Es gibt Transparenz. Und es gibt Verschleierung, getarnt als Transparenz. Der Umgang der US-Regierung mit den Horror-Akten des Sexual-Straftäters und Ex-Trump-Freundes Jeffrey Epstein fällt in die zweite Kategorie.

Was da an Info-Gigabytes ohne jeden Kontext auf den öffentlichen Markt geworfen wurde, darf als gezielte Desinformation betrachtet werden. Sie wird am Ende nur eines befördern: weitere Verschwörungstheorien. Weil niemand (bis auf Donald Trump und seine Helferlein im Justizministerium) weiß, was alles fehlt oder gezielt weiter unter der Decke gehalten wird.

Mehr zum Fall Epstein

Trumps Verschleierungstaktik: Die Leidtragenden sind die Opfer

Leidtragende sind in erster Linie Epsteins Opfer. Statt mit Rechenschaftspflicht begegnet man ihnen mit Gleichgültigkeit. Jede Schwärzung in den Akten, und es gibt Hunderte, ist für sie ein Stich ins Herz.

Dirk Hautkapp berichtet als US-Korrespondent der FUNKE Zentralredaktion aus Washington, D. C.
Dirk Hautkapp berichtet als US-Korrespondent der FUNKE Zentralredaktion aus Washington, D. C. © privat | Privat

Enttäuscht werden auch jene, die sich Klarheit darüber erhoffen, was die vergangenen fünf US-Regierungen, ab wann über Epsteins Sexhandelsnetzwerk wussten und warum sie es unterließen, dem Mann, der nach offiziellen Angaben 1200 Leben zerstört hat, brutal das Handwerk zu legen.

Dass nicht ein einziger prominenter Mittäter/Nutznießer der Epstein-Ausbeutungsmethoden, die von den Opfern intern mit Klarnamen und sprachlos machenden Details beschrieben wurden, in den Dokumenten auftaucht, spricht für sich. Ebenso die Tatsache, dass Donald Trump klinisch rein daherkommt, obwohl er lange Zeit Epsteins Bewunderer und Bruder-im-Geiste war.

222598_1325_222598_cover.jpg
#30 Luisa Neubauer über den Krebstod ihres Vaters und die Verwandlung von Greta Thunberg
Meine schwerste Entscheidung
 

Dass der Präsident als Ablenkungsmanöver Bill Clinton, den bislang niemand strafrechtlich belastet hat, mit pseudo-schlüpfrigen Fotos auf die Bühne schieben lässt, passt ins Bild. Das alles verblasst aber vor dieser Erkenntnis: Es gab 1996 offenkundig die Chance, Epstein frühzeitig aus dem Verkehr zu ziehen. Viel Leid hätte vermieden werden können. Das FBI verschloss die Augen. Warum?