Sie war überzeugt, dass ihre „Bayesian“ unsinkbar sei. Deshalb machte sich Angela Bacares, Eigentümerin der Luxusjacht, zunächst keine Sorgen, als in der Unglücksnacht ein schweres Gewitter aufzog. Dennoch sank das Schiff am 19. August 2024 vor Porticello nahe der sizilianischen Hauptstadt Palermo. Jetzt schilderte Bacares die letzten Minuten vor dem Untergang der Jacht.

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Als die Bayesian gegen 4 Uhr morgens infolge des Sturms heftig zu schwanken begann, verließ Bacares, Ehefrau des britischen Tech-Milliardärs Mike Lynch, ihre Kabine und begab sich auf die Suche nach dem Kapitän James Cutfield. Da sie sich zu diesem Zeitpunkt bereits an Deck befand, überlebte sie das Unglück wie durch ein Wunder – im Gegensatz zu ihrem Mann und ihrer Tochter, die sich noch in ihren Kabinen aufhielten und ertranken.

Bayesian-Ungück: Witwe schildert dramatische Minuten des Untergangs

Die dramatischen Momente jener Nacht schilderte die 57-jährige Unternehmerin bei der Befragung durch den zuständigen Staatsanwalt der sizilianischen Stadt Termini Imerese. Auszüge aus dem Vernehmungsprotokoll wurden inzwischen von der Tageszeitung „Corriere della Sera“ veröffentlicht.

„Ich wollte wieder in die Kabine gehen, um die anderen zu warnen, aber Sasha, die irische Hostess, sagte mir, ich solle an Deck bleiben. Dann neigte sich die Bayesian plötzlich vollständig zur Seite, Wasser strömte wie ein reißender Fluss ins Innere“, berichtete Bacares. Sie stürzte und klammerte sich an den Kapitän. „Er sagte mir, das Boot würde nicht kentern. Ich dachte, mein Mann und meine Tochter könnten schwimmend aus den Kabinen kommen“, so Lynchs Witwe weiter. Doch es kam anders.

Opfer des Jacht-Unglücks: Sieben Tote auf der Bayesian

Insgesamt starben bei dem Unglück sieben Menschen – neben Mike und Hannah Lynch auch die Ehepaare Chris und Neda Morvillo sowie Jonathan und Judy Bloomer. Auch der Bordkoch Ricardo Thomas kam ums Leben – er war das einzige Crewmitglied unter den Opfern. Offenbar hatten die Passagiere versucht, beim Kentern die Rettungsboote im Inneren des Schiffs zu erreichen – doch die Yacht sank zu schnell.

„Wir besaßen die Bayesian seit zehn Jahren. Ich fühlte mich an Bord immer sicher. Oft beobachtete ich die Crew und war durch ihr professionelles Verhalten beruhigt. Unsere Sorgen beschränkten sich bislang auf mögliche Kollisionen mit Felsen oder die Gefahr, sich in Ankerketten zu verfangen. Dass etwas so Katastrophales passieren könnte, hätte ich nie für möglich gehalten“, so Bacares. 

Luxusjacht Bayesian: Mittelmeerreise endet in Tragödie vor Sizilien

Die Mittelmeerreise der Bayesian hatte am 4. Juli in Ligurien begonnen. Angela Bacares berichtete, dass sie und ihr Mann während der Fahrt zeitweise getrennt an Bord waren – sie verbrachte einige Tage in Mailand, er in London.

In Neapel war sie mit ihrer Tochter und deren Freundin unterwegs, besuchte Capri, Positano und Amalfi. Dort stieß Mike Lynch mit weiteren Gästen wieder zur Gruppe. Es folgten Aufenthalte in Cefalù und schließlich in Porticello, der letzten Station vor der Tragödie.

Bayesian-Ermittlungen: Crew und Kapitän im Fokus der Justiz

Italienische Ermittler prüfen derzeit sowohl mögliche Konstruktionsmängel als auch das Verhalten der Crew. Gegen Kapitän Cutfield sowie den Schiffsingenieur Tim Parker Eaton und den Matrosen Matthew Griffiths wird wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Herbeiführung eines Schiffsuntergangs ermittelt – alle drei weisen jede Verantwortung von sich. Ihnen wird vorgeworfen, Wetterwarnungen ignoriert und sich schließlich nur selbst in Sicherheit gebracht zu haben.

Angela Bacares berichtete hingegen, dass Kapitän Cutfield bewusst Porticello als Schutz vor dem aufziehenden Sturm gewählt habe. Der Neuseeländer bestritt technische Probleme an Bord. „Nur ein Injektor musste ausgetauscht werden, ansonsten war die Jacht in ausgezeichnetem Zustand“, sagte Cutfield den Ermittlern. 

August 19, 2024, Palermo, Italy: A handout picture, provided by Perini Navi Press Office, shows the Bayesian , the 56-me
Ein Handout der Werft Perini Navi zeigt die 56 Meter lange Luxusjacht „Bayesian“, die in der Nacht zum 19.08.2024 vor Sizilien in einem schweren Sturm sank.© IMAGO/ZUMA Press | IMAGO/Perini Navi Press Office Handout

In der Unglücksnacht sei er geweckt worden, als Matrose Griffiths an seine Tür klopfte. „Er sagte mir, der Wind erreiche 30 Knoten. Ich zog mir Shorts und ein T-Shirt an und war in 20 Sekunden auf der Kommandobrücke. Ich wies Matthew an, die Crew zu wecken – nicht die Gäste, da die Lage noch normal erschien. Aber in weniger als einer halben Minute kippte das Schiff plötzlich zur Seite“, schilderte der Kapitän. Er habe keine Zeit mehr gehabt, den Bug gegen den Wind zu drehen – eine entscheidende Maßnahme bei schwerem Unwetter.

Bayesian-Unglück in Sizilien: Neue Theorien zum mysteriösen Untergang

Warum sank ein Superjacht-Modell, das als „unsinkbar“galt – und im Besitz eines der führenden Köpfe der Tech-Branche war? Mit dieser Frage beschäftigen sich die sizilianischen Ermittlungsbehörden nun seit über 13 Monaten.

„Ich denke, es lag am plötzlichen, extrem konzentrierten Starkregen“, vermutet Matrose Leo Pablo Eppel, der sich retten konnte. Der Bootsmann Htun Mynt Kyaw glaubt hingegen, dass der Mast der Bayesian zu hoch und zu schwer gewesen sei – das habe verhindert, dass sich das Schiff nach der Neigung wieder aufrichten konnte. Zwar verweisen die Überlebende auf Starkregen oder den schweren Mast – doch nun lenken neue Funde den Blick auf ein anderes Detail: Luxusjacht „Bayesian“: Ermittler rätseln um geschlossenes Luk

Bayesian-Untersuchung: Streit zwischen Ermittlern und Schiffsbauer eskaliert

Währenddessen läuft auch eine internationale Kontroverse um Versicherungsansprüche. Die britische Untersuchungsbehörde Marine Accident Investigation Branch (MAIB), die ermittelt, da die Bayesian in Großbritannien registriert war, sieht die Schuld nicht bei der Crew – sondern beim Schiffsbauer.

Auf erste Andeutungen, dass der Hersteller des Bootes, „The Italian Sea Group“ (TISG), für den Untergang verantwortlich gemacht werden könnte, reagierte die auf den Bau von Superjachten spezialisierte Werft mit einer Klage wegen „Rufschädigung“. Der Vorstandsvorsitzende von TISG, Giovanni Costantino, hatte nach dem Unglück versichert, die „Bayesian“ sei „unsinkbar“ gewesen, und behauptet, die Fahrlässigkeit der Besatzung habe den Vorfall verursacht.