Seit dem 1. Mai gelten verschärfte Regelungen beim Biomüll. Ziel ist es, den Plastikanteil zu verringern. Die kommunale Abfallverwertungsgesellschaft AHE setzt auf Akzeptanz in der Bürgerschaft. Wie das Unternehmen Zustimmung zu den neuen Vorgaben der Bioabfallverordnung erreichen will, erläutert AHE-Chef Johannes Einig.
In der Kreislaufwirtschaft lautet ein Zauberwort: Mülltrennung. Das gilt auch für Biomüll. Wie bereitwillig werden braune Tonnen von Privatleuten und Gewerbetreibenden genutzt?
Johannes Einig: Die Nutzung der Biotonne steht und fällt in erster Linie mit dem Angebot. Nachbarkommunen, Beispiel Hagen, haben gar keine Biotonne. In Witten gibt es einen Benutzerzwang, diesem können sich die Bürger nur entziehen, wenn sie eine entsprechende Eigenkompostierung nachweisen. In Witten ist die Annahme schon recht gut - mit Luft nach oben. Derzeit werden circa 80 Kilogramm pro Einwohner und Jahr in Witten erfasst. Möglich wären sicherlich jährlich mehr als 100 Kilo je Einwohner.
AHE in Witten beklagt hohen Kostenaufwand für Aufarbeitung des Bioabfalls
Was kann besser werden?
Das Trennverhalten der Bürger kann sicherlich besser werden, setzt allerdings auch die Erkenntnis voraus, dass eine Trennung im Haushalt ein wesentlicher Beitrag zur Ressourcenschonung ist.
Wie groß ist der Anteil des Biomülls an der Gesamtmenge eines Privathaushalts?
Der deutsche durchschnittliche Haushalt erzeugt rund 433 Kilo je Einwohner und Jahr. Davon sind etwa 67 Kilo Bioabfall.
Welchen Kostenvorteil haben die Bürger durch konsequente Biomülltrennung?
Die Verwertung von Bioabfall erzeugt etwa die Hälfte an Kosten des Restabfalls. Nicht getrennter Bioabfall landet in der Regel in der Restmülltonne. Bei einer konsequenten Erfassung aller biologischen Abfälle könnte die Stadt Witten rund 500.000 Euro jedes Jahr sparen.
Welche organisatorischen Vorteile hat die AHE davon?
Die Verwertung von Bioabfall setzt auf die Erzeugung von Produkten. Ein Produkt ist ein güteüberwachter Kompost. Der Aufwand zur Trennung der Störstoffe aus dem Bioabfall ist sehr kostenintensiv - und die anschließende Verwertung der Reststoffe ebenfalls. Der Vorteil wäre entsprechend ein günstigerer Verwertungspreis für die Bürgerinnen und Bürger und entsprechend geringere Gebühren.
Welche Rolle spielt regionale Wiederverwertung?
Eine sehr wichtige Rolle. Das richtige Trennen von Abfällen muss sich für die Bürger direkt lohnen. Es muss möglichst günstig und nachhaltig sein. Und es ist Irrsinn, Abfall hochwertig zu verwerten und diesen anschließend über lange Strecken zu transportieren. Dadurch wird der ökologische Vorteil reduziert.

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Bei der Aufbereitung des Biomülls entsteht Wärme. Wie kann sie genutzt werden?
Wärme wird in der Vergärungsanlage der AHE zu einem Drittel als produktionsspezifische Wärme direkt im Kreislauf eingesetzt. Hier wird der Fermenter erhitzt, und die Kompostierung benötigt ebenfalls Wärme. Darüber hinaus könnte die noch zur Verfügung stehende Wärme der kommunalen Wärmeplanung behilflich sein.
Zu welchem Produkt kann Biomüll aufbereitet werden?
Zu mehreren. Zum einen entsteht Gas. Daraus kann Strom erzeugt werden. Im vergangenen Jahr waren es 5,5 Millionen Kilowattstunden. Außerdem kann Bioabfall zu Kompost und zu einem biologischen Düngemittel verarbeitet werden, welches keine Schwermetalle enthält und die regionalen Böden verbessert.
Wittens Gartenfreunde profitieren von AHE-Produkten
Wie kommen die Produkt zurück zum Verbraucher?
Die Energie geht direkt über das Netz an die Bürger zurück. Der Kompost wird in der regionalen Landwirtschaft eingesetzt und den Bürgern kostenlos an allen Wertstoffhöfen zur Verfügung gestellt. Das Düngemnittel sichert regional nachhaltiges Pflanzenwachstum.
Wie teuer ist der Kompost?
Für den Bürger ist er kostenlos.
Die AHE zeigt der Öffentlichkeit am Mittwoch, 7. Mai, ab 13.30 Uhr ihre Biogasanlage im Bebbelsdorf im Rahmen eines Tags der offenen Tür.
- Was? Tag der offenen Tür in der AHE-Biogasanlage, Bebbelsdorf 89, Witten.
- Wann? Mittwoch, 7. Mai,. 13.30 Uhr.
- Eintritt: frei.
- Anmeldung: nicht erforderlich.


