Steuerverteilung

Ruhrgebiet in gefährlicher Schieflage

Redakteur Michael Kohlstadt.

Redakteur Michael Kohlstadt.

Foto: Kai Kitschenberg / Kai Kitschenberg/ FUNKE Foto Services

München nimmt so viel Gewerbesteuer ein wie das gesamte Ruhrgebiet. Doch so ungleich dürfen die Lebensverhältnisse nicht sein.

Einsame Spitze bei der Grund-, Schlusslicht bei der Gewerbesteuer: Die finanzielle Dauer-Misere des Ruhrgebiets lässt sich kaum besser als im Schlaglicht dieser Eckwerte ausleuchten.

Natürlich ist die Betrachtung vereinfachend. So stopfen Landeszuschüsse, Fördergelder und andere Ausgleichsmaßnahmen seit Jahren halbwegs die schlimmsten Löcher in den Haushalten der hoch verschuldeten Ruhrgebietsstädte. Und natürlich gesellen sich im Revier zu den bundesweit höchsten Grundsteuersätzen eben auch vergleichsweise moderate Mieten.

Doch allein der Blick auf die nackten Zahlen weckt - trotz unbestreitbarer wirtschaftlicher Erfolge in jüngster Zeit - leise Zweifel an der Selbstheilungskraft der Region. Wenn allein die Stadt München über die Gewerbesteuer so viel Geld einnimmt wie alle 53 Städte und Gemeinden an der Ruhr mit ihren über fünf Millionen Einwohnern zusammen oder Frankfurt die bis weit in die 1980-er Jahre hinein einwohnerstärkere Reviermetropole Essen bei der Gewerbesteuer fast um den schier unfassbaren Faktor fünf überholt, dann stimmt etwas nicht mit dem Gebot gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland. Revierbürger sind hart im Nehmen. Aber ohne entschiedenes Gegensteuern der Politik in Land und Bund könnten sich viele im Ruhrgebiet demnächst so abgehängt fühlen wie die Menschen im Osten. Und entsprechend wählen.

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