Zusammenfassung
- Verena Schäffer aus Witten ist neue Flüchtlings- und Familienministerin in NRW.
- Ihr Karrieresprung stößt bei den Grünen in Witten und im EN-Kreis auf große Zustimmung und Erwartungen an Verbesserungen besonders bei Integration und Kinderbetreuung.
- Schäffers Ernennung wird bei den Wittener Grünen zudem als „logische Fortsetzung“ ihrer bisherigen politischen Laufbahn und als Chance für einen Neuanfang gesehen.
Vom Schiller-Gymnasium ins Kabinett: Verena Schäffer aus Witten hat eine steile Karriere bei den Grünen hingelegt. Die einst jüngste Landtagsabgeordnete folgt auf ihre frühere Co-Fraktionsvorsitzende Josefine Paul, die am Dienstag als Flüchtlings- und Familienministerin zurückgetreten ist.

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Viele Wittenerinnen und Wittener kennen die 39-Jährige, die aus Stockum stammt. Inzwischen lebt die zweifache Mutter in Köln und in Witten. 2010 ist sie erstmals in den Landtag eingezogen, damals war sie mit 23 das „Nesthäkchen“ unter den Abgeordneten. Im Wittener Rat saß Schäffer ebenfalls für eine Legislaturperiode, von 2009 bis 2014.
Seit sechs Jahren steht Grüne aus Witten schon an der Spitze der Landtagsfraktion
Ihr erster großer Karrieresprung folgte 2020. Damals wurde die Grünen-Politikerin zusammen mit Josefine Paul Vorsitzende der Landtagsfraktion. Das blieb sie auch 2022, nach der Landtagswahl, als Paul im neuen schwarz-grünen Kabinett Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration wurde. Schäffer führte die Fraktion seitdem geräuschlos mit Wibke Brems wiederum in einer Doppelspitze.
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Auch nach ihrer Ernennung zur Ministerin am Dienstag (27.1.) durch Ministerpräsident Hendrik Wüst behält Schäffer ihr Abgeordnetenbüro in Düsseldorf. Denn die Expertin für Rechtsextremismus bleibt Parlamentarierin. Ihr Hauptwohnsitz wird ebenfalls weiterhin Witten sein.

Grünen-Kreisverband „mit großem Stolz“ erfüllt
Der EN-Kreisverband der Grünen bedankte sich bei der scheidenden Ministerin Josefine Paul und lobte ihre Nachfolgerin. „Dass mit Verena Schäffer nun eine Politikerin aus unserem Kreis und aus Witten Ministerin wird, erfüllt uns mit großem Stolz“, sagt Vorsitzende Karen Haltaufderheide-Uebelgünn. Schäffers politische Arbeit sei „von großer Fachlichkeit, klaren Werten und einem offenen Ohr für die Menschen vor Ort geprägt“.
Wittener Grüne setzen auf Einfluss Schäffers in der Landesregierung
Bei den Grünen in Witten stößt Schäffers erneuter Karrieresprung ebenfalls auf viel Zustimmung. „Das wirkt auch für uns vor Ort beflügelnd“, sagt Vorstandsmitglied Joachim Drell. Das Ministeramt werde Schäffers Einfluss in der Landesregierung weiter stärken, so der 74-Jährige. Zuletzt habe sich Schäffer – da noch als Fraktionsvorsitzende – bereits erfolgreich für eine Entlastung der Städte von Altschulden einsetzen können.
Nun erhofft sich Drell Verbesserungen etwa bei der Integration von Flüchtlingen – Stichworte Sprachkurse oder Unterbringung, vielleicht auch beim „schwierigen Thema Kibiz“, dem umstrittenen Kinderbildungsgesetz. „Hier muss mehr passieren, um die Träger zu entlasten und den Kürzungen entgegenzuwirken“, meint der Wittener Spitzengrüne. „Die Chance für einen Neuanfang“ sieht Drell nun auch bei der Aufklärung im Falle Solingen. Nach dem Mordanschlag war Josefine Paul als Flüchtlingsministerin 48 Stunden lang abgetaucht, was nicht zuletzt zu ihrem jetzigen Rücktritt geführt hat.
Das sagt Verena Schäffer zu ihrer Ernennung
Die Wittener Grünen-Politikerin hat sich nach ihrer Ernennung zur Ministerin bei Ministerpräsident Hendrik Wüst und der stellvertretenden Ministerpräsidentin Mona Neubaur für deren „Vertrauen“ bedankt. Das geht aus einer Mitteilung ihres neuen Ministeriums hervor. „Mein Respekt vor dieser Aufgabe ist groß und ich werde sie in genauso großer Verantwortung annehmen“, so Schäffer.
Darüber dankte sie ihrer Vorgängerin und langjährigen Kollegin Josefine Paul für die „engagierte Arbeit in den vergangenen Jahren“ im Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration. Sie wolle die „begonnenen Gesetze und offenen Vorhaben“ weiter vorantreiben. Den Schwerpunkt will Schäffer nach eigenen Angaben auf „die Interessen von Familien mit Kindern sowie die Beteiligung von Jugendlichen“ legen. Darüber hinaus sei der wirksame Schutz von Minderheiten vor Ausgrenzung und Diskriminierung ein zentrales Anliegen für sie und die Koalition.
Grüner Ortsverband in Witten geht mit eigener Ministerin in den Landtagswahlkampf
Dank der Berufung Schäffers wird der grüne Ortsverband in Witten 2027 nun mit einer eigenen Ministerin in den Landtagswahlkampf gehen. Zuletzt hatten die Grünen sowohl bei der Bundestagswahl als auch bei der Kommunalwahl Federn lassen müssen. 2020 waren sie auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs. Damals erreichte Witten bei der Europawahl und anschließenden Kommunalwahl die besten Ergebnisse im Ruhrgebiet.
Im Übrigen hält Drell Verena Schäffer „für eine gute Wahl“. Nachdem sie bereits Fraktionschefin war, sei dies die „logische Fortsetzung ihrer Karriere“. Sie verfüge bereits über langjährige Erfahrung in der Landespolitik. Dieser Meinung dürfte sich eine ihrer Weggefährtinnen anschließen, die grüne Sozialpolitikerin Lilo Dannert.

„Wir freuen uns, dass wir mit ihr eine Ministerin aus Witten haben“, kommentiert Dannert die Ernennung von Schäffer zur Flüchtlings- und Familienministerin. „Eine tolle Frau!“ Sie kenne auch den Help-Kiosk in Witten gut, der Flüchtlinge betreut, und die Probleme der Schutzsuchenden. Verena Schäffer verfüge über „großen Sachverstand, gerade was Flüchtlinge betrifft“, so Dannert. Wenn die Spitzenpolitikerin aus Düsseldorf mal wieder an einer Mitgliederversammlung der Grünen in Witten teilnimmt, dürfte ihr ein dicker Blumenstrauß sicher sein.




