Der Handel von Kryptowährungen arbeitet sich aus der Tech-Nische. Jetzt bereiten sogar Sparkassen und Genossenschaftsbanken Angebote für Privatanleger vor. Dadurch wird der Zugang zum Handel mit Bitcoin und anderen digitalen Währungen für private Anleger einfacher.
„Durch die Entscheidung der Sparkassen und Volksbanken wird der Kryptohandel einer breiteren Schicht zugänglich gemacht“, sagt Co-Pierre Georg, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management. Die großen technischen Hürden der Anfangsjahre seien durch eine Vielzahl an Angeboten, etwa von in Europa regulierten Kryptobörsen, deutlich reduziert worden.
Bitcoin und Co.: Sparkassen und Volksbanken haben sich lange zurückgehalten
Vor allem die Sparkassen hatten mit dem Thema lange gerungen. Schließlich sind Kryptowährungen immer noch kein normales Anlageprodukt. Investments sind mit beträchtlichen Risiken verbunden. „Auch wenn die Sparkassen sicherlich eine vertrauenswürdige Handelsplattform bereitstellen, bleiben die systemischen Risiken von Bitcoin-Investments bestehen“, warnt Georg. Immerhin gibt es inzwischen in Europa mit der EU-Verordnung MiCA (Markets in Crypto-Assets) einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen für die Branche.
Das weltweite Interesse am Handel mit Bitcoin, Ethereum, Ripple und anderen Kryptowährungen hat massiv zugenommen. Ihre globale Marktkapitalisierung überschritt in diesem Jahr die Marke von vier Billionen US-Dollar. Hedgefonds, Vermögensverwalter und Pensionskassen pumpen Milliarden in digitale Währungen. Seit Jahresbeginn hat allein die wichtigste Währung Bitcoin rund 25 Prozent an Wert gewonnen und Mitte August mit 124.128 US-Dollar (knapp 106.000 Euro) einen neuen Rekord erreicht. Getrieben hat die Entwicklung auch eine Gesetzesänderung in den USA, die es Fonds, Pensionskassen und Vermögensverwaltern erlaubt, in Krypto zu investieren. Die aktuelle Euphorie könne aber jederzeit wieder ins Gegenteil umschlagen, betonen Analysten.

Kryptowährungen: Sparkassen und Volksbanken wollen für junge Kunden attraktiv bleiben
Nach Überzeugung des Verbraucherportals Biallo haben sich Kryptowährungen längst vom Nischeninvestment zum festen Bestandteil vieler Portfolios entwickelt. Krypto korreliere oft wenig mit traditionellen Märkten und könne so helfen, das Risiko im Depot zu streuen.
Dass Sparkassen und Volksbanken jetzt auf den Zug aufspringen, liegt vermutlich auch daran, dass sie für junge Kunden attraktiv bleiben wollen. Und die wenden sich zunehmend rein digital organisierten Fintechs zu. Neobanken wie N26, Trade Republic oder die britische Internetbank Revolut ermöglichen schon seit geraumer Zeit den Handel mit Kryptowährungen, ebenso wie die Wiener Kryptobörse Bitpanda.
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Knapp die Hälfte der Genossenschaftsbanken will Krypto zeitnah anbieten
Die Börse Stuttgart bietet mit ihrer Webplattform Bison den Handel von 30 Kryptowährungen an: „Wir beobachten tagtäglich, wie die Kryptoadaption in Deutschland und Europa weiter voranschreitet“, sagt Ulli Spankowski, Chef von Börse Stuttgart Digital. Das Interesse an Kryptowährungen nehme auch bei Privatanlegern stetig zu. Bitcoin, Ethereum und Co. etablierten sich zunehmend als Anlageklasse im Mainstream, sagt er. Sein Haus war auch Partner der DZ-Bank bei der Entwicklung ihrer Handelslösung, die nun den über 600 Volks- und Raiffeisenbanken angeboten werden soll. Deren Kunden können dann in ihrer VR-Banking-App eine Krypto-Wallet integrieren.
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Die Pilotphase mit sechs teilnehmenden Instituten sei erfolgreich verlaufen, erklärt das Institut. Die Entscheidung, teilzunehmen oder nicht, treffe aber jede Mitgliedsbank selbst. Laut einer Umfrage des Genossenschaftsverbands denken 45 Prozent der regionalen Genossenschaftsbanken über eine Einführung innerhalb von zwei Jahren nach, 26 Prozent sogar womöglich schon früher.
Sparkassen wollen auf Beratung verzichten
Auch bei den Sparkassen wird es nun ernst. „Die Sparkassen-Finanzgruppe wird einen verlässlichen Zugang zu einem regulierten Kryptoangebot schaffen”, bestätigte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband. Um die Bereitstellung soll sich die DekaBank kümmern, die innerhalb der Sparkassengruppe für den Wertpapierhandel zuständig ist. Die einzelnen Institute sollen auch bei den Sparkassen bei Bedarf zugreifen können.
Nutzen können die Möglichkeit nach Angaben des Sparkassenverbandes DSGV „alle Kunden, die sich bewusst und informiert für ein Investment in digitale Vermögenswerte entscheiden“. Die Nachfrage sei da. Beide Gruppen betonen, dass sich ihre Kryptoangebote an erfahrene „Selbstentscheider“ richten werden. Es soll keine Beratung geben.
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Gefährden die Volksbanken und Sparkassen ihr Image?
Kryptoexperte Georg spricht vom Prinzip „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“: „Ob man damit wirklich junge Leute von Plattformen wie Robinhood oder Revolut zurückgewinnt, ist schwer zu sagen, aber so ganz kann ich mir das noch nicht vorstellen“, sagt er. Vielmehr sehe er die Gefahr, dass Sparkassen und Volksbanken durch das Angebot ihr Image als sicherer Hafen und Anker in unruhigen Zeiten verlieren könnten.
Umfragen zeigen unterdessen eine in Deutschland noch recht weit verbreitete Skepsis: Das Vergleichsportal Verivox ermittelte unlängst, dass jeder zweite Deutsche das Thema noch mit Argwohn betrachtet. Ein Viertel der Befragten könne sich aber vorstellen, in Zukunft in Bitcoin zu investieren. Zu diesem Ergebnis kam im Mai auch der Digitalverband Bitkom. Rund acht Prozent der Befragten hatten demnach selbst bereits Kryptowährungen gekauft.





