Lange genug in Deckung bleiben und dann im richtigen Moment der Kompromiss sein, mit dem alle Beteiligten ihr Gesicht wahren können: Dieses politische Prinzip wird derzeit lehrbuchmäßig auf der europäischen Bühne vorgeführt. Auch am Tag nach der Bekanntgabe der Personalie Ursula von der Leyen dürften sich viele Beobachter in Brüssel, Berlin und anderen Hauptstädten verwundert die Augen gerieben haben.

Sehr viel spricht dafür, dass die deutsche Verteidigungsministerin das Amt der EU-Kommissionspräsidentin übernehmen wird. Ein echter Coup. Die Kritik am Vorschlag und an von der Leyen kam zwar postwendend, dennoch ist ein Scheitern dieses Plans nicht realistisch. Zumal der Scherbenhaufen, vor dem die EU-Staaten dann stünden, die gesamte Union in ihrer Existenz gefährden würde.