Archäologen der Guard Archaeology haben in Bearsden, rund acht Kilometer nordwestlich von Glasgow, eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht. Die Forscher identifizierten die Überreste einer römischen Befestigungsanlage, die vermutlich Teil des Antoninuswalls war. Radiokarbonanalysen datieren das neu entdeckte kleinere Kastell in den Zeitraum zwischen der Mitte des 2. und der Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. Die Lage nördlich des legendären Hadrianswalls stellt dabei eine Besonderheit dar.

Schottland: Außergewöhnliche Entdeckung am Antoninuswall

Der Hadrianswall in Großbritannien zählt neben dem obergermanisch-rätischen Limes zu den bekanntesten Grenzanlagen des Römischen Reiches. Die Befestigung wurde errichtet, um die römischen Territorien auf der Britischen Insel zu sichern. Nördlich davon leisteten die kaledonischen Stämme, die im Zentrum des heutigen Schottlands ansässig waren, sowie später die Pikten, anhaltenden Widerstand gegen die römische Expansion.

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In einer späteren Phase wurde die Grenze weiter nach Norden verlagert, wo mit dem Antoninuswall eine weitere Verteidigungslinie entstand. Diese Anlage geht auf Kaiser Antoninus Pius zurück, der während seiner Regierungszeit von 138 bis 161 n. Chr. den Bau eines rund 62 Kilometer langen Schutzwalls veranlasste. Bestandteil dieses Systems waren kleinere Kastelle, die je nach Größe mit etwa 20 bis 50 Soldaten besetzt waren und der Überwachung sowie Sicherung des Grenzgebiets dienten.

Eine dieser Befestigungen konnte nun archäologisch identifiziert werden. Sie zeichnet sich durch eine strategisch günstige Lage mit weitreichender Sicht über die umliegende Landschaft aus, insbesondere in Richtung Norden, wo potenzielle Bedrohungen erwartet wurden. Zudem bestand vermutlich eine visuelle Verbindung zu einem weiter südlich gelegenen römischen Fort, sodass bei Gefahr eine schnelle Kommunikation und Koordination möglich war.

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Digitale Rekonstruktion offenbart Details

Nach umfangreichen Ausgrabungen erstellten die Forscher eine digitale Rekonstruktion der römischen Befestigungsanlage. Demnach wurde das Kastell auf einem steinernen Fundament errichtet und von einem umlaufenden Graben gesichert, der der zusätzlichen Verteidigung diente. Die Rekonstruktion lässt zudem erkennen, dass die Anlage über zwei Gebäude zur Unterbringung der Soldaten sowie über zwei Wachtürme verfügte.

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Nach Einschätzung der Archäologen war die Festung ein integraler Bestandteil des Antoninuswalls. Diese nördliche Grenzlinie wurde jedoch bereits um das Jahr 165 n. Chr. wieder aufgegeben, als sich die römischen Truppen hinter den Hadrianswall zurückzogen. Aufgrund dieser vergleichsweise kurzen Nutzungsdauer hinterließ der Antoninuswall deutlich weniger archäologische Spuren als andere römische Grenzanlagen, wodurch Entdeckungen wie dieses Kastell von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung sind.