Die Sonne scheint auf den Laurentiusplatz, als Marcel Hafke seine Vision für Wuppertal ausbreitet. Biotech-Standort soll die Stadt werden, die Schulen die besten in NRW, die BUGA 2031 ein Erfolg, der nachstrahlt. Der FDP-Kandidat redet schnell und pointiert, jeder Satz sitzt. Doch wer soll das alles bezahlen in einer Stadt, deren Finanzlage er selbst als „miserabel“ bezeichnet?

Über folgende Punkte haben wir mit Marcel Hafke (FDP) gesprochen

  • Wirtschaft und Finanzen in Wuppertal: Neue Profilschärfung statt Arbeitslosigkeit?
  • Bildung: Mehr Erzieher, bessere Schulen
  • Die Bundesgartenschau: Nur mit Preisdeckelung
  • Mobilität: Bessere Infrastruktur - vor allem für Autos
  • Stadtentwicklung: Videoüberwachung, Aufnahmestopp für Geflüchtete

Wirtschaft: Der Traum von der Gesundheitsstadt Wuppertal

Hafkes Masterplan klingt ambitioniert: „Wuppertal könnte zum Biotech-Standort werden. Das gibt es nämlich in Deutschland faktisch gar nicht.“ Seine Idee:

  • Wuppertal als Gesundheitsstadt vermarkten, eine medizinische Fakultät an die Universität holen, Unternehmen anwerben wie einst Apple nach Düsseldorf.

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„Wir haben große private und gesetzliche Krankenkassen hier, Krankenhäuser und Zulieferbetriebe.“ Mit einer Schärfung des Wirtschaftsprofils der Stadt Wuppertal erhofft sich der NRW-Landtagsabgeordnete einen zukunftsfähigen Arbeitsmarkt, der weitere Unternehmen anlocken könnte.

Wie realistisch ist das? Hafke redet von „bundesweiter Aufmerksamkeit“ und „Vermarktung“, aber konkrete Schritte bleiben vage. Gewerbeflächen sollen ausgewiesen werden, „aber das wird nicht jedem Bürger gefallen“. Mit wem er schon konkret gesprochen hat? „Von der Universität bis hin zu großen Konzernen“ – Namen will er nicht nennen.

Seine Lösung für Wuppertals Brachflächen: Private Investoren sollen einen Fonds aufbauen und alte Gebäude aufkaufen. Zumal er gleichzeitig einräumt: „Wir haben ja auch kein Geld, um groß zu investieren.“

Marcel Hafke spricht mit talzeit-Redakteurin Nele Küttner über die Zukunft Wuppertals.
Marcel Hafke spricht mit talzeit-Redakteurin Nele Küttner über die Zukunft Wuppertals.© Nele Küttner

Finanzen in Wuppertal: Ehrliche Diagnose

Bei den Finanzen wird Hafke direkt: „ Die Finanzlage ist miserabel in dieser Stadt. Das wissen wir alle.“ Seine Analyse: „Wir werden es auch nicht alleine schaffen, diese Stadt zu entschulden. Das wird Wuppertal nicht hinbekommen.“ Bund und Land müssten helfen.

Seine Finanzstrategie: sparen, wo es geht. Die neue Gesamtschule in Heckinghausen soll 160 Millionen Euro kosten? „Ich gebe Ihnen Brief und Siegel, dass das günstiger geht“, sagt er. Wenn Private bauen würden statt das städtische Gebäudemanagement. Die BUGA-Seilbahn soll 50 Millionen kosten, in Portugal habe eine ähnliche nur 5 Millionen gekostet, sagt Hafke.

Weitere Maßnahmen: Prioritäten setzen und Personal effizienter einsetzen, weniger Flüchtlinge aufnehmen, Gewerbesteuer für Neugründungen senken. „Wir werden eine Zeit lang einen gewissen Mut brauchen“, sagt er. Der FDP-Politiker setzt auf private Investoren und Umverteilungen im Haushalt und Kosteneinsparungen, wo es geht.

Marcel Hafke, Oberbürgermeisterkandidat der FDP Wuppertal, spricht.
Marcel Hafke ist Oberbürgermeisterkandidat der FPD in Wuppertal.© James Zabel/FDP | James Zabel

Bildung: Marcel Hafke hat ehrgeizige Ziele

„Beste Bildung für alle Kinder“ und „die schönsten Gebäude“ für Schüler – Hafkes Bildungsvision ist ehrgeizig. Wuppertal steht bei der U3-Betreuung sehr schlecht in NRW da, in der Grundschule seiner Kinder gibt es „bis heute keine Tablets“, die Else-Lasker-Schüler-Gesamtschule ist seit Jahren dringend sanierungsbedürftig.

Seine Lösung: Erzieherinnen aus Ostdeutschland anwerben (bspw. aus der Partnerstadt Schwerin, denn dort sinke die Geburtenrate), bestehende Erzieher mit Verwaltungskräften entlasten, Schulen zu Ganztagszentren ausbauen mit „Kunst, Kultur, Sport und Jugendhilfe“.

Bildung ist einer der wichtigsten Punkte auf Hafkes Agenda. Die Investition in Kinder und Jugendliche sei auch eine Investition in Wuppertal und den Arbeitsmarkt. „Das wird die Stadt kein Sparmodell werden. Das wird Geld kosten und das müssen wir auch investieren.“

Aktuell fehlen in Wuppertal vier Weiterführende Schulen. Marcel Hafke findet es unrealistisch, dass die schnell zur Verfügung stehen werden. Beim Schulbau will er deshalb kreativ sein:

  • „Warum fangen wir nicht an, Raum über den Außenplätzen zu bauen?“ Man könne auf Schulhöfe weitere Stockwerke setzen.

Seine Devise: Ausbau statt teurer Neubau. „Ich weiß, dass es immer wieder großen Aufschrei geben wird, aber wir werden diese Sachen diskutieren müssen.“

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Marcel Hafke zur BUGA 2031: „Vollgas oder Notbremse“

Bei der Bundesgartenschau 2031 wird Hafke deutlich: „Riesenchance für Wuppertal“ – aber nur bei kluger Umsetzung. Sein größter Kritikpunkt: „Es ist außer Ideen und Konzepten noch nichts passiert.“ Parkhäuser müssten gebaut werden, er sehe aber „noch keinen Bagger fahren“.

 Die Stadt wird mit den festgelegten Mitteln auskommen müssen.

Marcel Hafke, Oberbürgermeisterkandidat der FDP für Wuppertal

Seine Bedingung: Ein Kostendeckel oder wie Hafke sagt „politisches Controlling“. „Die Stadt wird mit den festgelegten Mitteln auskommen müssen.“ Sollte es teurer werden, „können gewisse Sachen nicht gemacht werden“.

Die Hängebrücke findet er spannend: „Ich würde mal drübergehen.“ Aber die Zeitschiene bereitet ihm Sorgen: „Man müsste jetzt mal anfangen.“ Sein Konzept als Oberbürgermeister: „Entweder Vollgas oder Notbremse.“

Mobilität: Pragmatismus statt Ideologie

Beim Verkehr positioniert sich Hafke klar gegen die „Verkehrswende“ seines Vorgängers: „Die Menschen sind klug genug, selber zu entscheiden, wie sie sich bewegen.“ Autos seien für die meisten kein Luxus, sondern „zwingend notwendig, den Alltag hinzubekommen“.

Er spricht aus Erfahrung: Von Ronsdorf ins Rathaus zu radeln sei „lebensgefährlich“. Mit dem Bus nach Düsseldorf brauche er „fast zwei Stunden“, mit dem Auto nur eine. Seine Ideen: Bessere Radwege in Parks und Wäldern, klimatisierte Busse, autonom fahrende Kleinbusse.

Die Parkplatz-Realität: Am Ölberg fahren Menschen „30, 40 Minuten abends einen Parkplatz zu suchen“. Quartiersgaragen seien nicht überall möglich. Die Platzmacher-Aktion kritisiert er scharf: „Das sind Grabenkämpfe, die die Gesellschaft spalten.“

Stadtentwicklung: Sauber, sicher, lebenswert

Hafkes Stadtentwicklungskonzept beginnt mit den Basics: „Sauber und sicher. Das wäre das Erste. Weil das bedingt alles andere.“ Mülleimer müssten geleert, Spielplätze erneuert, Gebüsche zurückgeschnitten werden.

Volle Mülleimer beeinträchtigen das Bild Wuppertals.
Volle Mülleimer beeinträchtigen das Bild Wuppertals.© FUNKE Foto Services | Michael Dahlke

Bei Großprojekten verliert er die Geduld: Das Pina-Bausch-Zentrum sollte 2024 fertig sein, „die Frau ist jetzt über 15 Jahre tot“. Das Schauspielhaus „verrottet“. Seiner Meinung nach wurde zu groß geplant und zu wenig umgesetzt. Mit ihm als Oberbürgermeister bekämen die Wuppertaler „schmale Lösung, die auch umgesetzt werden.“

Beim Wohnen sieht er 11.000 leerstehende Wohnungen als Potenzial, ist aber beim sozialen Wohnungsbau skeptisch. Große Vermieter will er zur Verantwortung ziehen – „auch das darf ein Oberbürgermeister tun“.

Marcel Hafke will als Oberbürgermeister von Wuppertal die Verwaltung umkrempeln.
Marcel Hafke will als Oberbürgermeister von Wuppertal die Verwaltung umkrempeln.© Nele Küttner

Videoüberwachung: Trotz liberaler Bedenken befürwortet er eine Videoüberwachung an Kriminalitätsschwerpunkten. „Als liberaler Mensch tue ich mich unheimlich schwer damit. Aber ich bin an dem Punkt angekommen, wo die Sicherheit der Bürger im Fokus ist.“ Er will ein Wuppertal, in dem seine Kinder sich auch abends an Bahnhöfen aufhalten können.

Das Finanzierungsproblem bleibt

Marcel Hafke will mit konkreten Analysen und klaren Zielen überzeugen. Doch ein Problem bleibt aufgrund der Wuppertaler Haushaltssituation: das Geld.

  • Biotech-Standort, beste Schulen, erfolgreiche BUGA, saubere Stadt – alles kostet Millionen. Hafke setzt auf private Investoren, Fördermittel und Effizienzgewinne.

Er sagt aber auch: „Auch Wuppertal wird nicht alles immer tun und machen können, was man sich so wünscht.“

Hier lernt ihr die anderen Kandidaten kennen