Der junge Filmemacher Laurin Richarzhagen hat mit seinem Film über Christoph Schlingensief den Oberhausener Jugendkulturpreis 2026 gewonnen. Die Preisverleihung hat bereits stattgefunden. Laurin Richarzhagen wurde in der Sonderkategorie „Person“ ausgezeichnet. Die Begründung lautete unter anderem, dass sein Film ein starkes Beispiel dafür sei, wie junge Menschen das Kulturleben in der Stadt bereichern können. Das Preisgeld beträgt 500 Euro, die „natürlich auch in den nächsten Film fließen“, wie der junge Oberhausener unterstreicht.

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Gerät der berühmteste Oberhausener Regisseur bei jungen Menschen in Vergessenheit? Christoph Schlingensief (1960–2010) hat weltweit als Künstler einen hervorragenden Ruf. Doch gerade im lokalen Umfeld fehlt es oft an Wissen, wenn es um das facettenreiche Werk des Oberhauseners geht. Das will Laurin Richarzhagen ändern und darum dreht sich sein jetzt ausgezeichneter Film.
Leidenschaftlicher Filmemacher
Laurin Richarzhagen ist 15 Jahre alt und geht in die 9. Klasse des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums. „Ich drehe leidenschaftlich gerne Kurzfilme, von denen bereits einige auf Kurzfilmfestivals liefen“, erklärt der junge Oberhausener. Außerdem sei er ein großer Theater-, Film- und Literaturfan und schreibe auch eigene Kurzgeschichten, womit er unter anderem den Jugendkulturpreis 2025 gewonnen hat.
Das aktuelle Filmprojekt „Die 120 Tage von Oberhausen“ von Laurin Richarzhagen ist Christoph Schlingensief gewidmet, der einer seiner Lieblingsregisseure ist. „Ich bewundere ihn sehr, da er sich mit seinen zum Teil provokanten Aktionen, Filmen und Theaterstücken politisch und sozial engagiert und abseits des Mainstreams außergewöhnliche Filmkunst geschaffen hat.“

Der Nachwuchs-Filmemacher hat „mit Erschrecken“, wie er sagt, festgestellt, dass viele Jugendliche den berühmtesten Oberhausener Künstler und sein Werk nicht mehr kennen. Das möchte er ändern. Sein neuer Film solle dazu beitragen, „dass Schlingensiefs Werk und er als Person nicht in Vergessenheit geraten“. Zugleich versteht der 15-Jährige das Projekt als starkes Zeichen gegen den Rechtsruck in Deutschland, so wie es Schlingensief mit seinen Filmen und Aktionen getan hat.
Mit zwei Interviews
Der Film schildert die Arbeit und das Engagement eines jungen Theaterkollektivs, das die Idee hat, Schlingensiefs beste Filme als Theaterstück aufzuführen. Um den Zuschauern Schlingensief näherzubringen, hat die Story zugleich auch dokumentarische Elemente. Laurin Richarzhagen hat namhafte Kulturschaffende für sein Projekt begeistern können: Er hat die Filmemacherin Bettina Böhler in der Hauptstadt interviewen können. Böhler wurde für ihren auf der Berlinale gezeigten Dokumentarfilm „Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien“ vielfach ausgezeichnet.
Außerdem gewann der junge Oberhausener den Regisseur und Leiter des Berliner Schlingensief-Filmarchivs, Frieder Schlaich, für sein Vorhaben und interviewte ihn ebenfalls in Berlin. „Frieder Schlaich war ein enger Freund von Schlingensief und konnte daher vertiefende Einblicke in ihre filmische Zusammenarbeit geben.“ Bei den Spezialeffekten ist das Werk maßgeblich vom Maskenbildner aus dem Theater Oberhausen unterstützt worden. Einige Szenen wurden im Literaturhaus Oberhausen gedreht.
Das ungewöhnliche Projekt geht jetzt auf die Zielgerade: Der fertiggeschnittene Film wird am Freitag, 8. Mai, im Literaturhaus Oberhausen seine öffentliche Premiere feiern. Der Film ergänzt somit auf passgenaue Weise bereits vorhandene Bemühungen, Schlingensief als weltweit bekannten Regisseur und Aktionskünstler in seiner Geburtsstadt publikumswirksam zu würdigen.
Audio-Walk mit acht Stationen
So gibt es seit etwa einem Jahr eine Audiotour in Alt-Oberhausen, die das kulturelle Multitalent ehrt und die Erinnerung an wichtige biografische Stationen des Künstlers weckt. Acht Audio-Stationen erzählen vom facettenreichen Künstlerleben des Christoph Schlingensief, Schüler des Heinrich-Heine-Gymnasiums mit Elternhaus an der Stöckmannstraße, wo der Vater eine Apotheke hatte.
Mit 21 Jahren verließ Schlingensief seine Heimatstadt Oberhausen, um in München zu studieren. Eine Weltkarriere begann. Mitte April 2025 ist der neue Audio-Walk, der an der Gaststätte Gdanska am Altmarkt beginnt, offiziell eröffnet worden. Das Literaturhaus Oberhausen hat das Projekt mit Unterstützung des Weiterbildungsinstituts WBI ins Leben gerufen.
Premiere im Mai im Theater des Gdanska
Die Premiere des 34-Minuten-Films „Die 120 Tage von Oberhausen“ fand im Mai 2026 im Theater des Gdanska an der Gutenbergstraße statt. Der Titel erinnert an Schlingensiefs Komödie „Die 120 Tage von Bottrop“ aus dem Jahr 1997, mit dem der Regisseur die Ära des Neuen Deutschen Films auf seine ihm eigene Weise würdigte. Nach der Vorführung im Theater des Gdanska gab es die Gelegenheit, mit dem jungen Oberhausener Filmemacher und auch mit den Darstellern Lara Lux, Tuana Gürsoy, Gerrit van de Straat, Joscha Katanek sowie Chiara Kramer ins Gespräch zu kommen. Auch auf YouTube ist der Film jetzt zu sehen.




