Es ist eine olivgrüne Camouflage-Armada, die sich durch die Straßen von Minneapolis schiebt – eben jener Stadt, aus der die Schlagzeilen über gewaltsame Festnahmen durch ICE-Beamte nicht abebben wollen. Anfang Januar erreichten sie ihren traurigen Höhepunkt, als die 37-jährige Renée Good in ihrem Auto erschossen wurde. Doch statt einer Deeskalation lässt es sich Trumps Grenzschutz-Chef nicht nehmen, weiter eine Art Patrouillengänge vorzunehmen.

Auf Aufnahmen des Portals „Status Coup News“, die am Samstag öffentlich wurden, ist zu sehen, dass Gregory Bovino dabei einen langen olivgrünen Mantel trägt. Auf den Schultern prangen Abzeichen, die laut „The Mirror US“ zur Zoll- und Grenzschutzbehörde gehören. Das Kleidungsstück ist auffällig lang, kastenförmig und mit goldenen Knöpfen verziert. Darunter trägt Bovino eine streng gebundene Krawatte und eine Art Lederriemen, bei dem nicht klar ist, ob er einen Zweck hat – oder modischen Gründen dient. Rein optisch erinnert an den „Sam-Browne-Gürtel“, der um 1900 von verschiedenen Armeen getragen wurde – auch von Offizieren des NS-Regimes.

News aus den USA

ICE-Chef: Trägt Bovino einen Nazi-Mantel?

In den sozialen Medien sorgt der Auftritt für Aufsehen – und weckt bei zahlreichen Nutzern Erinnerungen an den Kleidungsstil zur Nazi-Zeit. Mehrfach ist etwa bei X von „Nazi-Cosplay“ die Rede. Tatsächlich hat das Outfit eine erstaunliche Ähnlichkeit mit den langen Mänteln, wie sie auch Funktionäre des NS-Regimes, der SA oder der SS getragen haben. Medienberichten zufolge ist es nicht das erste Mal, dass sich Bovino mit diesem Mantel zeigt. Was er damit bezweckt, bleibt indes unklar: Auf eine Anfrage des US-Portals „Gizmodo“ reagierte das Ministerium für Innere Sicherheit vielmehr mit Gegenfragen, als mit einer Klarstellung.

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Undurchsichtig bleibt ebenfalls, inwieweit der Mantel mitsamt Abzeichen zur Standarduniform der Behörde gehört. Gängig scheint die Maskerade nicht zu sein. Denn Bovino wird von Beamten verschiedener Einheiten flankiert, die auf andere Art und Weise martialisch wirken: Ihre Sturmgewehre scheinen feuerbereit. Nachschub steckt in Form von Magazinen in kugelsicheren Westen. Viele Gesichter sind mit Sturm- oder Gasmasken verhüllt, während der Trupp bei matschig-grauem Winterwetter durch die Straßen von Minneapolis marschiert.

Bovino hingegen scheut sich nicht, sein Gesicht zu zeigen: Selbstbewusst läuft der stämmige Mann mit Kurzhaarfrisur über die Straße. Ernst blickt er nach links und rechts, wo sich am Straßenrand zahlreiche Demonstranten versammelt haben. „Runter von der Straße“, schreit Bovino plötzlich – und verweist mit einem Fingerzeig die Demonstranten aus dem Weg. Dem Protest tut das keinen Abbruch: „Braunhemden“, schreit etwa ein Mann, der damit wohl an die Farbe der SA-Uniformen erinnert. Alsdann schwenkt die Kamera auf einen älteren Demonstranten, der seinen Unmut kaum in Worte fassen kann. Er schreit „Coward Chickenshit“ (was auf Deutsch etwa „feige Hühnerscheiße“ heißt), bevor er sich wieder in eine Reihe mit anderen Demonstranten stellt.

mit dpa