Der Gesundheitszustand von Natascha Kampusch hat dazu geführt, dass eine geplante Dokumentation beim österreichischen Sender ORF vorerst aus dem Programm genommen wurde. Einige Tage zuvor hatten Familienmitglieder des einstigen Entführungsopfers große Sorgen geäußert: Die 38-jährige Kampusch habe einen Zusammenbruch erlitten, hieß es. Ihr Zustand sei schlecht. Das war auch dem Sender bekannt. Auf Druck von außen haben sich die Verantwortlichen jetzt dafür entschieden, die Doku vorerst nicht zu bringen.

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ORF verschiebt Kampusch-Doku wegen Gesundheitszustand

Laut österreichischer „Kronen-Zeitung“ war die Ausstrahlung der Dokumentation mit dem Titel „Natascha Kampusch – Gefangen in Freiheit“ für Montag um 20.15 Uhr auf ORF 2 vorgesehen. Als Alternativprogramm werde die „Millionenshow“ ausgestrahlt und der Beginn des „kulturMONTAG“ vorgezogen.

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Die Sendung war anlässlich des Jahrestags der Selbstbefreiung von Natascha Kampusch vor 20 Jahren entstanden und beschäftigt sich mit ihrem heutigen Leben. Der ORF solle die Doku jedoch im Vorfeld auch mit Verweisen auf Kampuschs Gesundheitszustand beworben haben.

INTERVIEW: NATASCHA KAMPUSCH
Natascha Kampusch schilderte ihre Erfahrungen immer wieder in Fernsehinterviews.© picture alliance / BARBARA GINDL / APA / picturedesk.com | Barbara Gindl

Natascha Kampusch ist in Europa wohl das bekannteste Entführungsopfer und hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Sie war im Alter von zehn Jahren am 2. März 1998 auf dem Schulweg entführt worden.

Ihr Entführer Wolfgang Priklopil hielt sie in einem Verlies bei Wien wie eine Sklavin und ließ sie Hausarbeiten verrichten. Kampusch wurde zudem immer wieder geschlagen, später auch sexuell missbraucht. Am 23. Februar 2006 nutzte Natascha Kampusch eine Gelegenheit, um ihrem Peiniger zu entkommen. Nach ihrer Selbstbefreiung nahm sich Priklopil mit 44 Jahren das Leben.

Kampusch zieht sich zurück – Familie und Ärzte äußern große Sorge

Kampusch hatte sich in den Jahren nach ihrer Entführung als Kämpferin gezeigt. Sie schrieb mehrere Bücher über ihr Leben, mit denen sie nach eigenen Angaben „Stärke zeigen“ wollte. Nun scheint sich an dieser Stärke etwas verändert zu haben.

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War Kampusch immer wieder selbstbewusst vor Kameras getreten, ziehe sie sich nun stark zurück. Kampusch lebe wie in einer eigenen Welt. Die Familie mache sich große Sorgen. Das berichtete Kampuschs Schwester Claudia Nestelberger, die sich hauptsächlich um organisatorische Angelegenheiten ihrer Schwester kümmert.

Die geplante Ausstrahlung der Dokumentation hatte Kritik ausgelöst. So hatte etwa die Medienrechtsanwältin Maria Windhager von einer „massiven Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches“ gesprochen. Der „Standard“ berichtete, auch die Ärzte von Natascha Kampusch hätten sich gegen die Doku ausgesprochen.

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Der Opferhilfeverein „Weißer Ring“ gab zu bedenken, wie häufig mediale Berichterstattung bei Betroffenen schwerer Gewalt Retraumatisierungen auslösen könne. Auch der Weiße Ring begrüßte daher die Entscheidung, auf die Ausstrahlung zu verzichten. Gegenüber der „Kronen-Zeitung“ sollen Vertreter mitgeteilt haben, man habe seine Bedenken gegenüber dem ORF im Vorfeld deutlich gemacht und rechtliche Schritte zur Prüfung eingeleitet.