Die Liste der Polit-Promis ist lang. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) soll kommen, Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auch. Bei einem Gipfel am schönen Tegernsee in Oberbayern treffen sie auf die Spitzen aus Wirtschaft und Wissenschaft, den Vorstandschef von Audi etwa. Auch der Präsident des Bundes der Steuerzahler ist eingeladen, die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Andrea Nahles, sowie die Chefin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, BSI, Claudia Plattner.
Die Rede ist vom „Ludwig-Erhard-Gipfel“. Medienberichte loben das Treffen als „Stelldichein der Wirtschaft“ und als „deutsches Davos“. Die Veranstalter sprechen von einem „großen Get-Together“ der „Elite aus Wirtschaft, Politik, Medien und Wissenschaft“. Sogar der frühere Bundespräsident Joachim Gauck war dieses Jahr dabei.
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Kulturstaatsminister Weimer zur Hälfte an Weimer Media Group beteiligt
So weit, so normal. Um die Brisanz zu erkennen, muss man sich den Ausrichter des Gipfels genauer anschauen. Veranstaltet wird er von der Weimer Media Group. Sie gehört laut einem veröffentlichten Eintrag aus dem Handelsregister je zur Hälfte den Eheleuten Christiane Götz-Weimer – und Wolfram Weimer. Die Liste der „Partner“ des Gipfels ist lang und reicht von Audi über Vodafone und den Tabakkonzern Philip Morris bis hin zu RTL und dem Magazin „Stern“.
Wolfram Weimer ist nicht mehr in erster Linie Unternehmer, sondern Staatsminister in der Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU). Genauer gesagt: Kulturstaatsminister. Merz wollte nicht nur „Polit-Profis“ in seiner Koalition, sondern auch „frischen Wind“ aus Wirtschaft und Gesellschaft. Weimer ist parteilos, erfolgreicher Verleger und Unternehmer.

Weimer Media Group: Gegen Geld Zugang zu Spitzenpolitikern?
Nun aber wird Kritik laut an Weimer. Laut Medienberichten soll die Weimer Media Group auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel Unternehmen gegen Geld exklusiven Zugang zu Bundesministern bieten und mit „Einfluss auf die politischen Entscheidungsträger“ werben. Die bayerische Staatsregierung überprüft deshalb, ob die Veranstaltung weiter staatliche Unterstützung bekommen soll oder nicht.
Ein Minister, dessen Firma privilegierten Zugang zur Spitzenpolitik verkauft? „Jede Unklarheit über mögliche Interessenvermischungen beschädigt die Glaubwürdigkeit des Amtes und untergräbt das Vertrauen der Öffentlichkeit“, erklärt nun der Grünen-Politiker Sven Lehmann, der Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag.
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Transparency International übt scharfe Kritik
Die Nichtregierungsorganisation Transparency International Deutschland e. V. kritisierte Weimer scharf: „Wenn die Vorwürfe zutreffen, gibt es hier ein großes Problem. Ein Staatsminister kann nicht einfach über eine GmbH, die ihm zur Hälfte gehört, für viel Geld Interessierten Gesprächskontakte mit seinen Kabinettskolleginnen und -kollegen anbieten“, sagte Wolfgang Jäckle, Co-Leiter der Arbeitsgruppe Politik bei Transparency International, dieser Redaktion. Wenn er das mache, dann sei das ein klarer Interessenskonflikt. „Und es ist unethisch, so etwas zu tun“, so Jäckle weiter.
Weimer selbst verteidigt sich nun. Der Vorwurf, er verkaufe „Einfluss auf politische Entscheidungsträger“, sei „schlicht eine Lüge, gegen die ich mich juristisch zur Wehr setzen werde“, sagt er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.
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Weimer: Bayern überprüft Unterstützung von Ludwig-Erhard-Gipfel
Doch reißt die Kritik nicht ab. Denn noch etwas spielt eine Rolle. Die Agentur „Bayern Innovativ“ hatte laut Medienberichten den Ludwig-Erhard-Gipfel 2025 gefördert – mit 165.000 Euro, wie das Ministerium in München erläutert. Im Jahr 2024 waren es demnach 140.000 Euro, in den Jahren 2023 und 2022 jeweils 75.000 Euro. Sowohl das bayerische Wirtschaftsministerium als auch die Agentur sind als „Partner“ auf der Webseite des Promi-Treffens genannt.
Die bayerische Staatskanzlei überprüft aufgrund der mutmaßlichen Geldzahlungen an die Firma für Kontakte in die Spitzenpolitik, ob die Veranstaltung weiter staatliche Unterstützung bekommen soll oder nicht. Es laufe eine „interne Compliance-Prüfung“. Das bestätigt die Staatskanzlei auf Nachfrage unserer Redaktion.
Weimer: Arbeitsagenturchefin Nahles erwägt, Teilnahme an Gipfel abzusagen
Mehrere Prominente, die auf der Gästeliste des kommenden Gipfels stehen, reagieren zumindest zurückhaltend. Das Wirtschaftsministerium in München teilt dem Bayerischen Rundfunk mit: „Innerhalb der Staatsregierung wird die Teilnahme von Regierungsmitgliedern derzeit überprüft.“ Beim Gesundheitsministerium heißt es demnach: „Gesundheitsministerin Judith Gerlach hat eine Einladung zum Ludwig-Erhard-Gipfel erhalten. Eine Teilnahme wird geprüft.“ Volle Rückendeckung für den Gipfel am Tegernsee klingt anders.

Auch Arbeitsagentur-Chefin Andrea Nahles erwägt, dem Ludwig-Erhard-Gipfel fernzubleiben. „Abhängig von dem Ausgang des von der bayerischen Staatsregierung eingeleiteten Compliance-Verfahrens werden wir die Teilnahme von Andrea Nahles bewerten“, teilte eine Sprecherin der Behörde dieser Redaktion mit. Nahles habe der Sprecherin zufolge Anfang Oktober ihre Teilnahme zugesagt. „Sowohl zum Zeitpunkt der Zusage, wie auch aktuell steht die Veranstaltung unter der Schirmherrschaft des Bayerischen Ministerpräsidenten, Herrn Dr. Markus Söder“, sagte sie weiter. Führungskräfte der Bundesagentur für Arbeit würden an solchen Veranstaltungen teilnehmen, um „Transparenz zur Lage auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt herzustellen sowie über das Dienstleistungsangebot der Bundesagentur für Arbeit zu informieren“.
Eingeladen ist auch der bekannte Militärexperte Carlo Masala. Er teilte auf Nachfrage dieser Redaktion mit: „Ich soll da sprechen, kriege kein Honorar und niemand zahlt Geld dafür, mich zu treffen.“ Masala wolle abwarten, was passiere. Er sagt aber auch, er halte „die Verquickung ‚Frau macht das Geschäft, ihm gehören 50 Prozent der Firma‘ für problematisch“.
Weimer: Unternehmen weist Vorwürfe zurück
Über den bekannten Medienanwalt Christian Schertz lässt das Unternehmer-Ehepaar mitteilen: Wolfram Weimer habe „jegliche operative Funktion“ in der Weimer Media Group vor seinem Amtsantritt als Staatsminister „niedergelegt“. Darüber sei die Öffentlichkeit auch informiert worden. Weimer sei seitdem „an keinerlei Entscheidungsprozessen“ oder der „Durchführung von Veranstaltungen durch das Unternehmen“ beteiligt. Laut der Firma übt Weimer trotz seiner Beteiligung von 50 Prozent „keine Stimmrechte aus“. Wolfram Weimer selbst sagt: „Ich habe dort keine Funktionen, nicht einmal ein Beratermandat.“
Exklusive Politik-Hintergründe – für Sie recherchiert
Als Kulturstaatsminister wird er 2026 nach Angaben seines Anwalts selbst nicht Gast auf dem Gipfel am Tegernsee. Zu den Vorwürfen, seine Firma verkaufe Kontakte in die Politik sagt Weimer der „FAZ“: „Mein früherer Verlag hat Kongresse und Gipfeltreffen organisiert wie alle anderen größeren Verlagsgruppen auch. Ticketverkäufe und Teilnahmepakete sind dabei völlig normal und legitim.“
Die Weimer Media Group teilt auf Nachfrage unserer Redaktion mit, sie sichere „keinen expliziten Zugang zu Politikerinnen und Politikern zu“. Weder in den „offiziellen Angeboten noch in bestehenden Verträgen finden sich entsprechende Aussagen“, so ein Sprecher. Es gehe lediglich um den Austausch der eingeladenen Gäste mit den Zuhörern auf der Konferenz.




![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)







