Felix Strieht-Kalthoff (32) ist einer der vielen jungen Menschen, die heute in die Begische Universität in Wuppertal müssen. Aber statt sich auf seinen Start ins Berufsleben vorzubereiten, arbeitet er dort – als Professor, mit 32 Jahren.

Das Gebäude W der Bergischen Universität Wuppertal ist neu und modern, hier sitzt die Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften. Aus dem Treppenhaus, das in die Etagen der Chemie führt, schaut man in den Wald, in dem noch die Nebelschwaden hängen – ein morgendliches Herbstschauspiel. Für Felix Strieth-Kalthoff bedeutet der nasse Septembermorgen allerdings, dass er nicht mit dem Rad zur Arbeit fahren konnte, was er sonst gerne macht.

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Wuppertaler Professor forscht auf neuem Gebiet der Chemie

Der 32-Jährige ist der jüngste Junior-Professor der Uni, sein Forschungsgebiet: Digitale Chemie. Die Verzahnung von Chemie und Informatik ist eine neue Entwicklung in der Naturwissenschaft. Strieth-Kalthoff sagt, dass es in Europa vielleicht drei, vier, fünf Leute gebe, die auch darin forschen. „Die kenne ich alle persönlich, weil das Netzwerk relativ eng ist.“

Der Juniorprofessor Felix Strieth-Kalthoff arbeitet für die Bergische Universität Wuppertal (BUW). Auf dem Bild steht er vor einer Tafel in einem Seminarraum.
Felix Strieth-Kalthoff (32) ist Professor für Digitale Chemie an der Bergischen Universität Wuppertal.© Nele Küttner

Zwischen 50 und 60 Wochenstunden als Professor in Wuppertal

Sein Alltag? „Beschreibt sich eigentlich ganz gut dadurch, dass es eigentlich keinen Alltag gibt.“ Forschung, Doktoranden betreuen, Lehre, Geld einwerben, Labor organisieren – „ich mache sehr, sehr viele kleinteilige Dinge.“ Unter 50 Wochenstunden komme er nie. „Es sind je nach Woche noch mal an die 60.“

Privat tanzt er gerne Standard und Latein mit seiner Frau, spielt Gitarre und Bass – früher sogar in einer Schützenfest-Coverband. Als „Passivsportler“ verfolgt er alle Radsport- und Wintersport-Events vom Sofa aus.

Das ist Digitale Chemie

Seine Forschung erklärt Felix Strieth-Kalthoff so: „Chemie ist per se eine Datenwissenschaft. Wir stecken unsere Proben in Analysengeräte. Dabei fallen riesige Mengen an Daten an.“ Das Problem: „Historisch gesehen suchen wir uns die Informationen daraus raus, die wir haben wollen und schmeißen den Rest weg.“

Seine Mission: Mit Machine Learning und KI systematisch mehr Daten aus einzelnen Experimenten extrahieren, um die nächsten Versuche besser zu planen. „Bedeutet eigentlich mit weniger Experimenten mehr verstehen.“

Von der „ostwestfälischen Pampa“ nach Toronto und zurück

Felix Strieth-Kalthoff kommt aus Lippstadt, wie er sagt „aus der ostwestfälischen Pampa“. Schon in der Schule war klar: Es wird Chemie. „Irgendwie hat mich meine erste Chemielehrerin mal zu Schülerwettbewerben gebracht und hat gesagt: Probier das doch mal aus. Und damit war ich irgendwie angefixt.“ Von Klasse sieben bis zum Abitur hat er alle Chemie-Wettbewerbe mitgemacht, die ihm über den Weg gelaufen sind.

Nach Studium und Promotion in Münster ging es 2021 für zweieinhalb Jahre nach Toronto. „Ich bin Chemiker, dann muss ich mal irgendwo hingehen, wo ich das wirklich lerne“, erklärt er seine Entscheidung. Eigentlich hatte er seiner Frau versprochen nur für maximal anderthalb Jahre im Ausland zu sein. Aber die Stelle in Wuppertal ließ auf sich warten. Seit Juni 2024 ist er hier Juniorprofessor für Digitale Chemie.

In dem Gebäude V/W der Uni Wuppertal befindet sich auch der Fachbereich „Digitale Chemie“ von Felix Strieth-Kalthoff.
In dem Gebäude V/W der Uni Wuppertal befindet sich auch der Fachbereich „Digitale Chemie“ von Felix Strieth-Kalthoff.© Sebastian Jarych/ Bergische Universität

Warum Wuppertal perfekt für ihn ist

An der Bergischen Uni kann er das umsetzen, was ihm wichtig ist: die Lehre aktiv mitgestalten. „Wir sind ein relativ kleiner Standort. Das bedeutet, man hat ein viel engeres Betreuungsverhältnis und die Möglichkeit, auch als junger Hochschullehrer was zu verändern.“

Ein Beispiel: „Wir haben jetzt Digitalkompetenzen von Anfang an im Bachelorstudium drin. Das hatte ich in meinem Chemiestudium noch überhaupt nicht.“ Heute lehrt er „Einführung in die Informatik für Chemiker“ – obwohl er nie Informatik studiert hat. „Aber ich glaube, so aus einer praktischen Sicht kann ich vielleicht besser verstehen, was brauchen Chemiestudierende eigentlich davon?“

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Seine Stelle als Juniorprofessor ist mit einer „Tenure Track“-Regelung verknüpft: Erfüllt er in fünf Jahren seine Leistungskriterien, bekommt er eine Lebenszeitstelle. „Das liegt alles bei mir. Das ist definitiv durchaus auch mal eine Druck- oder Stresssituation.“ Trotzdem: Sein Karriereziel hat er noch nicht erreicht. „Ich glaube, da müsste ich ganz klar in der fixen Lebenszeitstelle sein.“ Dann überlegt er kurz und schmunzelt, wobei seine Grübchen zum Vorschein kommen: „Wobei, ich kenne mich dann doch. Dann fange ich wieder an, mir neue Ziele zu setzen.“