Nachdem Polizisten in Remscheid vor wenigen Tagen ein großes Arsenal an Kriegswaffen ausgehoben hatten, wächst der Verdacht, dass die Waffensammler womöglich nicht nur kommerzielle Interessen gehabt haben könnten. 

Herbert Reul (CDU); „Die Herren könnten dem Rechtsextremismus nicht abgeneigt sein“

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärte am Donnerstag im Innenausschuss des Landtags, dass der Staatschutz eine Spur nach Rechts verfolge. „Es liegt der Verdacht in der Luft, dass die Herren dem Rechtsextremismus nicht abgeneigt sein könnten“, sagte er.

Das Lager habe einem Waffenhandel samt Büchsenmacherwerkstatt geglichen, teilweise aber auch an ein Weltkriegsmuseum von „militärverrückten Waffensammlern“ erinnert, präzisierte Reul. „Da lagen alte, teils unbrauchbare Waffen, Minen, Handgranaten in einem Hinterzimmer. Da hing eine Hakenkreuzflagge an der Wand, da standen Schaufensterpuppen in Uniform aus der NS-Zeit.“

NRW-Innenminister Herbert Reul
„Es kann sein, dass es sich um Rechtsextremisten handelt“: NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)© Henning Kaiser/dpa | Henning Kaiser

Der Minister sprach von einem „Schlag gegen die Schwerstkriminalität“. Die Sicherheitsbehörde gingen davon aus, dass es bandenmäßige Kriminalität sei. „Was da noch weiter dranhängt, werden wir uns genau anschauen“, so Reul weiter. Das Vorhandensein von Symbolen aus der Nazizeit bedeute nicht zwingend, dass es sich um Rechtsextremismus handeln müsse. „Es kann aber so sein“, sagte Reul.

Landeskriminaldirektor: „Sehr viele Sammlerstücke aus den Weltkriegen“

Landeskriminaldirektor Peter Mosch sagte im Innenausschuss: „Es wurden sehr viele Sammlerstücke aus den Weltkriegen gefunden. Wenn ich da eine Hakenkreuzflagge finde, dann kann das einfach nur zu einer Sammlung gehören. Es kann natürlich auch einen rechten Hintergrund beinhalten. Wir können diesen Schluss allerdings nicht zwangsläufig ziehen.“

Lang- und Kurzwaffen, Handgranaten, Panzerfäuste und Minen

Nach Angaben von Herbert Reul wurden in Remscheid diese Waffen gefunden: 320 Langwaffen wie Maschinen- und Sturmgewehre und Flinten; 51 Kurzwaffen wie Pistolen und Revolver, 38 Handgranaten, darüber hinaus Minen, Panzerfäuste und Zündköpfe. „Teilweise waren die Fundsachen so explosiv, dass sie von Entschärfer-Kommandos des LKA noch vor Ort kontrolliert gesprengt werden mussten“, so der Minister

Abtransport der Waffen dauert noch Tage

Der Abtransport der Waffen in Remscheid dürfte noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die Polizisten waren zweimal auf Geheimräume gestoßen und wollen das Gebäude noch einmal unter die Lupe nehmen. „Die Beamten werden sämtliche Wandverkleidungen abbauen und nach Hohlräumen suchen“, sagte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert in Wuppertal. 

Drei Verdächtige im Alter von 34, 37 und 59 Jahren sitzen in Untersuchungshaft. Bei ihrer Vorführung vor dem Haftrichter hätten zwei der drei Beschuldigten geschwiegen, hieß es. Der 59-jährige Hauptverdächtige habe sich dagegen als Waffensammler dargestellt. Die Ermittlungen zu Zeitraum und Umfang des illegalen Waffenhandels dauern an. 

Vor etwa einem Jahr hatten die Ermittler davon Wind bekommen, dass in einem Kiosk in Remscheid Drogen und Waffen illegal verkauft werden sollen. Verdeckte Ermittler hatten daraufhin tatsächlich Kriegswaffen in Form von Maschinenpistolen kaufen können. Der Kioskbetreiber soll sich bereits in rund zwei Wochen vor Gericht verantworten. Das Verfahren gegen ihn beginne am 13. November, sagte Baumert. Dabei gehe es aber nicht um illegalen Waffenhandel, sondern um „bewaffneten Drogenhandel“. (dpa)

Drei der am Sonntag vorläufig festgenommenen Beschuldigten seien dem Haftrichter vorgeführt worden mit dem Ergebnis Haftbefehl. Ein weiterer Beschuldigter sei schon im Juli in Untersuchungshaft genommen worden.