Blumen am Straßenrand, Kerzen, Trauerbekundungen: Nach dem Tod zweier Kinder in Dinslaken bei einem Verkehrsunfall war die Anteilnahme groß. Die Schockwellen des furchtbaren Unfalls Ende Mai reichten bis nach Oberhausen und weit darüber hinaus. Doch was bleibt, wenn die Blumen weggeräumt und die Kerzen erloschen sind?

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Unfallmeldungen zeigen jeden Tag aufs Neue, wie schnell Mitgefühl endet. Binnen weniger Tage ereigneten sich in Oberhausen gleich zwei Unfälle, bei denen Kinder auf dem Fahrrad verletzt wurden. Besonders nachdenklich machen muss ein Fall in Königshardt: Bei einer von der Polizei begleiteten Fahrradprüfung wurde ein Kind verletzt, weil eine Autofahrerin ihre Tür öffnete, ohne auf den Verkehr zu achten. Das Kind trug sogar eine auffällige Warnweste. Geholfen hat sie nichts.
Gefährliches Verhalten im Straßenverkehr bleibt an der Tagesordnung
Man muss sich ernsthaft fragen: Lernen wir eigentlich überhaupt nichts?
Jeder Verkehrsteilnehmer kennt die Regeln. Jeder weiß, dass ein kurzer Schulterblick Leben retten kann. Jeder weiß, dass eine hohe Geschwindigkeit das Risiko schwerer Unfälle erhöht. Und dennoch wird gerast, gedrängelt, überholt und ignoriert. Oft aus Bequemlichkeit. Manchmal aus Gedankenlosigkeit. Gelegentlich aber auch aus purer Rücksichtslosigkeit.
Es reicht nicht, nach jeder Tragödie Blumen niederzulegen und mahnende Worte zu finden.
Nadine Gewehr, WAZ-Redakteurin
Dabei geht es nicht um einen Kampf zwischen Autofahrern, Radlern und Fußgängern. Rücksichtslosigkeit gibt es in allen Gruppen. Wer als Radfahrer mit hohem Tempo durch eine Fußgängerzone fährt, gefährdet andere genauso wie ein Autofahrer, der Radfahrer beim Überholen schneidet. Entscheidend ist eine einfache Regel: Die Stärkeren tragen die größere Verantwortung gegenüber den Schwächeren.
Raser gefährden Leben – Stadt muss entschlossen handeln
Besonders unverständlich ist deshalb, wenn Menschen – wie vor wenigen Tagen in Oberhausen mal wieder geschehen – mit völlig überhöhter Geschwindigkeit durch die Stadt fahren. Wer mit 100 Kilometern pro Stunde über innerstädtische Straßen rast, nimmt bewusst in Kauf, andere zu gefährden. Ein Monat Fahrverbot und einige hundert Euro Bußgeld mögen auf dem Papier nach Strafe klingen. Abschreckend wirkt das aber offenbar nicht.
Natürlich kann eine Stadt wie Oberhausen keine Gesetze ändern. Aber sie darf sich auch nicht hinter diesem Argument verstecken. Sie kann mehr kontrollieren, mehr blitzen, Problemstellen entschärfen und den Schutz von Kindern, Fußgängern und Radfahrern endlich zur Priorität machen.
Es reicht nicht, nach jeder Tragödie Blumen niederzulegen und mahnende Worte zu finden. Die eigentliche Verantwortung beginnt vorher. Sie zeigt sich in politischen Entscheidungen, in Kontrollen und in der Bereitschaft, unbequeme Maßnahmen umzusetzen.
Die Wahrheit ist ebenso unbequem: Die meisten Verkehrsunfälle sind kein Schicksal. Sie sind die Folge von Rücksichtslosigkeit, Nachlässigkeit und mangelnder Konsequenz. Wer das ändern möchte, braucht keine Beileidsbekundungen. Es braucht den Mut zu handeln. Sonst sehen wir auch bei der nächsten Tragödie wieder: Die Anteilnahme ist groß, die Lernkurve erschreckend klein.






