Es gibt drei Dinge, die 2026 sicher sind: Das Jahr beginnt am 1. Januar, es endet am 31. Dezember – und dazwischen führt Deutschland eine Rentendebatte. Die Koalition aus Union und SPD hat sich vorgenommen, eine grundlegende Reform der Alterssicherung auf den Weg zu bringen und diese möglichst bis zum kommenden Weihnachten zu beschließen. Die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger ist dafür, die Rente zu reformieren, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion ergab. Zweifel gibt es in der Bevölkerung jedoch an der dafür notwendigen Kraft der Bundesregierung.
Union und SPD liegen in der Rentenpolitik nicht auf einer Linie. Das hatte bereits die Diskussion um ein erstes Rentenpaket gezeigt, das erst nach langen Debatten und trotz des heftigen Widerstands aus den Reihen von CDU und CSU noch vor Weihnachten beschlossen worden war. Das deutsche Rentensystem gilt jedoch als langfristig nicht mehr bezahlbar, die schwarz-rote Bundesregierung will sich daher an eine Grundsanierung trauen. „Das wird eine große Anstrengung für uns, aber wir wollen sie leisten, weil wir wissen, dass wir hier einen Reformstau auflösen müssen“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) unlängst. Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil pflichtet ihm bei: „Ich wünsche mir, dass wir im kommenden Jahr die Kraft und den Mut für eine große Rentenreform haben.“
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Die Bevölkerung in Deutschland unterstützt den Reformwillen der Koalition mehrheitlich: Vier von fünf Bundesbürgern (82 Prozent) bejahten in der Civey-Erhebung die Frage, ob sie eine grundlegende Reform der gesetzlichen Rente für erforderlich halten. Neun Prozent sind gegenteiliger Meinung, weitere neun Prozent sind in der Frage unentschieden. Eine deutliche Mehrheit für eine umfassende Reform gibt es der Umfrage zufolge unter den Anhängern aller im Bundestag vertretenen Parteien und über alle Altersgruppen hinweg.
Das Vertrauen der Befragten in die schwarz-rote Bundesregierung ist in der Rentenfrage jedoch gering. Nur ein Fünftel (20 Prozent) der Bürgerinnen und Bürger traut es Union und SPD zu, eine grundlegende Rentenreform auf den Weg zu bringen. Gut zwei Drittel (69 Prozent) trauen dies der Bundesregierung nicht zu, elf Prozent sind unentschieden. Am höchsten ist der Glaube an die Bundesregierung in dieser Frage – wohl wenig verwunderlich – noch unter den Anhängern von SPD (50 Prozent) und Union (36 Prozent).
Gesetzliche Rente: Diese Berufsgruppen sollen künftig einzahlen
Die Details der künftigen Altersversorgung sind offen. Merz kündigte an, die gesetzliche Rentenversicherung solle „eine Art Basisabsicherung“ bleiben. Diese solle ergänzt werden durch eine „sehr viel stärkere private Altersversorgung“ und eine „ebenfalls sehr viel stärkere betriebliche Altersvorsorge“. Eine Rentenkommission hat den Auftrag bekommen, bis zum 30. Juni Vorschläge zu machen. Das Gremium solle „ohne Denkverbote und Vorfestlegungen“ arbeiten, sagte CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann kürzlich unserer Redaktion.
Einige Ideen wurden jedoch bereits von Mitgliedern der Regierung selbst in die Debatte eingebracht. Arbeitsministerin Bärbel Bas schlug etwa vor, dass künftig auch Beamte, Selbstständige und Abgeordnete in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Dies befürworten 81 Prozent der Bürgerinnen und Bürger, zwölf Prozent sind dagegen (sieben Prozent sind unentschieden). Auch in der Frage gibt es große Zustimmung über politische Präferenzen und Altersgruppen hinweg.

Weniger deutlich fällt die Unterstützung für die Ankündigung des Kanzlers aus, dass die Bürgerinnen und Bürger künftig stärker selbst fürs Alter vorsorgen sollen. Dies befürworten zwar immer noch 56 Prozent der Befragten, ein Viertel der Bürgerinnen und Bürger (26 Prozent) lehnt mehr Eigenverantwortung bei der privaten Vorsorge jedoch ab. 18 Prozent sind in der Frage unentschieden. Unter den 18- bis 29-Jährigen unterstützen weniger als die Hälfte (46 Prozent) die Forderung von Merz, in der Altersgruppe ab 65 Jahren liegt die Zustimmung deutlich höher (65 Prozent).
Ein für die Koalition heikler Punkt sind das Renteneintrittsalter und die Lebensarbeitszeit. In der Union gibt es Sympathien dafür, dass die Menschen in Deutschland später in Rente gehen als bisher. „Wir müssen in Deutschland insgesamt mehr arbeiten“, sagte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kurz vor Weihnachten. Die SPD lehnt eine längere Lebensarbeitszeit ab.
„Wir müssen in Deutschland insgesamt mehr arbeiten.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche
Unterstützung in ihrer Ablehnung bekommen die Sozialdemokraten vom Sozialverband SoVD. Reiches Vorschläge kämen für viele Beschäftigte einer Rentenkürzung durch die Hintertür gleich, sagte die SoVD-Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier unserer Redaktion. „Schon heute erreichen viele Menschen das Rentenalter nicht gesund, insbesondere in körperlich oder psychisch belastenden Berufen.“ Der Sozialverband könne nicht nachvollziehen, „wie man unter dem Deckmantel der Wirtschaftsstärkung erneut an der Rente rütteln kann“.
Die SPD-Vorsitzenden Bas und Klingbeil schlagen allerdings vor, den Renteneintritt nicht mehr an das Alter zu koppeln, sondern an die Zahl der Beitragsjahre. Merz nannte den Vorschlag „durchaus erwägenswert“. In der Bevölkerung gibt es mehrheitlich Rückendeckung: Knapp zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger (60 Prozent) unterstützen die Idee, ein Viertel (24 Prozent) hält dies für falsch. Unentschieden sind 16 Prozent.
Bei aller Unterstützung für eine grundlegende Reform des deutschen Systems der Altersversorgung spricht aus den Ergebnissen der Befragung ein großes Bedürfnis nach einer sicheren und verlässlichen Rente: Knapp zwei Drittel (60 Prozent) finden es richtig, das Rentenniveau langfristig zu sichern, auch wenn dadurch hohe Kosten entstehen (dagegen sind 23 Prozent, unentschieden 17 Prozent). Drei Viertel der Befragten (76 Prozent) lehnen es zudem ab, die gesetzliche Rente zu kürzen, um ihre Finanzierung zu sichern. Dafür sind 14 Prozent, zehn Prozent sind unentschieden.
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Am wenigsten Unterstützer hätten Rentenkürzungen unter den Anhängern der SPD (acht Prozent). Jüngere stehen Rentenkürzungen deutlich positiver gegenüber als Ältere. Unter den 18- bis 29-Jährigen fänden 37 Prozent Rentenkürzungen richtig (dagegen 53 Prozent, unentschieden zehn Prozent), unter den Rentnern der kommenden Jahre in der Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen unterstützen nur sieben Prozent Rentenkürzungen (83 Prozent dagegen, zehn Prozent unentschieden).
Für diese Analyse befragte Civey im Auftrag unserer Redaktion vom 16. bis zum 22. Dezember 5000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren online. Die Ergebnisse sind dem Meinungsforschungsinstitut zufolge aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 2,6 Prozentpunkten.





