Zusammenfassung

  • Eine Ausgrabung hat spektakuläre Funde enthüllt, die Rückschlüsse auf das Leben nach den Römern geben.
  • Forschende sind über die spektakulären Funde begeistert.
  • „Entlang der Lippe gibt es zahlreiche Fundstellen, die auf mehrere Siedlungen der ersten Jahrhunderte nach Christus hinweisen“, erklärt Dr. Sven Spiong von der LWL-Archäologie in Bielefeld.

Seit November 2024 laufen in Delbrück-Bentfeld (Kreis Paderborn) intensive archäologische Grabungen. Der Grund: Archäologen erforschen hier eine Siedlung aus den ersten Jahrhunderten nach Christus. Nun teilt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit, dass es bereits spektakuläre Funde gibt – darunter ein verzierter Schmuckstein, eine sogenannte Gemme, und ein rätselhaftes Messer.

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Vor acht Jahren gingen Forschende noch davon aus, dass es sich bei den Grabungen um eine einzelne Hofstelle aus dem 2. bis 3. Jahrhundert handelte. Doch aktuelle Grabungen zeigen: Hier befanden sich mindestens drei Hofstellen einheimischer Siedler – in direkter Nachbarschaft zum römischen Militärlager Anreppen.

Archäologen erstaunt: So sah die Siedlung in Delbrück aus

„Entlang der Lippe gibt es zahlreiche Fundstellen, die auf mehrere Siedlungen der ersten Jahrhunderte nach Christus hinweisen“, erklärt Dr. Sven Spiong von der LWL-Archäologie in Bielefeld. Nun können erstmals großflächig die Strukturen einer dieser Siedlungen freigelegt werden.

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Münzen und Keramikscherben datieren diese Hofstelle eindeutig ins 2. und 3. Jahrhundert nach Christus. „Im Zentrum des Hofes stand das Wohnhaus, von dem noch zahlreiche ehemalige Pfostenlöcher dunkel verfärbt im Boden erkennbar sind. Jeweils am nördlichen und südlichen Rand des Hofes hatten die Bewohner ein im Boden eingetieftes kleines Nebengebäude errichtet, in dem wahrscheinlich Textilen gewebt wurden“, so Grabungsleiter Sven Knippschild.

Alltag in der Antike: Textilproduktion und Bronzeverarbeitung zu Schmuck

Ein Brunnen, den die Hofbewohner nur weniger als zwei Meter graben mussten, um unter den Grundwasserspiegel zu gelangen, sorgte im Hof für Frischwasser. Verfärbungen im Boden zeugen davon, dass dieser ursprünglich mit Holz ausgekleidet gewesen sein muss.

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Ein südwestlich gelegener Hof wird aktuell vollständig untersucht. In unmittelbarer Nähe zu einem Wohnhaus fanden Archäologen die Überreste eines Ofens. Neben der Herstellung von Textilien wurde in der Siedlung offenbar auch Bronze zu Schmuck verarbeitet. Das belegen Fragmente der verziegelten Ofenwand sowie Spuren von Buntmetall.

Kostbarer Ring entdeckt: Das zeigt die Gemme

Nach der Restaurierung der Münzen sollen sie zusammen mit der entdeckten Keramik eine genauere zeitliche Einordnung der Höfe ermöglichen. Dann kläre sich vielleicht die Frage, ob die Höfe gleichzeitig bestanden, oder ob es sich möglicherweise um einen Hof handelte, dessen Standort sich nach einiger Zeit zweimal verlagerte. „Die Holzbauweise der Siedler dieser Zeit machte es häufig nötig, ein morsch gewordenes Gebäude aufzugeben und in unmittelbarer Nähe einen Neubau zu errichten“, erklärt Spiong.

Diese kleine Gemme mit dem Gott Merkur war ursprünglich in einer prunkvollen Fassung an einem Fingerring befestigt.
Diese kleine Gemme mit dem Gott Merkur war ursprünglich in einer prunkvollen Fassung an einem Fingerring befestigt.© LWL/A. Madziala

Ein besonders bemerkenswerter Fund ist eine 1,5 Zentimeter große Gemme – ein Schmuckstein –, die den römischen Gott Merkur zeigt. Die typischen Symbole – Geldbeutel, Heroldstab und Helm – weisen auf seine Rolle als Gott des Handels und Verkehrs hin. Die Experten gehen davon aus, dass die Gemme ursprünglich in einen Fingerring eingefasst war.

„Einzigartiger Blick in die Vergangenheit“: Mysterium um das vergrabene Messer

Doch besonders spannend ist ein Fund aus einem kellerartigen Nebengebäude. Dort entdeckten die Archäologen ein intaktes Messer mit der Schneide nach oben vergraben. „Es lag allerdings so tief, dass es niemanden verletzen konnte“, erklärt Dr. Spiong. Handelt es sich um einen Versteckfund oder ein rituelles Bauopfer zum Schutz des Hauses? Noch bleibt die Frage offen. Sicher ist: Das verzierte eiserne Messer mit Messingstreifen stammt vermutlich aus dem Römischen Reich und hat eine lange Reise hinter sich.

Höfe gehörten zu einem umfangreichen Siedlungsnetz

„Die archäologischen Ausgrabungen im Baugebiet Erweiterung Schafbreite ermöglichen uns einen einzigartigen Blick in die Vergangenheit. Jeder Fund bewahrt ein Stück Geschichte für kommende Generationen und bringt uns die Lebenswelt unserer Vorfahren näher“, betont Werner Peitz, Bürgermeister von Delbrück. Er beobachtet die bauvorbereitenden Arbeiten der Archäologen seit Beginn.

Ausgrabungen und Archäologie in NRW: Hier gibt es weitere Informationen

Eine dritte Hofstelle am westlichen Rand des Baugebiets wird nur teilweise untersucht. Doch Oberflächenfunde lassen vermuten, dass sich die Siedlung weit nach Westen erstreckte. Dies zeigt: Die Höfe waren Teil eines weitreichenden Siedlungsgebietes entlang der Lippe.