Es gibt manchmal Tage, an denen sich Beobachter des politischen Geschehens ein Wunder erhoffen. Meistens bleibt es aus. So war es auch am Dienstag, als die britischen Tories bekanntgaben, wer ihr nächster Vorsitzender und damit der nächste Premierminister werden würde. Es ist Boris Johnson, ein Mann, über den US-Präsident Donald Trump nicht von ungefähr mit zungenschnalzender Hochachtung spricht. Johnson ist genauso exzentrisch und selbstverliebt wie Trump, und er hält die Wahrheit wie der US-Präsident für eine absolut vernachlässigenswerte Größe in der politischen Auseinandersetzung. Johnson ist wie Trump ein gnadenloser Populist.
Für die in der Europa-Wahl abgestraften britischen Konservativen ist er der Strohhalm, an den sie sich klammern. Für viele Briten und für den Rest Europas ist seine Wahl die schlimmste aller vorstellbaren Personalentscheidungen. Nötigenfalls, das hat Johnson jedenfalls vor seiner Wahl versprochen, werde er den Brexit knallhart auch ohne jeden Deal durchziehen, mit allen fürchterlichen Folgen, die das für die Insel, aber auch für die EU haben würde. Wie es zu einem neuen Deal kommen könnte, darauf hat er keine Antwort.


