Der US-Konzern BlackRock ist mit einem Anlagevolumen von knapp 13,5 Billionen US-Dollar der größte Vermögensverwalter der Welt. Das Finanzschwergewicht mit dem legendären Namen betreut Kundengelder, investiert in Unternehmen, berät Regierungen und Zentralbanken. Über seine Marke iShares ist das New Yorker Finanz-Schwergewicht der weltweit größte Anbieter von ETF. Anlageempfehlungen von Gründer und CEO Larry Fink – publiziert in jährlichen Aktionärsbriefen – begründen Börsentrends oder beenden sie.

In Deutschland hält BlackRock Beteiligungen an vielen DAX-Unternehmen, oft als größter Einzelaktionär. Als Treuhänder nehmen seine Vertreter an Hauptversammlungen teil und üben Stimmrechte aus. Über komplexe Finanzprodukte werden Risiken gebündelt und am Markt platziert. In vielen dieser Dinge agiert der mächtige Finanzdienstleister also wie eine Bank. Doch Blackrock ist keine Bank und unterliegt deshalb auch nicht der Kontrolle durch Zentralbanken oder Bank-Aufsichtsbehörden. Das macht den Investmentgiganten zu einem besonders prominenten Beispiel für eine „Schattenbank“.

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BlackRock und Co.: Die Macht der Schattenbanken beunruhigt Aufseher

Weil dieser Begriff negativ besetzt ist, spricht die Branche lieber neutraler von „Nichtbanken-Finanzintermediären“ (NBFI). Gemeint sind Finanzdienstleister, die bankähnliche Funktionen erfüllen, ohne unter die klassische Bankenaufsicht zu fallen, also unter anderen Fondsgesellschaften, Versicherer oder Pensionseinrichtungen. Anders als Banken haben sie keinen Zugang zu Notenbank-Krediten, können sich in Stressphasen also nicht über die Zentralbank refinanzieren.

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Größe und Bedeutung dieser Institute nehmen kontinuierlich zu. Und damit auch die Risiken, die im Falle einer Krise von ihnen ausgehen können. Nun schlagen Bankenaufseher Alarm.

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Schattenbanken gewinnen immer stärker an Einfluss

In der vergangenen Woche warnte etwa der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem Finanzstabilitätsbericht davor, dass die Schattenbanken im Falle einer Krise wie ein Schockverstärker wirken könnten. Der IWF forderte daher eine strengere Überwachung der Schattenbanken.

Laut Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank für 2024 entfallen etwa 40 Prozent der Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte im Euroraum auf Akteure außerhalb des klassischen Bankensektors. Tendenz steigend. Auch in Deutschland liegen nach Angaben der deutschen Bankenaufsicht BaFin rund 40 Prozent der finanziellen Aktiva des Finanzsystems bei Nichtbanken. Die einst als peripher geltenden Schattenbanken konkurrierten sowohl hinsichtlich ihrer Größe als auch ihrer systemischen Bedeutung mit dem klassischen Bankensystem, heißt es in einem aktuellen Paper der Finanzprofessorin Loriana Pelizzon und ihrer Kollegen Riccardo Mattiello and Jonas Schlegel.

Aus dieser Konstellation entstehen Risiken: „Viele Fonds – besonders Geldmarktfonds und offene Investmentfonds – profilierten sich im Wettbewerb mit dem Versprechen täglicher Liquidität“, sagt Pelizzon, die stellvertretende Wissenschaftliche Direktorin des Frankfurter Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE ist. Sie investierten aber in langfristige und gerade in Krisenzeiten oft schwer handelbare Anlagen wie Unternehmensanleihen oder Immobilien. „In normalen Zeiten ist das ein Vorteil“, sagt Pelizzon. „In Krisenzeiten wird es zur Liquiditätsfalle, wenn viele gleichzeitig verkaufen wollen“. Fonds müssen Assets liquidieren, Preise fallen, andere Fonds müssen ebenfalls verkaufen, es entwickelt sich eine Marktspirale.

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Taumeln Schattenbanken, hat das Folgen für das gesamte Finanzsystem

Zuletzt manifestierte sich dieses Problem vor fünf Jahren in Folge der Covid-Pandemie. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor Risiken durch Kaskadeneffekte und systemische Kettenreaktionen: Banken stellten Kreditlinien und Finanzmittel für Investmentfonds bereit, seien über Derivate und Wertpapierbestände gegenüber Versicherern exponiert und verließen sich zunehmend auf Geldmarktfonds für die kurzfristige Finanzierung, warnt die BIZ. Ein plötzlicher Zinsanstieg oder geopolitische Schocks könnten Schattenbanken destabilisieren – mit Rückwirkungen auf den gesamten Finanzsektor.

Auch für die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist die zunehmende Vernetzung Grund zur Sorge. Eine beschleunigte Informationsverbreitung über digitale Kanäle und der Einsatz von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz im Handel erhöhten das Risiko gleichgerichteter Effekte, die sich gegenseitig verstärken, warnt die Bankenaufsicht in ihrer aktuellen Risikoeinschätzung.

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Vor allem in Europa wachsen Schattenbanken rasant

Eine besonders eklatante Verschiebung der Kräfteverhältnisse beobachtet Finanzprofessorin Pelizzon in Europa: Im Vergleich zu den USA wachse der Sektor in Europa gemessen am BIP deutlich schneller, vor allem im Verhältnis zum klassischen Bankensektor, warnt sie.

Gleichzeitig werde ein Großteil des Kapitals außerhalb der EU vermittelt und allokiert. Diese Entwicklung kritisiert auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV): Seit der Finanzkrise vor 15 Jahren werde der Bankensektor umfassender reguliert und überwacht. In der Folge seien große Teile von Fi­nanzierungen in den weniger regulierten Bereich der NBFI abgewandert.

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Bundesbankpräsident Nagel fordert stärkere Regulierung

Vertreter der Fondsindustrie verweisen dagegen auf bereits existierende und umfangreiche Regulierung und Überwachung für ihren Sektor. Diese seien als Folge vergangener Finanzkrisen sogar noch intensiviert worden: Institutionen wie der Finanzstabilitätsrat (FSB), die internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO) und Aufsichtsbehörden aus den USA, England und der EU überwachten die Stabilität des Finanzsystems. Es sei sinnvoller, die den Aufsichtsbehörden zur Verfügung stehenden Instrumente der Risikoüberwachung voll auszuschöpfen.

Anfang Juli diskutierten europäische Notenbanker auf einem EZB-Meeting im portugiesischen Sintra über den richtigen Umgang mit der aus ihrer Sicht dramatischer werdenden Überwachungslücke. So formulierte unter anderen Bundesbankpräsident Joachim Nagel: „Wenn Nicht-Banken im Finanzsektor zunehmend wie Banken agieren, müssen sie auch reguliert werden“.

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Würde ein besserer Schutz das Risiko sogar noch erhöhen?

Aber auch gegen einen Zugang von Nicht-Banken zur Zentralbank-Finanzierung gibt es gewichtige Argumente: Die Institute, befürchten Gegner der Idee, könnten in der Folge unverhältnismäßige Risiken eingehen, weil sie sich auf den Schutz des Systems verließen.

Die BIZ fordert eine strukturierte Regulierung für Schattenbanken, inklusive Stresstests, Liquiditätsreserven und Notfallmechanismen – sonst würden Schattenbanken zum potenzieller Brandbeschleuniger im Finanzsystem.