Die erste Enttäuschung nach der Freigabe hunderttausender Seiten, Fotos, Videos und Audio-Dateien aus den bisher unter Verschluss gehaltenen Gerichtsakten von Jeffrey Epstein, Serien-Sexualstraftäter und Ex-Freund von US-Präsident Donald Trump, kommt bereits nach wenigen Klicks. 

Auf der Webseite des Justizministeriums in Washington lockt eine Rubrik namens „Gesamte Epstein-Bibliothek durchsuchen“ dazu, Namen wie „Epstein“ oder „Trump“ in die Suchmaske einzutippen. 

Geheim und geschwärzt. Typisch für viele Dokumente aus dem Epstein-Kontext, die das Justizministerium am Freitag veröffentlichte.
Geheim und geschwärzt. Typisch für viele Dokumente aus dem Epstein-Kontext, die das Justizministerium am Freitag veröffentlichte.© AFP | MANDEL NGAN

Epstein: Veröffentlichung der Akten sorgt für Enttäuschung

Wer dies tat, als die seit Monaten die US-Innenpolitik und Trump persönlich überschattenden Papiere am Freitagnachmittag fristgerecht freigeschaltet wurden, was beinahe weltweit Eil-Meldungen auslöste, sah sich düpiert: „Keine Ergebnisse gefunden“. 

Erklärt wurde dies in einer Fußnote damit, dass es „technische Beschränkungen“ gebe, manche Datei-Formate nicht gespeichert werden könnten oder „unzuverlässige Ergebnisse produzieren“. Das System rät darum dazu, andere Such-Methoden anzuwenden. Nur welche? Kein Hinweis. Es sollte nicht die letzte Enttäuschung gewesen sein…

Etliche Fotos aus dem Epstein-Fall zeigen nicht etwa Donald Trump, sondern den früheren Präsidenten Bill Clinton. Demokraten wittern dahinter Methode.
Etliche Fotos aus dem Epstein-Fall zeigen nicht etwa Donald Trump, sondern den früheren Präsidenten Bill Clinton. Demokraten wittern dahinter Methode.© AFP | HANDOUT

Todd Blanche, Vize-Justizminister, hatte zuvor deutlich gemacht, dass sein Haus eine unbekannte Menge an Material weiter zurückhalten werde, da rund 200 Staatsanwälte die Dokumente weiterhin prüften. Diese Akten sollen schrittweise „in den nächsten Wochen“ veröffentlicht werden. 

Epstein-Akten: Demokraten sprechen von „Vertuschung“

Demokraten im Kongress erkennen bereits die Fortsetzung der „Verschleierung“ und „Vertuschung“ des Falls durch die Trump-Regierung und schlagen Alarm. Beispielsweise wurden alle 119 Seiten eines Dokuments über die Aussagen einer Geschworenen-Jury in New York vollständig geschwärzt. „Wir brauchen Antworten darauf, warum das so ist“, sagte Chuck Schumer, demokratischer Frontmann im Senat, „die bloße Veröffentlichung einer Unmenge geschwärzter Seiten verstößt gegen den Geist der Transparenz und den Wortlaut des Gesetzes.“

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Laut Blanche, der früher Trumps privater Strafverteidiger war, stammen die veröffentlichten Unterlagen aus Ermittlungsakten des FBI zu den Verfahren wegen sexuellen Missbrauchs gegen Epstein (2006 und 2018), aus der Strafverfolgung gegen seine Komplizin, Partnerin und Zuhälterin Ghislaine Maxwell (2019), aus Unterlagen der Geschworenen-Jurys aus allen drei Fällen sowie aus Material der Ermittlungen des FBI zum Tod Epsteins in einem New Yorker Bundesgefängnis im Sommer 2019.

Vize-Minister: Es gibt 1200 Epstein-Opfer

Wie eine erste Zufalls-Stichprobe ergab, ist ein großer Teil der Ermittlungsakten unkenntlich gemacht, darunter auch Akten, die mit den zahlreichen weiblichen Opfern von Jeffrey Epstein in Verbindung stehen; die Rede ist laut Minister Blanche von insgesamt 1200 Betroffenen. 

Das Dokumenten-Konvolut enthält eine große Anzahl undatierter, oft unbeschrifteter Fotos von Epstein mit Prominenten wie Michael Jackson und Mick Jagger. 

House Oversight Committee Releases Epstein Estate Photos
1997. Donald Trump und Jeffrey Epstein (direkt vor ihm) mit einer unbekannten Frau. Solche Fotos waren nicht dabei, als das Justizministerium am Freitagabend einen großen Teil der Gerichtsakten über den Sexual-Straftäter und Ex-Trump-Freund veröffentlichte.© IMAGO/ZUMA Press Wire | Epstein Estate/House Oversight

Es gibt - auffällig - auch mehrere bislang nicht bekannte Fotos des ehemaligen demokratischen Präsidenten Bill Clinton. Eins zeigt ihn mit einer blonden Frau, die im Unterhemd auf seinem Oberschenkel sitzt. In einem anderen liegt er mit einer anderen Person in einem Whirlpool. In beiden Fällen sind die Gesichter (bis auf das von Clinton) unkenntlich gemacht worden. Vergleichbare Fotos von Donald Trump, der von den späten 1980er Jahren bis Mitte der 2000er Jahre eng mit Epstein befreundet war, waren nach erster Durchsicht nicht zu finden. Was aus Demokraten-Sicht den Verdacht bestätigt, dass die Akten „gründlich Trump-bereinigt wurden“. Trump kommt nur sporadisch in den publizierten Dokumenten vor.

Der Fall Epstein: Frau berichtet, was der Sexualstraftäter von ihr forderte

Einige Unterlagen beschreiben detailliert, welche Art von Missbrauch Epstein seinen Opfern zugefügt hat. In einem Verhör durch die Polizei von Palm Beach/Florida sagt ein Mädchen, dass sie im Alter von 16 Jahren angeworben wurde, um Epstein teilweise nackt zu massieren. Die Frau beschreibt, wie Epstein sie aufforderte, sich von ihren Eltern zu emanzipieren, um mit ihm als „Sexsklavin, wie auch immer man es nennen mag“ zu leben. Epstein hortete Dutzende Fotos von nackten und halbnackten Frauen. 

Bill Clinton und die Stars Michael Jackson und Diana Ross. Wo das Foto aufgenommen wurde und wann, wie es im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein steht? Alles unkar. Aber das Justizministerium hat es veröffentlicht.
Bill Clinton und die Stars Michael Jackson und Diana Ross. Wo das Foto aufgenommen wurde und wann, wie es im Zusammenhang mit Jeffrey Epstein steht? Alles unkar. Aber das Justizministerium hat es veröffentlicht.© AFP | HANDOUT

In einer handschriftlichen Notiz wird aus der Epstein-Entourage jemand angewiesen, einen „Eimer Rosen“ zu besorgen und ihn einer namentlich nicht genannten Frau an einer „High School“ zu bringen; was darauf hindeuten könnte, dass die Empfängerin minderjährig war. 

Foto zeigt Epstein mit angeblichem Scheck von Donald Trump

Zu sehen sind auch Fotos von Epstein, der mit einem Scheck posiert, den Donald Trump ihm angeblich gegeben hat und der darauf hindeutet, dass der Sexualstraftäter ihm eine Frau „verkauft“ hat.

Ebenfalls enthalten sind Notizen aus FBI-Befragungen von mutmaßlichen Opfern aus dem Jahr 2019. In einem Interview erzählte eine Frau dem FBI, dass Epstein einmal nach dem Ausweis eines Mädchens gefragt habe, um sicherzustellen, dass sie unter 18 Jahre alt sei, weil sie „es vermasselt hätten, indem sie ältere Mädchen mitgebracht hätten“, heißt es in den Notizen.

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Noch unklar: „Was wusste Trump?“

Dass es am Freitag zu der Teil-Veröffentlichung der Epstein-Akten kam, über deren Bedeutung gerade bei der Frage „Was wusste Trump von dem Missbrauch?“ noch nicht viel gesagt werden kann, geht auf ein vom Kongress gegen den Willen von Trump und Justizministerium durchgesetztes Gesetz zurück. 

Der darin enthaltene Rechtsrahmen enthält viele Ausnahmen, die es dem Justizministerium ermöglichen, etliche Dokumente weiter komplett unter Verschluss zu halten. In den jetzt öffentlich gewordenen Dokumenten mussten Informationen über potenzielle Opfer von Epstein oder über sexuellen Kindesmissbrauch vorher unkenntlich gemacht worden. Auch Unterlagen, die aus laufenden Verfahren stammen, dürfen nach Gesetzeslage nicht herausgegeben werden.