Kein Nein, kein Ja – sondern ein „Ja, aber“ ließ die Hamas zum Plan von US-Präsident Donald Trump für ein Kriegsende in Gaza verlauten.
Die Terrororganisation erklärte sich in einer Stellungnahme bereit, „alle lebenden und toten israelischen Gefangenen (….) freizulassen, sofern die Bedingungen für einen Austausch vor Ort erfüllt werden.“ Immer noch befinden sich 48 israelische Geiseln in Gaza, wovon 20 noch am Leben sein könnten.
Die Hamas knüpft ihre Zustimmung zum Deal jedoch an einige Bedingungen, die von Trumps Vorschlag nicht gedeckt sind – unter anderem soll sich Israels Armee vollständig aus dem Gazastreifen zurückziehen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Samstag, Israel „bereitet sich darauf vor, die erste Phase des Deals sofort umzusetzen“: In praktischer Hinsicht geht es dabei vor allem darum, eine Liste jener palästinensischen Gefangenen zu erstellen, die der Hamas im Austausch gegen die Geiseln übergeben werden.
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Gaza-Friedensplan von Trump: Wie geht es nun weiter?
Noch bevor Israels Regierung auf die Antwort der Hamas reagieren und sich skeptisch zeigen konnte, schuf Trump bereits Fakten: Er interpretierte die Reaktion der Hamas als „positive Antwort“. „Die Hamas ist bereit zu einem dauerhaften Frieden“, erklärte Trump. Zugleich trug er Israel auf, alle Angriffe auf Gaza einzustellen – nur noch defensive Aktionen seien erlaubt.
Und die Armee reagierte entsprechend. Nach fast zwei Jahren Krieg und unzähligen Appellen an Israel reichte ein einziges Kommando aus Washington, um die Armee im Gazastreifen zu bremsen. Dennoch warnt Israels Armee die Hunderttausenden vertriebenen Palästinenser davor, nach Gaza-Stadt zurückzukehren: Es handle sich auch weiterhin um eine „gefährliche Kampfzone“, erklärte deren Sprecher, Avichai Adraee.

Ist nun ein Ende des längsten Kriegs in Israels Geschichte in Aussicht? Können die Menschen in Gaza nach der fast vollständigen Verwüstung ihres Landes und dem Tod Zehntausender Menschen beginnen, an die Zukunft zu denken? Mehrere Szenarien sind denkbar.
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Szenario 1 für den Gaza-Krieg: Rasches Ende
Alle Geiseln kommen frei, Israel zieht sich rasch aus dem Gazastreifen zurück.
Dieses Szenario entspricht dem, was Trumps Plan ursprünglich vorgesehen hatte – bevor Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch ein paar Punkte hineinverhandelte, die Israels Armee erlauben, noch für längere Zeit Kontrolle über Teile des Gazastreifens zu behalten.

Aus der Antwort der Hamas geht klar hervor, dass eine länger andauernde Präsenz der israelischen Truppen nicht akzeptiert werde. „Um eine Einstellung der Feindseligkeiten und einen vollständigen Rückzug aus dem Gazastreifen zu erreichen“, erkläre man sich zur Übergabe der Geiseln bereit, heißt es in der Erklärung der Terrorgruppe.
Nun ist die Frage, ob Trump entsprechend Druck auf Israel ausübt, weite Teile Gazas aufzugeben – und ob Israels Regierung sich darauf einlässt. Auch die Frage der Entwaffnung der Hamas müsste noch geklärt werden. Beide Seiten werden auf klaren Mechanismen bestehen, um keine Schlupflöcher offen zu lassen. In diesem Best-Case-Szenario glücken diese komplexen Verhandlungen, die schon am Sonntag beginnen sollen. Nach und nach wird Gaza in die Hände einer Technokratenregierung übergeben, eine internationale Truppe übernimmt die Kontrolle in jenen Gebieten, aus denen sich Israels Armee zurückgezogen hat.
Die weitere Rolle der Hamas in Gaza wäre offen: Die Terrorgruppe besteht darauf, auch weiterhin ein politischer Faktor in Gaza zu bleiben. Die Palästinenserbehörde in Ramallah schließt eine Beteiligung der Hamas nicht aus, verlangt aber – wie Israel – deren Entwaffnung.
Szenario 2 für Gaza: Erstes Aufatmen, offenes Ende
In diesem Szenario kommen alle lebenden Geiseln frei, währenddessen wird über den weiteren Verlauf des Kriegs verhandelt. Aus israelischen Regierungskreisen wird nämlich Bereitschaft signalisiert, sich – wie von der Hamas gefordert – auf ernsthafte Verhandlungen über mögliche Änderungen am Trump-Plan einzulassen. Israel stellt jedoch die Bedingung, dass schon in der ersten Phase der Verhandlung alle lebenden Geiseln an Israel übergeben werden.

In diesem Szenario kommt es also zu einem Austausch eines Teils der Geiseln gegen palästinensische Gefangene, zudem könnte es zu einer deutlichen Aufstockung der humanitären Hilfe kommen. Angriffe würden vorübergehend eingestellt werden. Die Verhandlungen sind jedoch voll von Stolpersteinen. So findet die zentrale Forderung Israels, dass die Hamas die Waffen niederlegen muss, in der Antwort der Terrorgruppe erst gar keine Erwähnung.
Sollte sich Israel damit zufrieden geben, diese wichtige Frage erst im Laufe der Verhandlungen zu klären, dann ist dieses Szenario am wahrscheinlichsten. Ob es tatsächlich in ein Kriegsende mündet, bleibt dabei offen.
Szenario 3: Vergebene Chance
In diesem Szenario setzen sich die Kriegsparteien erst einmal zu – wie gewohnt indirekten – Verhandlungen mit den Mediatoren zusammen, bevor erste Schritte ergriffen werden. Das ist etwa dann der Fall, wenn die Hamas Israels Forderung einer raschen Übergabe aller lebenden Geiseln ablehnt.
Die Hamas wird von Israel gewisse Garantien verlangen, dass es in weiterer Folge zu einem Truppenrückzug kommt. Sollte es dazu nicht kommen, wären die Verhandlungen wohl bald zu Ende – und der Krieg wird fortgesetzt.




