Wenn jemand im Schmuddel-Epos um Jeffrey Epstein, in das Donald Trump immer tiefer verstrickt wird, das Gras wachsen hört, dann sie: Julie Brown, Reporterin-Star beim „Miami Herald” in Florida, ist seit 20 Jahren journalistisch auf den Spuren des Sex-Straftäters, der bis zu seinem Gefängnis-Tod 2019 beste Beziehungen in höchste Kreise von Politik und Wirtschaft unterhielt. 

Weil Browns Expertise in dem Fall fast unerreicht ist, der gerade durch eine neue Flut von Epstein-E-Mails Washington DC aufrüttelt, hörten zuletzt viele genauer hin, als die Journalistin eine bemerkenswerte Vermutung anstellte: Danach könne ein Teil der Indiskretionen, die auch den Präsidenten der Vereinigten Staaten betreffen, aus dem Umfeld von Ghislaine Maxwell stammen; jener Milliardärs-Tochter, die lange eng mit Epstein liiert war und ihm ausweislich von Gerichtsakten später geschäftsmäßig Hunderte junge, teils minderjährige Frauen zuführte, die der New Yorker Finanzinvestor sexuell missbrauchte und an prominente Dritte weitergereicht haben soll. 

Neue Mails zu Epstein: Demokraten erhöhen Druck auf Trump

weitere Videos

    Deswegen wurde Maxwell 2021 wegen Kinderhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt, die sie – von A bis Z ungewöhnlich – seit einigen Monaten in einem vergleichsweise lax gesicherten Gefängnislager in Bryan, Bundesstaat Texas, absitzen darf. 

    Mehr zum Fall Epstein

    Die Verlegung dorthin geschah direkt im Anschluss an eine bis heute dubiose Visite des stellvertretenden US-Justizministers Todd Blanche bei Maxwell im Sommer, über das die Regierung bis heute nie in vollem Umfang öffentlich berichtet hat; bis auf ein Detail: Donald Trump, der in den frühen 2000er-Jahren eng mit Epstein befreundet war, habe sich laut Maxwell in punkto Frauen nie unangemessen verhalten.  

    Trump, Knauss, Epstein, & Maxwell At Mar-A-Lago
    Donald Trump und seine damalige Freundin Melania Knauss, heute First Lady Melania Trump, waren vor über 20 Jahren gut befreundet mit Jeffrey Epstein und seiner Partnerin Ghislaine Maxwell.© Getty Images | Davidoff Studios Photography

    Eine Behauptung, die nicht ganz passt zu einer E-Mail, die Epstein im April 2011 an Maxwell verfasste. Darin heißt es: „Ich möchte, dass Du Dir bewusst machst, dass der Hund, der nicht gebellt hat, Trump ist.” Epstein fügte hinzu, dass eines seiner Opfer (es handelte sich um Victoria Giuffre) „Stunden mit ihm in meinem Haus verbracht hat.“ Maxwells Antwort: „Ich habe darüber nachgedacht.“

    In dieser Gemengelage kommt nun ein Brief des ranghöchsten Demokraten im Justizausschuss des Repräsentantenhauses in Washington, Jamie Raskin, der sich auf E-Mails eines „whistleblower” in Maxwells Vorzeige-Bundesgefängnis (scherzhaft „Club Fed” genannt) beruft.  

    Der König greift durch: Prinz Andrew verliert seine Titel

    weitere Videos

      Danach genießt die 63-Jährige dort eine eingedenk ihrer schweren Straftaten „ungeheuerliche” Vorzugsbehandlung. Maxwell dürfe etwa in einem „speziellen, abgegrenzten Bereich Besucher empfangen”, für die Snacks und Erfrischungen bereitgehalten würden. Ihren Gästen sei auch erlaubt worden, Computer mitzubringen, was normalerweise verboten ist und Maxwell die Kommunikation mit der Außenwelt ermöglicht habe. Außerhalb der normalen Öffnungszeiten darf Maxwell auch den Fitness-Raum der Haftanstalt besuchen und dort allein trainieren. Ein Insasse, der Diensthunde ausbildet, sei angewiesen worden, Maxwell Zeit mit einem der Welpen zu gestatten, obwohl die Hunde während der Ausbildung sonst nicht gestreichelt werden dürfen. 

      Von Kopf bis Fuß auf Jeffrey eingestellt: Ghislaine Maxwell und der verstorbene US-Finanzier und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auf einem Privatflug.
      Von Kopf bis Fuß auf Jeffrey eingestellt: Ghislaine Maxwell und der verstorbene US-Finanzier und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auf einem Privatflug.© AFP | HANDOUT

      Maxwell: Fühle mich wie Alice im Wunderland

      Maxwell bestätigte gegenüber einem Verwandten die positiven Seiten ihres Daseins: „Das Essen ist um ein Vielfaches besser, die Anlage ist sauber, das Personal ist aufmerksam und höflich. Ich habe keine einzige Schlägerei, keinen Drogenhandel, keine ohnmächtigen Personen oder nackte Insassen gesehen, die herumlaufen oder sich zu mehreren in der Dusche versammeln. Mit anderen Worten, ich fühle mich, als wäre ich durch den Spiegel von Alice im Wunderland gefallen.”

      Ghislaine Maxwell Transferred To Minimum Security Prison Camp In Texas
      Mehr Hotel denn Justizanstalt: In Bryan/Texas führt Ghislaine Maxwell ein seltsam privilegiertes Leben hinter Gittern.© Getty Images via AFP | Brandon Bell

      Die Sonderprivilegien der Gefangenen Maxwell gingen so weit, dass ihr die Gefängnisdirektion um Tanisha Hall bei der Vorbereitung eines an Präsident Trump gerichteten Antrags auf Strafmilderung geholfen haben soll. „Dieser erstklassige Luxus-Service hat einen solchen Punkt der Absurdität erreicht, dass sich einer der Spitzenbeamten des Gefängnisses beschwert hat, er habe es satt, Maxwells Lakai zu sein“, schrieb Raskin an das Weiße Haus und verlangte nach Aufklärung. Der Parlamentarier aus Maryland spricht von der „obszönen Verhätschelung einer verurteilten Sexualstraftäterin”, die gestoppt werden müsse. 

      214824_1325_214824_cover.jpg
      #27 Dorothee Bär über Kinder im Bundestag und den Feminismus-Faktor von Friedrich Merz
      Meine schwerste Entscheidung
       

      Julie Brown und andere Experten, die den Fall Epstein seit Jahren beobachten, erklären die Sonderbehandlung damit, dass Maxwell Herrschaftswissen besitze, das für Trump & Co. unangenehm werden könne – wenn es öffentlich würde. 

      Maxwells Anwältin Leah Saffian bestreitet die Vorwürfe grundsätzlich. Ihre Mandantin habe demnach weder um Haftverkürzung noch Begnadigung ersucht und sei das Opfer einer Intrige. Dass Gefängnismitarbeiter Maxwells E-Mails weitergegeben hätten, stelle einen nicht hinnehmbaren Tabubruch dar. Laut Saffian seien besagte Angestellte „wegen unzulässigen, unbefugten Zugriffs auf das E-Mail-System” entlassen worden. Das zuständige „Bureau of Prisons” (BOP) hat dies bislang nicht offiziell bestätigt.