• Gespenstische Ruhe am Busbahnhof in Witten: Nur der SB 38 steht auf der Anzeigetafel
  • Elterntaxis, E-Roller, Fahrrad, Fußmarsch: So wissen sich Pendler und Schüler zu helfen
  • Stau im Berufsverkehr von Bommern in Richtung Witten-Mitte

Der Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr sorgt in der Wittener Innenstadt schon fast für gespenstische Ruhe. Der Busbahnhof am Freitagmorgen – wie leer gefegt. Vereinzelt sieht man Fußgänger mit Rucksäcken, Fahrradfahrer oder Menschen auf E-Rollern, die vorbeirasen. Auch im Hauptbahnhof ist nicht viel los, obwohl die Züge fahren. Das Hin- oder Weiterkommen ist das Problem. Der Ausstand hat die Pendler einmal mehr voll erwischt.

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Deutlich mehr los als im Herzen der City ist auf den Hauptverkehrsachsen um die Innenstadt herum. Von Bommern kommt man mit dem Auto nur im Schritttempo weiter. So voll ist es morgens um sieben auf dem Bodenborn. Eine Mutter mit Kind zischt auf ihrem doppelsitzigen E-Bike vorbei und überholt den Stau. Es ist Warnstreik und er ist noch längst nicht vorbei. Bis einschließlich Samstag fährt kein Bus, keine Straßenbahn in Witten. Oder doch? Ja, es gibt es wieder einige wenige Ausnahmen.

Warnstreik im Nahverkehr und dann fällt auch noch die S 5 nach Dortmund wegen Bauarbeiten aus: Zumindest gibt es einen Bus als "Schienenersatzverkehr".
Warnstreik im Nahverkehr und dann fällt auch noch die S 5 nach Dortmund wegen Bauarbeiten aus: Zumindest wird die S-Bahn durch einen Bus ersetzt.© WAZ | Jürgen Augstein

Auch das noch: S 5 fällt wegen Bauarbeiten zwischen Witten und Dortmund zeitweise aus

Da die Deutsche Bahn nicht streikt, fahren auch die von ihr eingesetzten Busse. Das gilt zum einen für den Schienenersatzverkehr (SEV). Denn ausgerechnet jetzt muss auch noch die S 5 ausfallen, die wichtige S-Bahn zwischen Dortmund und Hagen. Bauarbeiten auf der Strecke bis zum 14. März! Dafür pendelt nun ein Bus.

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Zum anderen ist die DB-Tochtergesellschaft Rheinlandbus mit ihrem SB 38 wie immer am Start. Es ist der einzige Bus, der auf der großen elektronischen Anzeigetafel am Wittener ZOB steht. Trotzdem wartet Sara nun schon seit über einer Stunde auf den Schnellbus in Richtung Hattingen. Sie muss zur Arbeit nach Herbede, ins Altenheim. „Ich habe schon angerufen, dass ich später komme“, sagt die 36-Jährige. Die Verbindung um 7.26 Uhr ist ausgefallen. Jetzt hofft sie, dass es um 8.26 Uhr klappt. Auch der 592er nach Wetter fährt wie immer zuverlässig trotz Warnstreik. Dafür dürften Subunternehmer sorgen.

Mit dem Zug in Witten angekommen, dann geht es zu Fuß mit Gepäck weiter: Der Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr betrifft auch Reisende.
Mit dem Zug in Witten angekommen, dann geht es zu Fuß mit Gepäck weiter: Der Warnstreik im öffentlichen Nahverkehr betrifft auch Reisende, wie hier auf der Bergerstraße.© WAZ | Jürgen Augstein

Buslinien SB 38 und 592 bedienen wie gewohnt Witten und Nachbarstädte

Fazit: Alle Züge fahren, es sei denn, die S 5 fällt aus. Dafür gibt es auch während des Warnstreiks einen Schienenersatzverkehr per Bus. Außerdem sind zwei Linienbusse unterwegs, der SB 38, der zwischen Hattingen, Witten und Ennepetal pendelt, und der 592er nach Wetter. Wer es sich leisten kann: Auch die Taxifahrer haben gut zu tun. Sie fallen stärker auf, sind überall unterwegs.

Mit dem Zug aus dem Raum Dortmund ist am frühen Morgen eine junge Frau gekommen, die zur Uni in Annen will. „Ich werde laufen“, sagt sie und macht sich tapfer auf den Weg. Wann sie heute aufgestanden sei? „Um fünf, anderthalb Stunden früher als sonst.“ Wie gut, dass es Elterntaxis gibt, werden da einige Schülerinnen und Schüler denken, die sonst wohl noch früher aus den Federn gemusst hätten als sonst schon.

„Ein Kollege hat mich bis zur Husemannhalle mitgenommen. Den Rest bin ich gelaufen“, sagt Oliver (17), den wir kurz vor Schulbeginn am Schiller-Gymnasium treffen. Er kommt aus der Ecke Annen/Rüdinghausen und nimmt normalerweise den Bus. Ob er trotzdem Verständnis für den Streik hat? „Lieber wäre mir, wenn sie nicht streiken würden.“

Elterntaxis stoppen vor Wittener Schulen

Die junge Frau, die zur Uni läuft, versteht es einerseits, wenn die Busfahrer wie jetzt für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Andererseits sind halt auch immer wieder Pendlerinnen und Pendler wie sie betroffen, die nicht mal eben aufs Auto umsteigen können. „Schlimm!“ So kommentiert Michele (50) den Warnstreik. Der 50-Jährige ist heute das Elterntaxi. Er stoppt mit seinem Wagen vorm „Schiller“ und hat seinen Sohn gebracht. Einen Freund haben sie auch noch mitgenommen. Zum Laufen ist es von Herbede dann doch zu weit. Sie sind nicht die Einzigen.

Pünktlich um 7.45 Uhr bimmelt die Schulklingel. Zwei Jungs kommen angerannt und sind gerade noch rechtzeitig da. Warnstreik in Witten – Fortsetzung folgt. Denn diesmal geht der Ausstand wie gesagt über zwei Tage. Auch an diesem Samstag (28. Februar) stehen Busse und Straßenbahnen noch still. Aber dann können die meisten ja zum Glück ausschlafen.