Sturmgewehre, Panzerfäuste, Mörsergranaten und Maschinenpistolen: Einsatzkräfte haben in Remscheid bei Wuppertal ein riesiges Arsenal mit Kriegswaffen sichergestellt. Es könnte sich um einen der größten Funde von Kriegswaffen in Nordrhein-Westfalen handeln, sagte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert. Drei mutmaßliche Waffenhändler kamen in Untersuchungshaft.

Nach dem Fund eines riesigen illegalen Waffenarsenals in Remscheid wird der Abtransport noch mehrere Tage in Anspruch nehmen. Die Polizisten waren zweimal auf Geheimräume gestoßen und wollen das Gebäude noch einmal intensiv untersuchen. „Die Beamten werden sämtliche Wandverkleidungen abbauen und nach Hohlräumen suchen“, sagte Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert in Wuppertal. 

Bei dem Großeinsatz in Remscheid waren mehr als 200 Beamte im Einsatz.
Bei dem Großeinsatz in Remscheid waren mehr als 200 Beamte im Einsatz.© --/Polizei Wuppertal/dpa | --

Viele Modelle stammen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Aber es gab auch neuere Waffen, mit denen Kriminelle schwere Straftaten hätten verüben können. „Diese Sachen sind extrem gefährlich“, betonte Baumert. Mit den sichergestellten Handgranaten und Sprengmitteln hätte man „eine Vielzahl von Menschen töten und verletzen können“, betonte der Oberstaatsanwalt am Rande der Pressekonferenz. „Das geht bis hin zum Amoklauf oder Terroranschlag, oder sie können damit sogar kriegerische Auseinandersetzungen aller Art führen.“

Wer die Kunden der Waffenhändler waren, dazu sagen die Ermittler bislang nichts. Drei Verdächtige im Alter von 34, 37 und 59 Jahren sitzen in Untersuchungshaft. Bei ihrer Vorführung vor dem Haftrichter hätten zwei der drei Beschuldigten geschwiegen. Der 59-jährige Hauptverdächtige habe sich dagegen als Waffensammler dargestellt. Die Ermittlungen zu Zeitraum und Umfang des illegalen Waffenhandels dauern an. 

Geheimraum mit Waffenlager entdeckt

Polizei Wuppertal/ Remscheid
Der Raum war hinter einem Tresor verborgen und nur über einen speziellen Mechanismus zugänglich.© Polizei Wuppertal | Polizei Wuppertal

Bei den Durchsuchungen in Remscheid hat die Polizei am Montagnachmittag in einem Haus an der Elberfelder Straße einen weiteren versteckten Raum entdeckt. Hinter einer Geheimtür, die hinter einem Tresor verborgen lag und nur über einen speziellen Mechanismus geöffnet werden konnte, stießen die Ermittler auf ein Waffenlager. Den Kriminalbeamten war zuvor anhand des Grundrisses aufgefallen, dass es im Gebäude offenbar noch einen bislang unentdeckten Raum gab.

Hinter einer Geheimtür entdeckten Ermittler in Remscheid ein Waffenlager – mit scharfen Gewehren, Maschinenpistolen und Handgranaten.
Hinter einer Geheimtür entdeckten Ermittler in Remscheid ein Waffenlager – mit scharfen Gewehren, Maschinenpistolen und Handgranaten.© Polizei Wuppertal/dpa | Polizei Wuppertal

Darin fanden sie acht scharfe Gewehre – teils mit Zielfernrohr und Schalldämpfer –, neun scharfe Kurzwaffen, drei Maschinenpistolen vom Typ MP 40 (eine davon mit Schalldämpfer), fünf erlaubnispflichtige Signalpistolen sowie rund 500 Schuss Munition, Zünder, Treibladungspulver, Tränengaswurfkörper und zwei Handgranaten. Eine der Granaten war so instabil, dass sie vor Ort kontrolliert gesprengt werden musste. Spezialisten des Landeskriminalamts NRW stuften die sichergestellten Waffen als einsatzfähig ein.

Lange Ermittlungen im Voraus

Mehr als ein Jahr lang hatten die Fahnder die Bande im Visier. Entscheidende Hinweise hätten zwei verdeckte Ermittler gebracht, die man in das Netzwerk einschleusen konnte. Mehrmals sei es den beiden gelungen, scharfe Waffen wie Maschinenpistolen bei den Verdächtigen zu kaufen. „Spätestens in dem Moment wussten wir, dass es nicht nur Gerede war, sondern dass tatsächlich scharfe Waffen gehandelt wurden“, sagte der Oberstaatsanwalt.

Sichergestellte Waffen und Munition werden im Polizeipräsidium Wuppertal präsentiert.
Sichergestellte Waffen und Munition werden im Polizeipräsidium Wuppertal präsentiert.© Federico Gambarini/dpa | Federico Gambarini

Als am Sonntagabend dann ein 59-Jähriger mutmaßlich Waffen ausliefern wollte, griffen Spezialkräfte zu. Man habe schnell handeln müssen, um mögliche Gefahren durch den Weiterverkauf der Kriegswaffen zu verhindern, sagte Polizeiführer Daniel Sternemann.

Auf der Autobahn 1 bei Remscheid stoppten Spezialkräfte den Wagen des 59-Jährigen und nahmen ihn fest. Mithilfe eines Röntgengeräts wollen die Fahnder nun genau schauen, wo in dem Auto überall Waffen versteckt sein könnten. Bei den beiden anderen mutmaßlichen Hauptverdächtigen klickten die Handschellen wenig später bei Hausdurchsuchungen in Remscheid. 

Keller voller Waffen

Die größten Funde machte die Polizei im Keller des 59-Jährigen. Er habe dort eine Art Museum mit Waffen und Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg errichtet, sagte Michael Vagnsoe, der Leiter der Ermittlungskommission. Darunter seien Relikte aus dem Nationalsozialismus gewesen, aber auch Gegenstände aus der früheren Sowjetunion sowie Waffen neuerer Produktionsjahre. 

Handgranaten und Mörsergranaten, die potenziell besonders gefährlich sind, seien von Entschärfungs-Experten in einen Steinbruch transportiert und dort gesprengt worden.

Auch auf zahlreiche Hakenkreuz-Flaggen und SS-Uniformen stießen die Fahnder in dem Keller. „Aufgrund der NS-Relikte und dem zumindest militärgeschichtlichen Interesse an der NS-Zeit haben wir auch Ermittlungen durch den hiesigen Staatsschutz durchführen lassen und zum jetzigen Zeitpunkt konnten noch keine Anhaltspunkte für eine rechtsextreme Gesinnung festgestellt werden“, führte Vagnsoe aus. Es sei davon auszugehen, dass für die Beteiligten das finanzielle Interesse im Vordergrund gestanden habe, ergänzte Oberstaatsanwalt Baumert.

Elf Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt

Am Sonntagabend und Montag seien die Haftbefehle und insgesamt elf Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt worden, sagte Polizeiführer Sternemann. Neben Gebäuden in Remscheid wurden demnach auch Objekte in Hamm und in Borxleben in Thüringen durchsucht. 200 Einsatzkräfte seien daran beteiligt gewesen, auch Drogen und Bargeld seien sichergestellt worden. 

Neben den drei hauptbeschuldigten Männern wurde laut Ermittlern eine weitere Person festgenommen, hier laute der Vorwurf auf Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Zum Einsatz sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, dass sich der gegen die organisierte Kriminalität richte. Seit Sonntag sei damit begonnen worden, entsprechende Gerichtsbeschlüsse umzusetzen. Details, ob es sich um Durchsuchungen oder auch Haftbefehle handele, nannte der Sprecher nicht. Mehrere Medien berichteten über die Razzia in Remscheid und Waffenfunde. (dpa/ots)