Krisenzeiten sind auch immer Zeiten, in denen sich Politiker profilieren können. Es brennt sich ins Gedächtnis der Wähler, wer als Krisenmanager eine gute Figur gemacht hat, weswegen Politiker immer über den Krisenhorizont hinausdenken. Einen ausgeprägten Wettstreit um die öffentliche Wahrnehmung liefern sich in diesen Tagen NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und sein bayerischer Kollege Markus Söder (CSU).
Der eine hat früh auf Exitstrategien gedrungen, der andere ist ein Verfechter einer strikten Eindämmungspolitik mit langanhaltenden Freiheitsbeschneidungen. Das mag auf eine unterschiedliche Interpretation wissenschaftlicher Erkenntnisse zurückzuführen sein. Es ist aber auch eine Wette. Darauf, welches Gewicht die Bürger ihrer Freiheit und dem Zustand der Wirtschaft einerseits und den Risiken für die Gesundheit andererseits beimessen. Laschet glaubt an eine liberale Grundierung der Gesellschaft, Söder an eine konservative. Der Ausgang der Wette könnte weitreichende Folgen für die politische Zukunft der Kontrahenten haben. Beide haben eine mögliche Kanzlerkandidatur für die Union im Hinterkopf.


