Sechzehn Jahre nach seinem Tod hat Christoph Schlingensief (1960 bis 2010), Oberhausens berühmtester Regisseur und Aktionskünstler, die erste große Einzelausstellung in Österreich bekommen. Seit Mitte Mai zeigt das Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) gemeinsam mit den Wiener Festwochen die Schau „Es ist nicht mehr mein Problem!“ – ein Zitat des Regisseurs aus dem Jahr 2005.

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Der Titel ist Programm: Schlingensief, in Alt-Oberhausen aufgewachsen und am Heinrich-Heine-Gymnasium zur Schule gegangen, hat sich zeitlebens an den Widersprüchen der Gegenwart abgearbeitet – als Filmemacher, Theaterregisseur, Opernregisseur und Aktionskünstler. Die Wiener Kuratoren nennen ihn einen „radikalen Humanisten“, der das Publikum zwischen Irritation und Erkenntnis zwang.

Wien war für Schlingensief ein besonderer Ort

Dass ausgerechnet Wien die erste österreichische Retrospektive zeigt, hat Symbolkraft. Im Jahr 2000 stellte Schlingensief im Rahmen der Festwochen einen Container neben die Oper. Asylsuchende lebten darin, das Publikum konnte sie per Abstimmung „rauswählen“. Die Aktion „Bitte liebt Österreich“ sorgte international für Aufsehen und gilt heute als eine seiner Schlüsselarbeiten.

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Genau hier setzt die Ausstellung an. Im Zentrum steht die Installation „Church of Fear“ (2003–2005), mit der Schlingensief auf der Biennale in Venedig die Stimmung nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in eine parodistische Glaubensgemeinschaft überführte. Von dort spannen die Kuratoren zwei Zeitachsen: zurück zu den frühen politischen Aktionen wie der Parteigründung „Chance 2000“, nach vorn zu späten Film- und Opernarbeiten wie „The African Twin Towers“.

Keine klassische Retrospektive

Eine klassische Werkschau wollten die Macher um Gastkurator Raphael Gygax und Schlingensiefs Witwe Aino Laberenz ausdrücklich nicht zeigen. Stattdessen führen sie Theater, Film, Installation und Aktion in einen Dialog – passend zu Schlingensiefs eigenem Credo: „Man kann voller Lust, Freude und Vorsatz scheitern.“

In Oberhausen ist der 2010 an Lungenkrebs gestorbene Künstler längst Teil des Stadtbilds: Eine Straße und eine Schule tragen seinen Namen. Wer den Wiener Auftritt vor Ort erleben möchte: Die Schau läuft im MAK am Stubenring 5 (Telefon der Museumskasse 0043-1-71136-248). Ein Kooperationsprojekt entsteht parallel mit dem Berliner Gropius-Bau.