Der 12. Dezember war kein guter Tag für Dorothee Bär. Erst wurde sie beim CSU-Parteitag in München mit dem schlechtesten Ergebnis aller Kandidaten (74,6 Prozent) als Partei-Vize bestätigt, im Anschluss durfte sie sich dann auch noch eine saubere verbale Watschn von ihrem Chef abholen. Bayern-Regent Markus Söder hatte zuvor ebenfalls eine herbe Schlappe hinnehmen müssen und war nur mit 83,6 Prozent der Delegiertenstimmen als Parteivorsitzender wiedergewählt worden – sein schlechtestes Ergebnis überhaupt.
Bayerns Ministerpräsident ist dafür bekannt, in seinen Reden gerne auszuteilen. Sticheleien, Frotzeleien und allerlei andere Hinterfotzigkeiten sind Söder nicht fremd. Sein Vorgänger Horst Seehofer sprach einmal von „Schmutzeleien“. Selbst die eigenen Reihen werden bei Söder nicht verschont, was diesmal Digital- und Raumfahrtministerin Dorothee Bär zu spüren bekam.

In seiner Rede putzte „Star Wars“-Fan Söder die fränkische Landsfrau herunter. „Und jetzt haben wir auch ein Ministerium und die Doro ist unsere Space-Ministerin, das freut mich ganz besonders. Danke auch für deine Arbeit an der Stelle“, hub Söder an. So weit, so nett.
Doch nachdem die Delegierten artig applaudiert hatten, ging es in ganz anderem Ton weiter. „Keine Frage: Wir erwarten uns nicht viel von dir, aber viel Geld nach Bayern, liebe Doro. Das wäre schön“, stichelte Söder und garnierte sein vergiftetes Lob mit einem fiesen „Hehe“. Bär wandte sich schnell ihrem Nebenmann Alexander Dobrindt zu und tuschelte hinter vorgehaltener Hand mit dem Bundesinnenminister, wohl um ihre entgleisten Gesichtszüge zu verbergen.
„Unfassbare Entgleisung“
In den sozialen Medien wurde Söders unfeiner Move eifrig diskutiert und kommentiert. „Unfassbare Entgleisung und auch Demütigung“, schrieb ein Nutzer auf „X“, ein anderer bezeichnete Söders Aussage als „Kompliment mit Keule“.
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Dorothee Bär selbst, der man im Umgang mit ihrem Chef eine gewisse masochistische Ader unterstellen muss, war im Interview mit dem Sender „Phoenix“ im Anschluss bemüht, die Wogen zu glätten und ihr schlechtes Ergebnis schönzureden. An ihrer Nibelungentreue zu Parteifreund Markus dürfte sich auch in Zukunft nichts ändern. Bär lobt ihn bei jedem Anlass in den höchsten Tönen.
Für die „liebe Doro“ hat sich das zumindest beruflich ausgezahlt. Wie es wirklich in ihr aussieht, konnte die 47-Jährige bisher gut verbergen. Sollte Bayerns Raumfahrtprogramm „Bavaria One“ irgendwann einmal starten, könnte Bär aber schon eine Idee für die erste Mission haben: Den Chef auf den Mond schießen.




