Für die sechsjährigen Griechinnen und Griechen beginnt am Donnerstag ein neuer Lebensabschnitt: Sie werden eingeschult. Doch für viele ist der Schulweg länger als erwartet. Zum Start des Schuljahres schließt das Erziehungsministerium mehr als 750 Grundschulen und Kindergärten – ein drastischer Schritt, ausgelöst durch den Geburtenrückgang.
Bislang gab es 14.857 Schulen, nun nur noch 14.091. In der Hauptstadtprovinz Attika bleiben 77 Grundschulen und 73 Kindergärten geschlossen. Sinkt die Zahl der Schülerinnen und Schüler unter 15, muss eine Schule schließen. Zunächst gilt dies für drei Jahre, danach dauerhaft.
Griechenland hat ein Problem mit seiner demografischen Entwicklung
Seit 2012 schrumpft die Bevölkerung. 2024 registrierte die Statistikbehörde ELSTAT 127.169 Sterbefälle – aber nur 71.249 Geburten. Mit 1,3 Kindern pro Frau liegt die Geburtenrate weit unter dem Bestandserhaltungsniveau von 2,1. Setzt sich der Trend fort, könnte die Bevölkerung von 10,4 Millionen bis 2100 auf 7,4 Millionen sinken.
Auch die Schülerzahlen fallen rapide: 2018 gab es noch 1,36 Millionen, heute nur 1,21 Millionen. „Die Entwicklung in den Klassenzimmern spiegelt die Lage auf den Entbindungsstationen wider“, sagte Bildungsministerin Sofia Zacharaki.
In der Praxis wird die 15-Schüler-Regel oft nicht streng angewandt. Auf Pserimos gibt es eine Schule für drei Erstklässler, auf Telendos ist der zehnjährige Savvas sogar alleiniger Schüler. Besonders in Grenzregionen zur Türkei bleiben Schulen länger offen – auch, um Abwanderung zu verhindern. Dennoch müssen manche Kinder bis zu 80 Kilometer mit dem Bus fahren.

Griechenland: Ursachen für geringe Kinderzahlen reichen in die Schuldenkrise zurück
Der Geburtenrückgang betrifft auch andere Länder: Deutschland liegt bei 1,39 Kindern pro Frau, Österreich bei 1,31, die Schweiz erreichte 2024 mit 1,29 ein Rekordtief.
Aber Griechenland ist ein Sonderfall. Die Ursachen des Geburtenrückgangs reichen in die Schuldenkrise der 2010er Jahre zurück. 2011 lag erstmals die Zahl der Geburten unter der der Sterbefälle. Die Sparauflagen der Kreditgeber stürzten das Land in die schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg. Viele Paare konnten sich Kinder nicht leisten. Rund 500.000 überwiegend Junge und gut Ausgebildete wanderten aus und gründeten Familien im Ausland. In Griechenland hingegen liegt das durchschnittliche Familieneinkommen noch immer unter Vorkrisenniveau.
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Von der Zuwanderung profitiert Griechenland kaum. Niedrige Einkommen und schwache Sozialleistungen machen es für Einwanderer unattraktiv.
Aus der demografischen Krise könnte eine neue Finanzkrise werden
Die Überalterung der Gesellschaft stellt Sozial- und Gesundheitssysteme vor große Herausforderungen. Schon heute sind 23 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt. Bis 2050 wird der Anteil auf 33 Prozent steigen. Das bremst das Wirtschaftswachstum und wirft die Frage auf: Wie refinanziert Griechenland künftig seine hohen Staatsschulden? Aus der demografischen Krise könnte langfristig eine neue Finanzkrise entstehen.
Die Regierung versucht gegenzusteuern. Premier Kyriakos Mitsotakis kündigte Steuererleichterungen für Familien mit Kindern an. Einkommen bis 20.000 Euro bleiben für Menschen unter 25 steuerfrei. Damit sollen junge Leute ermutigt werden Familien zu gründen.
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Bereits in den vergangenen Jahren wurden das Kindergeld erhöht und der Mutterschutz ausgeweitet. Doch der Erfolg blieb aus. Ob die neuen Maßnahmen wirken, wird sich erst in einigen Jahren zeigen.




