Nach dem Tod zweier zwölfjähriger Schulkinder nach einem Verkehrsunfall in Dinslaken ruft die Stadt Dinslaken zu einer stadtweiten Schweigeminute auf. An diesem Freitag, 29. Mai, 9.15 Uhr, sind alle Schulen, Betriebe, Institutionen und Menschen, die sich daran beteiligen möchten, gebeten, „für eine Minute zusammen innezuhalten und der beiden verstorbenen Jungen zu gedenken“. Stadtweit wurde am Donnerstag und Freitag Trauerbeflaggung angeordnet.

Dinslaken befindet sich nach dem tragischen Unfall von zwei Schulkindern am Mittwoch, den 28. Mai, in einem Schockzustand und tiefer Trauer

Stadt Dinslaken

„Dinslaken befindet sich nach dem tragischen Unfall von zwei Schulkindern am Mittwoch, den 28. Mai, in einem Schockzustand und tiefer Trauer“, heißt es dazu.

Auch die Stadt Duisburg schließt sich dem Aufruf an. „In Gedanken sind wir bei den Eltern, Familien und Freunden. In Schulen, Betrieben und anderen Institutionen haben alle Menschen während der Schweigeminute die Gelegenheit, ihr Mitgefühl zum Ausdruck zu bringen und Anteil zu nehmen“, teilte die Stadt über soziale Medien mit.

Schulpsychologen betreuen Schüler des OHG

Die Stadt Dinslaken hat Trauerbeflaggung angeordnet.
Die Stadt Dinslaken hat Trauerbeflaggung angeordnet. © FUNKE Foto Services | Erwin Pottgiesser

Am Otto-Hahn-Gymnasium waren am Donnerstag, 28. Mai, Schulpsychologen und Notfallseelsorger im Einsatz. Besondere Zuwendung erhalte dabei die Klasse, die um ihre zwei Mitschüler trauert, sagte eine Sprecherin der Stadt. 

Einen Tag nach dem tödlichen Unfall vom Mittwochmorgen (27. Mai) dürfen die unteren Jahrgänge des Otto-Hahn-Gymnasiums in Dinslaken am Donnerstag aussuchen, ob sie in die Schule kommen oder nicht.

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„Die Schule ist darauf eingestellt, dass die Verarbeitung dieses schrecklichen Ereignisses ein Prozess sein wird“, erklärte die Stadt. Der erste Schultag nach dem Unfall bilde den Auftakt dazu. Neben Notfallseelsorgern und Schulpsychologen seien auch zusätzliche Schulsozialarbeiter an der Schule im Einsatz. 

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„Bei aller öffentlichen Aufmerksamkeit bitten wir um Verständnis dafür, dass Schule, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern jetzt Zeit benötigen, um das Geschehene zu begreifen und zu verarbeiten, da es ein sehr schwerer Tag war und noch viele weitere sehr schwere Tage folgen werden“, so die Stadt. 

NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) hatte der weiterführenden Schule sowie der Grundschule, in deren Nähe sich der Verkehrsunfall ereignete, Hilfen etwa durch Schulpsychologen zugesichert. „Wir werden die Schulen mit allem unterstützen, was uns möglich ist“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Was in Dinslaken passiert sei, „ist furchtbar. Ein Kind zu verlieren, ist das Schlimmste für Eltern“, erklärte Feller. Sie trauere mit den Familien, den Freunden und Bekannten und allen Menschen an den betroffenen Schulen.

Hier gibt es Hilfe

„Um der betroffenen Nachbarschaft aber auch anderen trauernden Menschen aus der Stadtgesellschaft zur Seite zu stehen“ wird es am Donnerstag noch bis 20 Uhr seelsorgerische Unterstützung in einem Zelt an der Unfallstelle geben. Bei Bedarf werde das Angebot auch am Freitag, 29. Mai, zur Verfügung stehen. Auch die evangelische Stadtkirche (Duisburger Straße 9) öffnet als Anlaufstelle ihre Pforten. „Als Menschenskirche möchten wir in diesen Tagen Raum geben für Trauer, Stille, Gemeinschaft, Gebet und für all das, was gerade keine Worte hat“, so David Bongartz, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Dinslaken, in einer Mitteilung.

Die Stadtkirche Dinslaken ist deswegen am Donnerstag, Freitag und Samstag geöffnet. „Menschen dürfen kommen und einen Ort aufsuchen, an dem sie mit ihrer Erschütterung nicht allein sind“, heißt es in der Mitteilung. Die Zeiten: Donnerstag, 29. Mai, 10 bis 18 Uhr, Freitag, 30. Mai, 10 bis 18 Uhr und Samstag, 31. Mai, 10 bis 14 Uhr.

Seelsorgerinnen und Seelsorger stehen am Donnerstag und am Freitag von 16.30 bis 18.30 Uhr in der Stadtkirche für Gespräche, Zuhören und Begleitung bereit.

Eltern und Angehörige, die Hilfestellungen benötigen, um das tragische Ereignis mit ihren Kindern oder Jugendlichen aufzuarbeiten, finden laut Stadtverwaltung nützliche Hinweise in den vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zusammengestellten Dokumenten.

Zusammengefasst sei für alle betroffenen Kinder und Jugendlichen jetzt Folgendes wichtig: „Nähe zu verlässlichen, verständnisvollen und empathischen Bezugspersonen (Eltern, Lehrkräfte), Verständnis fördernde Informationen (‘Wie konnte es passieren‘), einen strukturierten, Halt gebenden ‚Alltag‘ (der natürlich kein Alltag ist), Hilfe beim Ausdruck eigener Betroffenheit und Trauer (gemeinsames Innehalten, Rituale, Gebet, Kerzen, Gedenkort).“

Auf dem Wein- und Genussfest in der Innenstadt, das wegen des Unfalls am Donnerstag ohne Musik und Bühnenprogramm stattfindet, werden Seelsorger-Erkunder zugegen sein. Den Menschen soll die Möglichkeit gegeben werden, „sich zu treffen und gemeinsam auszutauschen – auch über den schwerwiegenden Unfall, der sich in ihrer Stadt ereignet hat“, so die Stadt.

Spendenkonto eingerichtet

Der Stadtfeuerwehrverband hat ein Spendenkonto eingerichtet, um den Hinterbliebenen zu helfen (Konto: DE 43 3566 0599 1032 9840 09, Verwendungszweck: Unfallopfer).

Bürgermeister: „Schock und Schmerz sind riesig“ 

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Der Bürgermeister von Dinslaken, Simon Panke (SPD), sprach den Familien ebenfalls sein Beileid aus. „Unsere Gedanken sind vor allem bei den Kindern und ihren Eltern und Familien. Für sie ist das Schlimmste eingetreten, was überhaupt passieren kann“, schrieb er bei Facebook. Auch bei Freunden, Mitschülern und Lehrkräften seien Schock und Schmerz riesig. Die Schule brauche jetzt Zeit und Ruhe zur Aufarbeitung, so Panke. „Dies gilt speziell für die Klassenkameraden der verstorbenen Kinder.“ 

Ermittlungen wegen Verdachts auf fahrlässige Tötung

Unterdessen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts fahrlässiger Tötung gegen die 47-jährige Unfallfahrerin. Das teilen die Ermittler in einer Pressemitteilung mit.

Gegen die Beschuldigte wurde schon nach einem Unfall in Dinsaken im vergangenen Jahr ermittelt. Damals soll sie „einen plötzlichen und nach dem Ergebnis der damaligen Ermittlungen für sie nicht vorhersehbaren Ohnmachtsanfall erlitten“ haben. Das Verfahren wurde mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt.

Mittlerweile sei der 47-Jährigen ein sogenannter Eventrekorder implantiert worden, der die Herzaktivität aufzeichnet. Dieser werde nun ausgewertet werden. Ausführliche Informationen dazu gibt es hier.

Aktuelle Berichte aus Dinslaken und Umgebung

Die Autofahrerin fuhr in eine Gruppe von drei Jungen, die auf Fahrrädern offensichtlich auf dem Weg zum Unterricht an einer weiterführenden Schule waren. Zwei der Zwölfjährigen werden so schwer verletzt, dass sie später im Krankenhaus starben. Der Dritte, ebenfalls ein zwölf Jahre alter Junge, erlitt leichte Verletzungen. Die 47 Jahre alte Autofahrerin wurde schwer verletzt.

(dpa/Red.)