Wenn man sieht, welche Kaliber hier durchrollen, fragt man sich, wie es in den letzten Monaten und Jahren überhaupt funktionieren konnte - mit einem halbseitig gesperrten Steinhügel im Kreuzungsbereich, einer provisorischen Ampel und zuletzt all den rot-weißen Baustellenbaken? All das ist inzwischen Vergangenheit. Der Kreisverkehr in Witten-Heven ist fertig, der Verkehr rollt wieder.

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Wir treffen Harald, der gerade zu Fuß unterwegs ist, aber natürlich auch Auto fährt. Der 74-Jährige ist zufrieden. „Überall, wo Witten Kreisel hat, gibt es keine Staus mehr“, sagt er. Anfangs sei er ja noch etwas skeptisch gewesen, „wegen der Nase“, so der Rentner. Er meint damit die üppig ausgefallenen Gehwege samt Pflanzenbeete an der Einmündung Universitätsstraße/Steinhügel, wo früher eine Art Dreieck gewesen sei. „Aber es ist ganz gut“, lautet sein Gesamtfazit.
Steinhügel/Wannen in Witten: Große Lkw dürfen nicht direkt rechts abbiegen
Wobei es mit dem Rechtsabbieger seine besondere Bewandtnis hat. Oder haben Sie schon mal ein Verkehrsschild gesehen, das Lkw-Fahrer auf eine Extrarunde schickt? Genauso verhält es sich, wenn die schweren Brummis die Universitätsstraße raufkommen und ausnahmsweise vielleicht mal nach rechts in den Steinhügel abbiegen müssen. Weil das knapp werden könnte, wird ihnen signalisiert, einmal durch den ganzen Kreisverkehr zu fahren, um dann mit der „Schnauze“ geradeaus in den Steinhügel zu kommen. Bei unserer Stippvisite stellt sich das Problem aber nicht. Denn fast alle dicken Laster nehmen die dritte Ausfahrt in den Hellweg.

„Hätten Sie mal auf ein paar Blumen verzichtet“, kommentiert Röttger Althoff von der nahen Hainberg-Apotheke die mögliche Engstelle. Tatsächlich ist dort ein breiter Bürgersteig mit Beeten entstanden. Für Fußgänger eine ganz tolle Sache. Was aber nicht heißt, dass hier oben in Heven nun der Luxus ausgebrochen ist.
Anders als auf Teneriffa wachsen auf diesem neuen Kreisel keine Palmen. Das ginge auch gar nicht. Denn schließlich müssen die Brummis dort im Zweifelsfalle mal drüberfahren können. Deshalb ist die runde Mitte entsprechend abgeflacht.

Zebrastreifen für Fußgänger
Nicht nur die Autofahrer, auch die Fußgänger und Geschäftsleute haben nun nichts mehr zu meckern - nachdem die Kreisel-Baustelle monatelang viele Nerven gekostet hatte. Grund war der Absperrdschungel. Gerade die Fußgänger sahen nur noch rot-weiß. Es gab ältere Menschen mit Rollator, die wussten nicht, wie sie die Straße überqueren sollten. Inzwischen ist das kein Problem mehr. Es gibt Zebrastreifen. Trotzdem sollten Autofahrer, die rechts abbiegen, immer schön auf querende Passanten achten - und umgekehrt.

Seitdem die Bautrupps weg sind, klingelt die Kasse wieder. Apotheker Rötger Althoff, der anfangs regelrecht von der Baustelle auf dem Knotenpunkt Unistraße/Hellweg/Steinhügel/Wannen eingezäunt war, hatte Umsatzrückgänge von „locker 30 Prozent“ zu beklagen. „Vor allem die Kunden mit Auto kommen jetzt wieder“, sagt der 62-Jährige. Denn das war das Hauptproblem für die Apotheke oder die Bäckerei: Wer von „drüben“ kam, sprich aus Richtung Unistraße/Hellweg, konnte nicht mehr direkt in den Steinhügel hineinfahren. Vergessen kann Althoff diese knapp drei Monate währende Zeit aber noch nicht. „Es steht ja in den Büchern.“
Kleine Restarbeiten folgen noch
Dreieinhalb Monate sollten die Arbeiten an dem neuen Kreisverkehr in Heven dauern. Tatsächlich wurde er zwei Wochen früher als geplant fertig. Laut Stadt folgen noch kleinere Restarbeiten, die sich bis ins nächste Jahr hinziehen können. Die Kosten werden mit rund 730.000 Euro voraussichtlich eingehalten.
Was das selten zu sehende Verkehrsschild für Lkw angeht, die nicht direkt von der Universitätsstraße in den Steinhügel abbiegen dürfen, sondern einmal durch den Kreisverkehr fahren müssen: Es gilt für Brummis ab 7,5 Tonnen. Es hat laut Stadt „Weisungscharakter“. Es gebe dieses sogenannte „indirekte Rechtsabbiegen“ an einer weiteren Stelle, an der Ecke Wannen/Hellweg.
Um auch den großen Lastern direktes Abbiegen in den Steinhügel und Wannen zu ermöglichen, müssten erst noch die dafür nötigen Flächen erworben werden. Darauf hoffe man im Rahmen des „Endausbaus“ nach 2030. Insgesamt hat der Kreisverkehr in Heven laut Stadt einen Radius von 3,45 m. Das entspreche einem Durchmesser von 6,90 m. „Mit Markierungen sind es 14 m (ohne Fahrbahn).“
Die Kunden sind zurück
Auch in der beliebten Bäckerei Zehner atmet man auf. „Das hat man sofort gemerkt, dass die Straße wieder auf ist“, sagt Verkäuferin Sandra (57). Ein großes Lob zollen Kunden und Beschäftigte den Arbeitern. „Sie waren jeden Tag auf der Baustelle. Das kenn ich gar nicht aus Witten“, sagt Chefin Beate Zehner (61). Sie hätten so zügig durchgearbeitet. Eine Kundin spendierte sogar einen Zwanziger, der für die Bautrupps in der Bäckerei hinterlegt wurde. Kaffee und belegte Brötchen für den Kreisverkehr. Oder: Man muss die Handwerker bei Laune halten.





