktiven Dienst. Der Post verrät, wie Bovino seine ICE-Tätigkeit sieht – mit dem Willen zur Trump-Gefolgschaft, eingebettet in einen starken religiösen Glauben.
Belohnt wird er mit absolutem Rückhalt durch seine Vorgesetzte Kristi Noem, durch Justizministerin Pam Bondi, Vizepräsident JD Vance und Trump selbst. Die jüngste Kritik an der Ingewahrsamnahme eines Fünfjährigen in Minnesota perlt an Bovino ab. „Team Grün will sie alle“, schrieb er auf X, in Anspielung auf die tarnfarbenen Uniformen seiner Leute. Schon jetzt fürchten Beobachter, dass die ICE-Agenten unter Bovino eine zentrale Rolle bei einer möglichen Behinderung der nächsten Präsidentschaftswahl spielen könnten.












