Probleme verschwinden nicht einfach, indem man nicht mehr über sie spricht. Über Jahre schien es, als hielte der moralisch fragwürdige Flüchtlings-Deal mit der Türkei. Jetzt nimmt die Zahl derjenigen wieder deutlich zu, die auf den griechischen Inseln anlanden. Der ausgehandelte Mechanismus hat nicht gegriffen. 20.000 syrischen Geflüchteten, die aus der Türkei in die EU aufgenommen wurden, stehen 2400 gegenüber, die wieder in die Türkei zurückgebracht wurden, weil ihr Asyl-Ansinnen als nicht berechtigt angesehen wurde.
Zudem hat die Politik die Befriedung gesellschaftlichen Unfriedens mit dem Leid von Geflüchteten erkauft. In Libyen werden Geflüchtete aus Subsahara-Afrika in Foltergefängnissen gequält und Opfer von Menschenhandel. Die Aussetzung der europäischen Seenot-Rettungsmission kostet Menschenleben. Mitten in Europa müssen Geflüchtete unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. In der bosnischen Kleinstadt Bihac vegetieren Geflüchtete auf einer früheren Mülldeponie. Auf den griechischen Inseln leben Zehntausende unter fürchterlichen Umständen in völlig überfüllten Flüchtlingscamps. All das war bereits in den vergangenen Jahren Realität.


