Sahra Wagenknecht mag nicht mehr – jedenfalls nicht mehr so wie bisher. Die Gründerin der nach ihr benannten Partei BSW gibt den Co-Vorsitz ab und will künftig als Chefin einer neuen Grundwertekommission das Profil der Gruppierung schärfen. Es wirkt wie ein Abschied auf Raten. Die 56-Jährige sagt, sie würde gern Fraktionsvorsitzende im Bundestag werden. Aber dafür müsste erst einmal der Antrag auf Neuauszählung Erfolg haben, was unwahrscheinlich ist. Bei den Bundestagswahlen Ende Februar hatte das BSW den Einzug ins Parlament knapp verpasst.
Auch interessant
Wagenknecht zieht sich aus der ersten Reihe des BSW zu einer Zeit zurück, in der vollkommen unklar ist, ob die Partei überhaupt eine Zukunft hat. Wer nicht im Bundestag sitzt, der findet in den nationalen Debatten kaum statt. Mit der Regierungsbeteiligung in Thüringen hadert das BSW, in Brandenburg knirscht es gewaltig. In den bundesweiten Umfragen liegt das Bündnis unter fünf Prozent. 2024 hatte es fulminante Wahlerfolge eingefahren. Jetzt ist der Lack ab; demnächst wird auch der Name Sahra Wagenknecht aus dem Parteinamen verschwinden.

Ob der Europa-Abgeordnete Fabio De Masi als Parteichef die Lücke füllen kann, sei einmal dahingestellt. Der Mann ist klug und ein erfahrender Parlamentarier – aber nicht unbedingt einer, der wie Wagenknecht die Marktplätze in Ost wie West füllt. Für die Co-Vorsitzende Amira Mohamed Ali gilt das allemal. Zur Wahrheit gehört auch: Nicht das BSW, sondern die Linkspartei hat gerade Wind unter den Flügeln. Also jene Formation, die Wagenknecht und ihre links-konservativen Mitstreiter 2024 mit Aplomb verlassen hatten. Die sind jetzt da, wo ehedem die Linke war: gefährlich nah am Abgrund.




