Chefarzt Prof. Dr. Metin Senkal hat dem Übergewicht den Kampf angesagt. Im Wittener Marien-Hospital hilft er bis zu 650 Patienten pro Jahr beim Abnehmen. Die dortige Adipositas-Klinik wurde als Exzellenzzentrum ausgezeichnet - besser geht es nicht. Im Gespräch mit der Redaktion erklärt der Experte, was Adipositas ist, wie man die Krankheit bekämpft und warum er die Fachabteilung nicht freiwillig gegründet hat.

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Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs: Wer zu viel auf die Waage bringt, für den steigt das Krankheitsrisiko in vielerlei Hinsicht. Mediziner unterscheiden allerdings zwischen dem klassischen Übergewicht und Adipositas, einer Erkrankung, bei der sich zu viel Fett im Körper ansammelt. Oft geht sie mit den genannten Begleiterscheinungen einher. „Allerdings wurde Adipositas in Deutschland erst vor zwei Jahren als Krankheit anerkannt“, sagt Senkal.
Wittener Arzt erklärt, wann Übergewicht zur Krankheit wird
Entscheidend für die Einordnung ist der Body-Mass-Index (BMI). Er beschreibt das Verhältnis von Körpergröße und Gewicht. Bis zu einem BMI-Wert von 25 gilt man als normalgewichtig. Die Kategorie Übergewicht endet bei einem Wert von 30. Alle Menschen darüber gelten als adipös, also fettleibig.
„Das betrifft 19 Prozent der Bevölkerung und in den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl beinahe verdoppelt“, sagt Prof. Senkal. Geradezu „erschreckend“ findet er die Zahlen bei betroffenen Kindern und Jugendlichen. Etwa 300.000 von ihnen fallen in die Gruppen „Adipositas Grad zwei und drei“. Sie haben einen BMI von über 35 und mehr.

„Diese Menschen werden oft aufs Dicksein reduziert. Damit wird von den tatsächlichen Problemen abgelenkt, etwa den damit verbundenen Krankheiten“, erklärt der Chefarzt. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) handelt es sich bei Übergewicht und Adipositas um „die wichtigste Herausforderung für die Gesundheitssysteme überhaupt“.
Adipositaszentrum Witten: Unfreiwillig exzellent
„Wir haben das Adipositaszentrum in Witten nicht ganz freiwillig gegründet“, sagt der Mediziner. Vielmehr habe man auf die Bedürfnisse der Bevölkerung und der Betroffenen reagiert. Seit über 15 Jahren unterstützt sein Haus nun die Wittener beim Abnehmen. Auch moderne Operationsmethoden leisten ihren Anteil. Ohne sie wäre eine Behandlung nur schwer möglich.

Das Magenband gehöre heute allerdings schon wieder der Vergangenheit an, erklärt Senkal. Mittlerweile gebe es minimalinvasive Methoden, die vor allem nachhaltig seien. Dazu zählen etwa eine Schlauchmagen-OP und ein Magen-Bypass. Beide Methoden dienen der Verkleinerung des Magens. Beim Bypass wird außerdem eine Direktverbindung zwischen Magen und Dünndarm geschaffen. Dadurch fühlen sich Patienten schneller satt.
Adipositaszentrum Witten: Mehr als eine Operation
„Es ist aber nicht mit der Operation getan“, erklärt Metin Senkal. Die Eingriffe ermöglichen zwar einen schnellen und massiven Gewichtsverlust - bis zu 60 Prozent des Übergewichts innerhalb eines Jahres. Der dauerhafte Erfolg hängt aber vom Patienten selbst und seinem zum Beispiel familiären Umfeld ab. „Es ergibt beispielsweise keinen Sinn, ein Kind zu operieren, das im Elternhaus wieder gefüttert wird“, warnt der Experte.
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Deshalb werden die Betroffenen im Marien-Hospital vor und nach einem Eingriff betreut. „Wir begleiten die Patienten zwei Jahre lang mit ernährungstherapeutischen, psychologischen oder ärztlichen Angeboten.“ Gerade Menschen mit einem besonders hohen Body-Mass-Index müssten sanft an Sportangebote herangeführt werden. Denn für sie bedeute schon das Treppensteigen eine Qual.
Tipps vom Wittener Abnehm-Arzt
Für Wittener, die sich um ihr Gewicht sorgen, hat der Mediziner einen einfachen Rat: „Achten Sie auf Ihre Ernährung und bauen Sie Bewegung in Ihren Alltag ein. Schon kleine Veränderungen können helfen. Meine Mitarbeiter haben mich zum Beispiel noch nie im Aufzug gesehen.“
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