Zusammenfassung

  • Nach der tödlichen Messerattacke in Witten zeigen viele Menschen große Anteilnahme und Solidarität mit der betroffenen Familie.
  • Es wurden bislang fast 230.000 Euro an Spenden gesammelt, um die Familie finanziell zu entlasten und ihre Heilung sowie die Beerdigung zu unterstützen.
  • Das Motiv der Tat ist weiterhin unklar. Die Familienmitglieder schweigen.

Die Schockstarre nach der schrecklichen Gewalttat in Witten hat sich gelöst und ist in eine enorme Welle der Solidarität und Spendenbereitschaft umgeschlagen. Das zeigt sich nicht nur in den vielen Beileidsbekundungen, sondern auch Geldspenden, die nach Aufrufen auf Social Media in kürzester Zeit zusammenkamen.

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Die betroffene Familie wollte am Samstagmorgen (28.3.) offenbar in den Osterurlaub fahren, als es laut Zeugen zu einem Streit gekommen ist. Der tatverdächtige Vater (40) soll auf offener Straße mit einem Messer auf seine Frau und die beiden Kinder losgegangen sein. Der Sohn (13) erlag trotz Erster Hilfe noch vor Ort seinen Verletzungen. Die 38-jährige Mutter und die neunjährige Tochter kamen ins Krankenhaus und schwebten zunächst in Lebensgefahr.

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Freundinnen der Mutter starten Spendenaufruf für Wittener Gewaltopfer

Freundinnen der Mutter hatten daraufhin am 1. April in den sozialen Medien einen Spendenaufruf gestartet. Dabei kamen bisher fast 200.000 Euro zusammen. In dem Aufruf heißt es, dass die Mutter freiberuflich tätig sei. Das bedeute in dieser Situation, „vor riesigen Existenzängsten zu stehen“. Darum wolle ihr Umfeld Geld sammeln, um für mehr Sicherheit zu sorgen, ihr und ihrer Tochter Zeit zur Heilung zu verschaffen und für die Beerdigung des getöteten Sohnes aufzukommen.

Das „Töchter-Kollektiv“ – eine nach eigenen Angaben bundesweite „intersektional-feministische Bewegung“ – sammelt ebenfalls Spenden. Bei der Kampagne sind bisher knapp 30.000 Euro zusammengekommen. Der Gruppe zufolge hat sich die Mutter vor der Tat selbst in der Öffentlichkeit zum Thema „Gewalt an Frauen“ geäußert. „Sie hat ihre Stimme erhoben – für viele – für uns alle“, heißt es. „Jetzt ist es an uns, an ihrer Seite zu stehen. Sie und ihre Tochter zu schützen, zu stützen und sie zu tragen.“

Wittener nehmen großen Anteil am Schicksal der Familie

Die Spenden sind nach Angaben der Initiatorinnen unter anderem für medizinische und therapeutische Behandlungen gedacht. Sie sollen die Familie in dieser Ausnahmesituation finanziell entlasten. Insgesamt sind bis zum 9. April durch beide Kampagnen fast 230.000 Euro gesammelt worden.

Nach Messerangriff auf eine Frau und zwei Kinder
Trauernde haben in Witten Blumen und Kerzen zum Gedenken an den verstorbenen Jungen niedergelegt.© Christoph Reichwein/dpa | Christoph Reichwein

Unterdessen nehmen die Menschen weiter Anteil – wie an der kleinen Gedenkstelle in der Lessingstraße, wo die Trauernden Kerzen, Blumen und Spielzeug für den verstorbenen Jungen hinterlassen haben. Oder bei einer Gedenkstunde in der Johanniskirche am Mittwoch (1. April), als rund 100 Wittener zusammenkamen – unter ihnen Einsatzkräfte, die vor Ort waren und für das Leben der Opfer gekämpft hatten. Auch in den sozialen Netzwerken bekunden viele ihre Trauer.

Gewalt an Frauen: NRW-Ministerin Schäffer setzt auf stärkere Prävention

Dort brachte auch die neue NRW-Familienministerin Verena Schäffer ihre Bestürzung zum Ausdruck. „Als zuständige Ministerin für Kinder und Gleichstellung und als Wittenerin bewegt mich diese Tat zutiefst“, heißt es in einem Instagram-Post. Gewalt gegen Frauen und Kinder müsse frühzeitig erkannt und verhindert werden. Schäffer weist darauf hin, dass in Deutschland fast jeden Tag eine Frau Opfer eines Femizids werde. Der Begriff „Femizid“ steht für Taten, bei denen eine Frau getötet wird, weil sie eine Frau ist.

Hinweise darauf, dass es sich bei der Gewalttat in Witten um einen versuchten Femizid gehandelt habe, sehe die Staatsanwaltschaft zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht. Denn das Motiv des Tatverdächtigen ist bisher nicht bekannt. Er schweigt weiter.