Es sind grauenhafte Bilder, die derzeit vom Süden Spaniens um die Welt gehen: Trümmerteile inmitten von weißen Leichensäcken liegen am Gleis, hunderte Retter suchen nach Überlebenden. Das tragische Zugunglück in der Region Toledo hat mindestens 64 Menschen das Leben gekostet. Es gibt Dutzende Verletzte und womöglich mindestens ebenso viele Angehörige, für die das Leben nach diesem Mittwoch ein anderes ist. Das Unglück weckt zudem Erinnerungen an schwere europäische Zugunglücke in der Vergangenheit – auch in Deutschland.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Erst im Januar ereignete sich, ebenfalls in Spanien, ein anderes schweres Zugunglück. In Adamuz in Andalusien war ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug entgleist und mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe zusammengestoßen. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt.
Tragisches Zugunglück in Spanien: Die Zugkollision bei Toledo in Bildern
Zugunglück in Spanien weckt dunkle Erinnerungen in Griechenland
Das schwere Unglück erschütterte Spanien und löste eine Debatte über die Wartung der Infrastruktur aus. Kritik wurde auch an der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez laut. Mit rund 4000 Kilometern Strecke hat Spanien das zweitgrößte Hochgeschwindigkeits-Bahnnetz der Welt nach China.
Auch bei den Menschen in Griechenland dürfte das Unglück von Toledo dunkle Erinnerungen wecken. In der Nacht zum 1. März 2023 stießen ein Personenzug, der in der Hauptstadt Athen gestartet war, frontal mit einem Güterzug zusammen. Dabei geriet der Speisewagen in Brand. Rund 350 Menschen waren an Bord, für 57 kam jede Hilfe zu spät. Der Zug war wegen einer falschen Weichenstellung auf ein Gleis geraten, auf dem ein Güterzug fuhr. Weil das elektrische Leitsystem nicht funktionierte, war ein Bahnhofsvorsteher für die korrekte Weiterleitung der Züge verantwortlich. Der Hauptprozess gegen 36 Angeklagte, darunter Bahnmitarbeiter, ist noch nicht abgeschlossen.
Auch interessant
Das Zugunglück von Eschede: Ein gebrochener Reifen als Ursache
Weil das komplette Bremssystem versagte, bezahlten 2006 in Montenegro 44 Menschen mit ihrem Tod. Am 23. Januar 2006 entgleiste ein Regionalzug circa zehn Kilometer nördlich der Hauptstadt Podgorica und stürzte einen Abhang hinunter. Der Zug beschleunigte wegen des technischen Versagens auf rund 139 km/h, obwohl auf der Strecke nur 60 km/h erlaubt waren.
Aus deutscher Sicht ging der 3. Juni 1998 als Tag des schwersten Zugunglücks in der Bundesrepublik in die Geschichte ein. Auf der Bahnstrecke von Hannover nach Hamburg entgleiste ein ICE wegen eines gebrochenen Reifens. Der Zug prallte gegen eine Brücke und riss 101 Menschen in den Tod, fast ebenso viele wurden zudem verletzt, 70 davon schwer.
Kroatien im August 1974: Schnellzug entgleist bei Einfahrt in Bahnhof
Das Zugunglück von Eschede ereignete sich auch wegen der Verkettung zahlreicher tragischer Umstände. So durchschlug der Reifen den Boden des Wagens, woraufhin sich ein Radlenker in der Weiche verfing und die übrigen Waggons entgleisten. Vier Jahre nach dem Zugunglück begann in Celle der Prozess gegen zwei Ingenieure und einen Abteilungsleiter. Ihnen wurde vorgeworfen, die Radreifen nicht ausreichend kontrolliert zu haben. 2003 wurde der Prozess eingestellt und die Angeklagten freigesprochen, weil keine Schuld festgestellt werden konnte.
Im August 1974 erschütterte Kroatien das schwerste Zugunglück im damaligen Jugoslawien. Ein Schnellzug auf dem Weg von Belgrad nach Dortmund entgleiste bei der Einfahrt in den Hauptbahnhof von Zagreb, weil er mehr als 50 km/h zu schnell fuhr. Der Lokführer wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er und sein Assistent waren mehr als 40 Stunden im Dienst und fielen in einen Sekundenschlaf – mit fatalen Folgen.



















