Im Jahr 1693 staunte ein Bauer im Südwesten Englands nicht schlecht: Er war gerade dabei, sein Feld nahe North Petherton zu pflügen, da machte er eine außergewöhnliche Entdeckung. Die Erdschollen hatten ein Kleinod preisgegeben, das, so wissen wir es heute, wohl auf den ersten König von England zurückgeht. Alfred der Große ließ es anfertigen, jener Alfred, der erfolgreich Widerstand gegen die im 9. Jahrhundert einfallenden Wikinger geleistet hatte und später seine Macht auf die anglosächsischen Königreiche ausdehnen konnte.

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Das Besondere an dem Schatz: Er erzählt, wer ihn hat anfertigen lassen. Das sogenannte Alfred-Juwel, ein außergewöhnliches Artefakt aus Gold, Emaille und Bergkristall, weist entlang seines Randes eine bemerkenswerte Inschrift auf. Diese ist in altenglischer Schrift ausgeführt und lautet „AELFRED MEC HEHT GEWYRCAN“, was sich mit „Alfred hat angeordnet, mich anzufertigen“ übersetzen lässt.

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Die Wissenschaftler des Ashmolean Museum der Universität Oxford, in dessen Sammlung sich das Objekt befindet, gehen von der Authentizität des Schmuckstücks aus. Nach ihrer Einschätzung wurde es zwischen 871 und 899 gefertigt, also während der Regierungszeit Alfreds des Großen. Das Artefakt misst 6,2 mal 3,1 Zentimeter und zeichnet sich durch eine besonders kunstvolle Gestaltung aus. Im Zentrum befindet sich die Darstellung einer menschlichen Figur, während die umlaufende Inschrift die Zuordnung zu Alfred dem Großen zusätzlich stützt.

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Ein weiterer Hinweis auf diese Zuschreibung ergibt sich aus dem Fundort. Athelney Abbey diente Alfred dem Großen einst als Zufluchtsort während der Auseinandersetzungen mit den Wikingern. In späterer Zeit ließ er an diesem Ort ein Kloster errichten, was die historische Verbindung zwischen dem Artefakt und seiner Person weiter untermauert.

Schmuckstück zeugt von der Belesenheit des Königs

Alfred der Große genoss nicht nur den Ruf eines erfolgreichen Militärführers, der den Widerstand gegen die dänischen Wikinger organisierte und die angelsächsischen Königreiche unter seiner Herrschaft vereinte, sondern galt auch als außergewöhnlich gebildet. Aus der angelsächsischen Chronik geht hervor, dass er religiöse Texte aus dem Lateinischen ins Altenglische übersetzen ließ. Nach Angaben des Ashmolean Museum wurden diese Übersetzungen anschließend an Geistliche im gesamten Reich verteilt.

Den überlieferten Quellen zufolge erhielten die Empfänger die Texte zusammen mit einem sogenannten Aestel, einem Zeigestock oder Lesezeichen, das beim Studium der Handschriften verwendet wurde. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Alfred-Juwel den Abschluss eines solchen Zeigestabes bildete. Eine am Objekt vorhandene Vertiefung, die in ihrer Form an das Maul eines Drachen oder einer Schlange erinnert, wird als Ansatzstelle interpretiert, an der das Schmuckstück mit dem eigentlichen Stab verbunden war.

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Eines der bedeutendsten königlichen Relikte

Den außergewöhnlichen Stellenwert des Alfred-Juwels hebt das Ashmolean Museum ausdrücklich hervor, indem es das Artefakt als eines der bedeutendsten königlichen Relikte bezeichnet. Die direkte Verbindung zu dem ersten König Englands gilt als einmalig und die herausragende historische Rolle Alfreds des Großen steigert den kulturellen und historischen Wert des Schmuckstücks zusätzlich.

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Alfreds Bedeutung gründet sich dabei nicht allein auf seine militärischen Erfolge gegen die Wikinger und die anschließende politische Stabilisierung seines Reiches. Als wesentliche Lebensleistungen werden ebenso die Förderung von Bildung durch die Gründung von Klöstern und Schulen sowie die Verschriftlichung des geltenden Rechts gewürdigt. Letztere fand ihren Ausdruck in einer Gesetzessammlung, die unter der Bezeichnung Domboc überliefert ist und einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung des englischen Rechtssystems darstellt.