„Wo die Götter Urlaub machen“: Mit diesem Slogan wirbt die Inselrepublik Zypern um internationale Gäste – eine Anspielung auf Aphrodite, die antike Göttin der Schönheit. Sie soll der Legende nach an einem Felsen bei Paphos dem Meer entstiegen sein. Zypern verspricht viel Sonne, schöne Strände, Partystimmung und mediterrane Leichtigkeit. Hinter der touristischen Fassade zeigt sich jedoch ein anderes Bild.

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Denn der zyprische Rechnungshof schlägt Alarm: Nur 23 Prozent der Hotels und Touristenunterkünfte verfügen über eine vollständige Betriebsgenehmigung. Nach Einschätzung der Behörde gibt es gravierende Mängel bei der Kontrolle der Sicherheitsvorschriften – mit möglicherweise gefährlichen Folgen für Urlauber.
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Sicherheitsrisiken für Touristen: „Besorgniserregendes Bild“
Nach einem am 2. Juli veröffentlichten Sonderbericht des zyprischen Rechnungshofes besitzen lediglich 168 der insgesamt 728 Beherbergungsbetriebe – Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen – eine vollständige Betriebsgenehmigung. Das sind nur 23 Prozent. Weitere 158 Betriebe (22 Prozent) arbeiten mit befristeten Genehmigungen, während 402 Unterkünfte (55 Prozent) ohne vollständige Zulassung betrieben werden.
Rechnungshofchef Andreas Papaconstantinou spricht von einem „besorgniserregenden Bild“. Wörtlich heißt es in dem Bericht: „Der weitverbreitete Betrieb von nicht zugelassenen Hotels und Touristenunterkünften birgt erhöhte Risiken für die Sicherheit und Gesundheit der Gäste sowie des Personals.“ Das wirke sich negativ auf den Ruf des zyprischen Tourismus aus.
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Der Fremdenverkehr ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der kleinen Inselrepublik. Er erwirtschaftet etwa 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), ist die wichtigste Devisenquelle und einer der größten Arbeitgeber. Zyperns Tourismusbranche bemüht sich in den vergangenen Jahren vor allem, als Alternative zum reinen Massentourismus kaufkräftige Gäste anzulocken, um die Wertschöpfung pro Besucher zu maximieren. Doch gerade diese Klientel legt Wert auf hohe Qualitätsstandards.
Einsturz eines Apartmenthauses als Alarmsignal
Besonders prekär ist die Lage im Bezirk Famagusta. Dort verfügen nur 24 von 241 Beherbergungsbetrieben über eine vollständige Genehmigung – knapp zehn Prozent. In der Urlaubsregion Paphos sind es lediglich 38 von 171 Unterkünften. In Limassol arbeiten 71 der 115 Betriebe ohne vollständige Betriebserlaubnis. Der Rechnungshof warnt, dass bei nicht genehmigten Unterkünften die Einhaltung von Bauvorschriften, Brandschutz- und Hygienestandards nicht zuverlässig gewährleistet sei.
Als mahnendes Beispiel nennt der Bericht den Einsturz eines zweistöckigen Apartmenthauses in Germasogeia im April. Zwei Menschen kamen bei dem Unglück am orthodoxen Karsamstag ums Leben, darunter eine 27-jährige Touristin aus Kolumbien. Mehrere der elf Apartments waren über Plattformen wie Airbnb an Urlauber vermietet worden – ohne die erforderliche Genehmigung.
Immer mehr Urlauber meiden überlaufene Reiseziele
Besonders brisant: Bereits einen Monat vor dem Unglück hatte die zuständige Gemeindeverwaltung die Eigentümer zweimal schriftlich aufgefordert, das einsturzgefährdete Gebäude zu räumen. Die Eigentümer ignorierten die Anweisung jedoch. Eine Kontrolle gab es nicht. Vor allem bei Kurzzeitvermietungen sieht der Rechnungshof erhebliche Missstände. Abgleiche von Online-Buchungsplattformen und den Daten der Behörden ergaben, dass Hunderte Unterkünfte nicht im offiziellen Register erfasst sind. Sie werden illegal vermietet. Die jahrelange Nachlässigkeit bei der Durchsetzung der Vorschriften habe „eine Kultur der Toleranz und Nichteinhaltung hervorgebracht“, kritisiert die Behörde.
Härtere Sanktionen gefordert
Viele Betreiber gingen inzwischen offenbar davon aus, dass Verstöße kaum oder gar nicht sanktioniert würden. Der Rechnungshof fordert das Tourismusministerium auf, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die Kontrollen deutlich zu verschärfen. Das Ministerium setzt in einer am vergangenen Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme andere Akzente: Es verweist stolz auf „erhebliche Fortschritte“ bei den Genehmigungsverfahren. Tatsächlich war die Lage früher noch katastrophaler: Vor drei Jahren verfügten lediglich sechs Prozent der Unterkünfte über eine vollständige Betriebsgenehmigung.
Begegnungen mit Haien häufen sich
Das Ministerium hat inzwischen eine letzte Frist gesetzt: Bis zum Ende dieses Jahres müssen alle Hotels und Touristenunterkünfte eine Genehmigung besitzen. Aber das Interesse der zyprischen Beherbergungsbetriebe an einer Legalisierung ist gering: Bisher hat nach Angaben des Ministeriums die Hälfte der Unternehmen nicht einmal eine Genehmigung beantragt.





