Im Café Podzelny in Cronenberg kommt der Tag ganz langsam in Gange. Gerade erst wurden hier an diesem Dienstagvormittag die Türen aufgeschlossen. Jetzt brummt die Kaffeemaschine, es duftet nach Kuchen und draußen rauschen die Autos vorbei.

Hier in „ihrem“ Cronenberg, wo sie seit 2020 als Bezirksbürgermeisterin arbeitet, erklärt Miriam Scherff ihre Visionen für ganz Wuppertal. Sie spricht über eine BUGA 2031, die mehr ist als eine „Blümchenschau“. Über Schulen, die dringend gebaut werden müssen. Über Unternehmen, die nach Wuppertal kommen sollen.

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Miriam Scherff im Gespräch
Cappuccino und Politik: Die SPD-Oberbürgermeisterkandidatin Miriam Scherff (l.) hat sich für das Gespräch ein Café ausgesucht. © Raphaela Kossinis | Raphaela Kossinis

Miriam Scherff (SPD) hat drei Kernthemen für Wuppertal definiert

  • Bildung,
  • Wirtschaft und
  • Stadtentwicklung.

Die SPD-Oberbürgermeisterkandidatin will auf alle Fragen, die auf Wuppertal zukommen, eine Antwort haben – und eine Strategie. Den „Wuppertal-Plan“. Die Frage ist nur: Kann sie das alles auch umsetzen?

Das ist Miriam Scherff

Alter: 36

Wohnort: Cronenberg

Beruf: Leiterin im Produktmanagement (Software/Versicherungslösungen)

Partei: SPD (Seit 2020 Bezirksbürgermeisterin für Cronenberg, seit April 2024 Vorsitzende der Wuppertaler SPD)

Steht für: eine starke Wirtschaft, Bildung für alle, ein sicheres Wuppertal, soziale Teilhabe, soziale Sicherheit für alle Generationen

Die BUGA 2031 in Wuppertal als große Chance statt „Blümchenschau“

Die BUGA 2031 sieht Scherff als große Chance für Wuppertal. „Eine BUGA ist keine Blümchenschau, wie das von manchen Kritikern dargestellt wird“, sagt sie.

Für sie verstecken sich hinter der Bundesgartenschau 2031 „ganz viele Stadtentwicklungsprojekte“. Es sollen

  • Wohnquartiere,
  • Sportanlagen
  • und Parkanlagen entstehen.

Sogar die Bundesbahn habe zugesagt, den Bahnhof in Vohwinkel zeitnah zu sanieren – allerdings nur, wenn die BUGA kommt.

So könnte es zur BUGA 2031 in Wuppertal aussehen, wenn die geplante Hängebrücke steht.
So könnte es zur BUGA 2031 in Wuppertal aussehen, wenn die geplante Hängebrücke steht. Miriam Scherff steht voll hinter dieser Idee.© Space Era Germany

Die wirtschaftlichen Chancen für die Politikerin:

  • mehr Aufträge für die Region
  • Tourismus, der (hoffentlich) dauerhaft bleibt,
  • Hotels und Gastronomie, die profitieren.

„Insofern sehe ich das eher als ganz großen Vorteil für Wuppertal“, sagt Scherff.

Doch was ist mit den Kosten? In ihrer Antwort klingt sie pragmatisch: „Ich bin für einen Deckel bei den Eigenmitteln, damit es im bezahlbaren Rahmen bleibt.“ Das Schöne an einer BUGA sei ja, dass man „sehr viel einfacher Fördermittel zur Verfügung gestellt bekommt“.

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Mobilität in Wuppertal: Keine „Gängelei“, aber eine Wende

Auch beim Thema Mobilität klingt Miriam Scherff zunächst optimistisch: „Es gibt viele Fördertöpfe für den Radverkehr. Da könnten wir zahlreiche Projekte umsetzen.“ Auch für den ÖPNV gebe es Mittel – werde ein Thema priorisiert und von der Stadt unterstützt, finde sich meist auch Geld.

In der Praxis aber bleiben viele Vorhaben stecken – etwa auf dem Ölberg, wo die Parkplätze so knapp sind, dass Anwohner abends oft lange suchen. Parkhäuser lehnt Scherff aber ab: zu teuer, die Kosten müssten die Mieter tragen.

Das Bild zeigt ein parkendes Auto im absoluten Halteverbot auf dem Ölberg in Wuppertal.
Auf dem Ölberg kann die Parkplatzsuche besonders lange dauern. Miriam Scherff setzt auf alternative Angebote.© Benedikt Dahlmann

Ihre Vision: mehr Busverkehr, höhere Taktung, Busbeschleunigung. Und Carsharing. „Da wäre es doch total schön, wenn man sagt: Hey, super, ich steig direkt in das Auto ein, weil es steht vor der Tür.“ Projekte wie die Umwandlung von Parkplätzen in Sitzbänke sollten Ihrer Meinung nach erst kommen, wenn es genügend Alternativen gibt. Sonst fühle sich das „sehr nach Gängelei an“.

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Bildung in Wuppertal: Mehr von allem – aber wer soll das bezahlen?

Beim Thema Bildung wird deutlich, wie groß Scherffs Ambitionen sind. „Ich möchte mehr Erzieher und Erzieherinnen für Wuppertal“, sagt sie. „Ich möchte gerne Schulen bauen.“ Weiterführende Schulen, Förderschulen, Grundschulen – überall hat Wuppertal bedarf. Besonders stolz ist sie auf die kommende Jugendberufsagentur, die verschiedene Angebote bündeln soll. „Ein Jugendlicher muss zukünftig nicht mehr bei vier Orten anrufen, sondern er ruft einmal an und landet garantiert richtig.“

Das Ziel im SPD-Programm: kostenlose Bildung von der Kita bis zur Ausbildung. Die Finanzierung soll vor allem vom Land kommen, erklärt Scherff – aus eigener Kraft könne Wuppertal das kaum stemmen.

Auch beim Fachkräftemangel in der Pflege hat sie eine Idee: Geflüchtete, die gerne in diesem Bereich arbeiten würden. Hürden sieht sie vor allem bei der Sprache, daher will sie mehr Sprachkurse anbieten.

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Wirtschaft in Wuppertal: Mehr Unternehmen, aber keine höheren Steuern

Zusätzliche Gewerbeflächen ja – aber nur für Unternehmen, die Wuppertal echten Mehrwert bringen, sagt Miriam Scherff. Schwerpunkte: Gesundheitsindustrie und Werkzeugbranche. „Da haben wir jetzt schon ganz viele große Player in der Stadt.“

Höhere Steuern lehnt sie ab, stattdessen setzt sie darauf, dass sich neue Unternehmen in Wuppertal ansiedeln. Gleichzeitig soll es mehr Grün geben: gezielt ausgewählte Flächen, Mini-Parks auf überdimensionierten Straßen und Brachen. So will sie Wirtschaftswachstum und Stadtgrün verbinden.

Miriam Scherff, Wuppertal, Oberbürgermeisterkandidatin SPD
Miriam Scherff tritt bei der Kommunalwahl in Wuppertal als Oberbürgermeisterkandidatin für die SPD an.© SPD Wuppertal | Miriam Scherff, Oberbürgermeisterkandidatin der SPD in Wuppertal, steht vor der Schwebebahn.

Stadtentwicklung in Wuppertal: Der Bauturbo soll es richten

Mehr Wohnungen in Wuppertal – vor allem barrierefrei – will Miriam Scherff durch Aufstockungen schaffen. „Wie in München oder Köln“ sollen bestehende Gebäude mehrere zusätzliche Etagen bekommen. Pro Etage zwei Wohnungen – multipliziert auf viele Häuser – brächten spürbar neuen Wohnraum.

Finanzieren sollen das private Investoren oder Eigentümer, nicht die Stadt. Einige Anfragen gebe es bereits. Zudem will Scherff Bauanträge schneller genehmigen lassen.

Wuppertaler Häuser sollen hoch hinaus: Wenn es nach Miriam Scherff geht, sollen bestehende Gebäude um mehrere Stockwerke erweitert werden dürfen.  Foto: Fabian Strauch / FUNKE Foto Services GmbH
Wuppertaler Häuser sollen hoch hinaus: Wenn es nach Miriam Scherff geht, sollen bestehende Gebäude um mehrere Stockwerke erweitert werden dürfen. Foto: Fabian Strauch / FUNKE Foto Services GmbH© FUNKE Foto Services | Fabian Strauch

Wie will Miriam Scherff im Programm finanzieren?

Im Gespräch fällt eine Sache auf: Miriam Scherff hat für fast alles eine Antwort, aber die Finanzierung bleibt oft unkonkret. Beim „Wuppertal-Plan“ spricht sie von 15-Jahres-Strategien, bei der BUGA von Fördermitteln, bei der Bildung von Landesmitteln.

Die Frage, ob all diese Pläne gleichzeitig umsetzbar sind, beantwortet sie mit Optimismus: Man könne „neben der BUGA noch ganz wundervolle andere wichtige Projekte vorwärts bringen“.

Die 36-Jährige wirkt wie eine Politikerin, die große Träume hat und fest daran glaubt, sie umsetzen zu können. In Cronenberg, wo sie seit 2020 Bezirksbürgermeisterin ist, kennt man sie schon. Jetzt will sie zeigen, dass ihre Pläne auch für die ganze Stadt funktionieren.

Hier lernt ihr die anderen Kandidaten kennen: