Wuppertal wird 2031 Gastgeber der BUGA. In der Stadt gibt es Befürworter wie Gegner. Aber wann gelingt eine BUGA – und wann droht sie, zu scheitern? Das haben wir Professor Frank Brettschneider gefragt, der sich wissenschaftlich mit Bundesgartenschauen auseinandersetzt.

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talzeit: Herr Prof. Brettschneider, Sie haben sich in Ihrer Forschung mit der BUGA Mannheim auseinandergesetzt. Was war Ihr Gesamteindruck?

Der Eindruck ist die extreme Spaltung der Gesellschaft dort. Der Gemeinderat hat mit Zweidrittelmehrheit der Ausrichtung zugestimmt, aber in der Bürgerschaft gab es zwei etwa gleich große Lager. Das hat auch der Bürgerentscheid gezeigt. Es gab sogar Bürgerinitiativen Pro und Contra. Das hat man nicht so oft, dass sich aus beiden Perspektiven Gruppen formieren.

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Das klingt sehr nach Wuppertal, wo das Ergebnis ebenfalls sehr knapp war...

Absolut. Das zeigt: Da ist eine Unruhe in der Stadtgesellschaft. Der Protest hat zum Teil mit der BUGA selbst zu tun – Kosten, Infrastrukturmaßnahmen, Beeinträchtigungen der Natur. Aber das alleine bringt nicht so einen Sprengstoff. Da muss noch was dazukommen: Gründe, die vielleicht mit dem Beteiligungsverfahren zu tun haben, vielleicht auch tieferliegende Probleme in der Stadt.

BUGA 2031 in Wuppertal: Was Wuppertal von Mannheim lernen kann

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    Eine BUGA braucht „einen systematischen Prozess“

    Was lief in Mannheim schief bei der Bürgerbeteiligung?

    Die Stadt war der Meinung, sie hätte einiges getan – es gab auch mal eine Bürgerwerkstatt. Aber einen wirklich systematischen Prozess konnte ich nicht erkennen. Man hat sich zu sehr darauf verlassen zu sagen: Wenn zwei Drittel des Gemeinderats das Projekt gut finden, dann läuft das von selbst. Das ist eben nicht so.

    Sechs Jahre hört sich lang an, ist es aber gar nicht.

    Prof. Frank Brettschneider

    Sie kritisieren auch die Kommunikation des Nutzens...

    Genau. Einfach nur die Aussage „Das ist toll, wenn wir eine Bundesgartenschau haben“ reicht nicht aus. Es muss ein klarer gesellschaftlicher Nutzen erkennbar sein. Und dieser Nutzen muss kontinuierlich und variabel kommuniziert werden – nicht nur das ständige Wiederholen des Gleichen.

    Heilbronn war erfolgreicher. Was lief dort anders?

    Heilbronn hat die BUGA sehr frühzeitig verbunden mit einer städtebaulichen Entwicklung. Da war das große Bild vorhanden. Es ging um die Entwicklung von Industriebrachen mit einem ökologischen Ansatz. Das war ein Puzzleteil in der Stadtentwicklung mit anderen Puzzleteilen wie der Hochschule oder der Umgestaltung des Bahnhofs.

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    Welche Folgen hatten die unterschiedlichen Kommunikationsansätze?

    Ein Projekt, das anfangs sehr positiv in der Bevölkerung gesehen wurde, ist in Mannheim mit fortschreitender Dauer immer stärker in Mitleidenschaft gezogen worden. Das führt zu einer Spaltung in der Stadt. In Heilbronn hingegen hat die systematische Kommunikation und kontinuierliche Bürgerbeteiligung zu einer Begeisterung in der Stadtgesellschaft geführt.

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      Wie bewerten Sie beide BUGAs auf einer Skala von 0 bis 10?

      Heilbronn irgendwo zwischen neun und zehn. Sehr viel mehr hätten sie nicht richtig machen können. Bei Mannheim fällt mir das schwerer – der Mega-Nutzen springt einem nicht sofort ins Auge. Vom Bauch her: irgendwo bei vier, unter dem Aspekt "vertane Chance".

      So könnte es zur BUGA 2031 in Wuppertal aussehen, wenn die geplante Hängebrücke steht.
      So könnte es zur BUGA 2031 in Wuppertal aussehen, wenn die geplante Hängebrücke steht.© Space Era Germany

      Was bedeutet das für Wuppertal, wo noch sechs Jahre Zeit sind?

      Sechs Jahre hört sich lange an, ist es aber gar nicht. Wichtig ist: Nicht zu denken, die Entscheidung ist getroffen und wird schon irgendwie laufen. Sondern zu schauen: Wer kann welche Gruppen motivieren, einen Beitrag zu leisten? Eine Diskussion über das "Wie" anzufangen, nachdem das "Ob" entschieden ist.

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      Was ist der Vorteil von guter Projekt-Kommunikation?

      Eine gute Kommunikation ist die Voraussetzung dafür, dass sich aus der BUGA etwas entwickelt. Die Zeiten sind vorbei, in denen man ein Projekt einfach durchdrücken konnte. Bürgerinnen und Bürger haben andere Erwartungen – sie wollen mitreden, gehört werden. Wenn der passende Rahmen dafür vorhanden ist, kann die BUGA dadurch zu einem großen Erfolg werden.

      Was muss passieren, damit das in Wuppertal passiert?

      Man muss immer wieder auf die Kritiker zugehen. Gibt es etwas, was sie dazu bringen könnte mitzumachen? Auch daran zu arbeiten, ein „Wir-Gefühl“ zu produzieren – dass es nicht als von außen aufgestülptes Event wahrgenommen wird, sondern als „unsere Bundesgartenschau“. Das lohnt die Mühe, erst recht nach diesem knappen Ausgang.