Die Weltlage bietet momentan mal wieder wenig Anlass zu Optimismus, weshalb sich viele Menschen ihre kleinen eskapistischen Traumwelten zurechtbasteln. Tiere spielen dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Wir denken an das Makaken-Äffchen Punch in einem Zoo in Japan, das von seiner Mutter verstoßen wurde und Trost bei einem Plüsch-Orang-Utan fand. Die Geschichte war so anrührend, dass sie in den sozialen Medien Millionen Menschen erreichte und bewegte – umso mehr, als sie ein Happy End hatte.

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Gut ging – vertrauten wir der Instagram-, TikTok- und X-Blase sowie einigen leichtgläubigen Medien – auch die Geschichte um sieben süße Hunde aus, die in der nordöstlichen chinesischen Provinz Jilin an einer Schnellstraße gesichtet wurden. Ein Autofahrer filmte die tierische Bande, stellte sein Video in die sozialen Medien ein – und in der Welt war eine Geschichte, wie sie sich Disney oder Pixar nicht besser hätten ausdenken können.

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Wie Medien aus einem Internet-Video einen weltweiten Hype generierten

Chinesische Medien griffen das Video in der Folge auf und fabrizierten eine herzzerreißende Story um den Clip herum. Die Tiere seien von einem Transporter entkommen, der sie zu einem Hundemetzger bringen sollte, hieß es auf einmal. Dann seien die Tiere, angeführt von einem Corgi (Corgi-Liebhaberin Queen Elizabeth hätte das gefallen), 17 Kilometer auf einer Straße zurück zu ihren Frauchen und Herrchen gelaufen. In den sozialen Medien teilten immer mehr User diese Geschichte, die sich damit zu einem viralen Hit mit über 230 Millionen Klicks entwickelte.

So weit also die urbane Legende, die im Netz weiter befeuert wurde. Plötzlich tauchten dank KI Fotos der Hunde auf, wie sie sich zu einem Selfie gruppieren. Fake News und Künstliche Intelligenz reichten sich die Hände, bis andere Medien ihren Job machten und das taten, was sie eigentlich sollen: Hintergründe recherchieren und Geschichten auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen.

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Der US-Sender CNN fand schließlich heraus, dass die Hunde (unter anderem ein Labrador, eine Schäferhündin, ein Pekinese und der Boss-Corgi) Dorfbewohnern gehören, die nur wenige Kilometer von der Schnellstraße entfernt wohnen, auf der die Hunde gefilmt wurden. Es sei nicht unüblich, dass die Vierbeiner frei herumliefen und sich auch mal für ein paar Tage weiter wegbewegten, sagten die Dörfler laut CNN. Zudem hätten sich die Hunde um die Schäferhündin geschart, weil diese gerade läufig sei.

Tiervideos mit gefährlichem Potenzial

Medienwissenschaftler und Psychologen offerieren derweil Erklärungen dafür, warum Tiervideos im Netz häufig viral gehen und sich viele Nutzer nicht darum scheren, ob die mitgelieferte Story wahr ist oder frei erfunden. Tiere böten eine Projektionsfläche für sehr menschliche Themen wie Gemeinschaft, Zugehörigkeit oder Einsamkeit, erklärt T.J. Thomson, Professor für visuelle Kommunikation an der RMIT University in Melbourne (Australien), gegenüber CNN das Phänomen.

Thomson weist aber auch darauf hin, dass gerade das Hunde-Video aus China das Potenzial hat, xenophobe Ressentiments zu verstärken, etwa wenn Chinesinnen und Chinesen als notorische Hundefleischesser dargestellt würden. Mal ganz abgesehen davon, dass die Unterscheidung zwischen „echten“ und KI-generierten Bildern immer schwerer fällt. Die Lösung? Kritisch sein, hinterfragen und nicht alles für bare Münze nehmen, was einem in die Timeline gespült wird.

tok