Für viele war es gefühlt noch Nacht, andere waren gerade aufgestanden, um sich für den Tag fertig zu machen: Kurz nach 7 Uhr bebte in der ostsizilianischen Provinz Catania der Boden. Stühle und Betten schwankten, Lampen pendelten. Das Erdbeben der Stärke 4,5 drängte viele Menschen in Panik auf die Straßen hinaus.
Auch interessant
Italien: Erdbeben auf Sizilien war bis in benachbarte Provinzen spürbar
Wie das Institut für Geophysik und Vulkanologie (INGV) mitteilte, wurde das Epizentrum am Vulkan Ätna, nordwestlich der Gemeinde Ragalna, in einer Tiefe von etwa 3,8 Kilometern lokalisiert. Die Erschütterungen waren auch in den benachbarten Provinzen Messina und Syrakus sowie in weiten Teilen Siziliens deutlich spürbar. Bei der Feuerwehr gingen zahlreiche Anrufe besorgter Anwohner ein.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Die Auswirkungen prägen auch den Alltag: In Catania wurden die Schulen auf Anordnung von Bürgermeister Enrico Trantino geschlossen. „Wir überprüfen die Stabilität der Schulgebäude, Sicherheit hat für uns höchste Priorität“, sagte der Stadtchef. In den betroffenen Regionen laufen zurzeit massive Kontrollen zur Stabilitätsprüfung der Infrastruktur. Auch am Flughafen Catania, dem größten der Mittelmeerinsel, wurden Kontrollen durchgeführt. Dort landen Urlauber, die renommierte Badeorte wie Taormina, Acireale und Giardini Naxos besuchen. Der Flugverkehr wurde durch das Erdbeben jedoch nicht beeinträchtigt.
- Forscher überrascht: Erdbeben – Bilder aus dem All zeigen katastrophalen Zusammenhang
- Vulkan-Gefahr: Santorini, Italien, Teneriffa – Hängen die Erdbeben zusammen?
- Santorini: Archäologie: Dieser Vulkan löschte schon einmal eine ganze Kultur aus
- Wissenschaftler alarmiert: Supervulkan bei Neapel: Neue Studie mit düsterer Prognose
- Deutschland: Experte erklärt, wo Vulkane ausbrechen könnten
Während noch geprüft wird, welche Schäden verursacht wurden, sitzt die Angst vielen Menschen noch in den Gliedern: „Ich lebe in der Gemeinde Nicolosi nahe Catania. In 43 Jahren habe ich noch nie ein so starkes Erdbeben erlebt. Es hat so lange gedauert, es war schrecklich. Gegenstände sind heruntergefallen, die Kronleuchter gerieten ins Schwanken“, berichtet Pietro Luca Privitera auf seinen Sozialnetzwerken. Auch Laura Del Paggio aus Catania ist extrem besorgt. „Wenn der Ätna ein Erdbeben verursacht, fürchten wir sofort eine neue Eruption.“ Die Nervosität wachse selbst in einer Gegend, die Erschütterungen im Zusammenhang mit Europas größtem aktivem Vulkan gewohnt ist.
Erdbeben deuten auf anhaltende Magmaspannungen hin
Nach Einschätzung von Experten deutet das Beben darauf hin, dass sich die vom Magma ausgehenden Spannungen im Untergrund des Vulkans bislang nicht vollständig abgebaut haben. Der Ätna gehört zu den aktivsten Vulkanen der Welt, immer wieder kommt es zu kleineren und größeren Eruptionen. Unter dem Vulkan steigt ständig Magma auf. Wenn es sich durch Gesteinsschichten bewegt, entstehen Spannungen und Brüche – dadurch werden Erdbeben ausgelöst. Sizilien liegt zudem in einer geologisch sehr aktiven Zone, in der die Afrikanische und die Eurasische Platte aufeinandertreffen. Diese Plattenbewegungen verursachen zusätzliche Spannungen. Viele Ätna-Beben entstehen in geringer Tiefe – oft zwischen ein und fünf Kilometern – und werden deshalb stark gespürt, auch wenn die Magnitude moderat ist.

So sehr die Menschen leiden – unter Geologen gilt der Ätna als vergleichsweise „gutmütiger“ Vulkan: Er explodiert in der Regel nicht wie der Vesuv bei Neapel oder der Mount St. Helens in den USA, sondern baut Druck durch regelmäßige Lavaausflüsse ab. „Unser Berg lebt, aber er tut uns nichts“, sagen viele in Catania. Dank seiner fruchtbaren Asche gedeihen rund um den Ätna Orangen, Zitronen, Mandarinen, Oliven und Wein sowie eine nur in Sizilien vorkommende Pistazienart. Botaniker haben an dem zum UNESCO-Weltnaturerbe zählenden Vulkan mehr als tausend verschiedene Pflanzenarten katalogisiert.
Urlaub in Italien: Das erwartet jetzt die Besucher
Dennoch können die vom Ätna verursachten Erdbeben auch erhebliche Schäden anrichten. Im Dezember 2018 kam es zu einem stärkeren Beben vulkanischen Ursprungs. Dabei wurden 28 Menschen verletzt, rund 400 verloren wegen Schäden an ihren Häusern vorübergehend ihr Zuhause. Die Erinnerung an dieses Ereignis ist in der Bevölkerung an den Hängen des Vulkans noch besonders wach.
Lesen Sie auch
Trotz des Erdbebens bleiben die Hänge des Vulkans Besuchern weiterhin zugänglich. „Der Ätna erfreut sich größter Popularität. Die Zahl der Besucher nimmt ständig zu. Der Vulkan bietet ein Schauspiel ohnegleichen. Es gibt viele Vulkane auf der Welt, doch keiner ist vom vulkanologischen und geophysischen Standpunkt mit dem Ätna vergleichbar. Wir sind über unseren Vulkan stolz und das bedeutet, auch die Unannehmlichkeiten in Zusammenhang mit Eruptionen und Erdbeben in Kauf zu nehmen“, sagt Massimiliano Giammusso, Präsident des Ätna-Parks gegenüber unserer Redaktion. Der Ätna ziehe massenhaft Besucher an, mit einem Anstieg von 50 Prozent in den vergangenen Jahren.








