Die ersten Wahlplakate hängen in Oberhausen, der Wahlkampf ist in vollem Gange. Am 14. September 2025 steht auch in Oberhausen die für die nächsten fünf Jahre wegweisende Kommunalwahl an.

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CDU-Oberbürgermeister Daniel Schranz möchte weiterhin im Amt bleiben, doch seine Herausforderer, vor allem SPD-Spitzenkandidat Thorsten Berg gehen ihn und seine Partei derzeit hart an. Doch was fordern die Parteien konkret? Was wollen sie ändern? Welche Probleme wollen sie angehen und wie stehen sie zu Tempo-30-Zonen, Zuwanderung und Schulden? Wahlplakate geben darüber nur geringfügig Auskunft.
Jetzt gibt es erstmals in der Geschichte der örtlichen Politik von Oberhausen eine extra programmierte Wahlhilfe für alle wahlberechtigten Oberhausener: Ein neuer Kommunalwahl-Navi, eigens zugeschnitten auf Oberhausen, soll dabei helfen, eine besser informierte Entscheidung für die Wahl zu treffen.
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Bei Bundestagswahlen hat sich der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung einen Namen gemacht. Online können Bürgerinnen und Bürger damit ihre Ansichten zu konkreten Thesen prüfen und ihre Überzeugungen mit den Wahlprogrammen der Parteien vergleichen.
Analog dazu arbeiten Studierende mit Uni-Lehrpersonal derzeit eine kommunale Version aus, ein Wahl-O-Mat für Oberhausen und sieben weiteren NRW-Städten. Die „NRW-School of Governance“ der Universität Duisburg-Essen hat mit der Universität Münster dieses Kommunalwahl-Navisystem aufgebaut.
Kommunalwahl 2025 in Oberhausen: Online-Navi zu konkreten Themen
Das Kommunalwahl-Navi nutzt die Internetplattform Voto, die von einem gemeinnützigen Unternehmen betrieben wird. In der Vergangenheit kam es beispielsweise bei der Kommunalwahl in Mainz zum Einsatz. Abgefragt wurden damals nicht nur allgemeine Thesen zum Wahlalter, sondern auch ganz spezifische Stadtthemen, etwa zum Ausbau bestimmter Straßen. Das soll auch in der Version für Oberhausen der Fall sein.
Nach Angaben von Politikwissenschaftler Dr. Ray Hebestreit von der Universität Duisburg-Essen strebt sein Team 35 bis 40 Thesen für das Oberhausen-Navi an. Ein Drittel davon haben einen klaren Oberhausen-Bezug. Ein Beispiel: Die seit Monaten in der Diskussion stehende Radlerkreuzung an der Concordiastraße. Deren Ausbau wird von einigen Parteien vehement kritisiert.
Als Politikwissenschaftler liegt uns die Demokratie am Herzen. Deshalb blicken wir mit Sorge auf die Wahlbeteiligung - insbesondere bei Kommunalwahlen.
Dr. Ray Hebestreit, Politikwissenschaftler der Universität Duisburg-Essen
Anhand der Thesen können Bürgerinnen und Bürger sich zum einen darüber klar werden, welche Meinung sie dazu haben. Zum anderen können sie prüfen, welche Partei ihre Überzeugung teilt und diese auch noch mit anderen Parteien vergleichen. Das Ziel: Eine bessere Wahl schaffen. „Als Politikwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler liegt uns die Demokratie am Herzen. Deshalb blicken wir mit Sorge auf die Wahlbeteiligung insbesondere bei Kommunalwahlen“, sagt Hebestreit.

Vor fünf Jahren, im Jahre 2020, beteiligten sich an der Oberbürgermeister- und Ratswahl in Oberhausen gerade mal 41,9 Prozent der wahlberechtigten Bürger. Das war der niedrigste Wert seit 1948. Auch in anderen Städten sinkt die Wahlbeteiligung stetig. Das Kommunalwahl-Navi wird es neben Oberhausen auch in Essen, Duisburg, Bochum, Münster, Bielefeld, Paderborn und Köln online geben.
Kommunalwahl: Historisch niedrige Wahlbeteiligung in Oberhausen
Hebestreit und sein Team sind davon überzeugt, dass ein solches digitales Werkzeug, wie das Kommunalwahl-Navi, das politische Interesse erhöht und dabei hilft, dass Bürgerinnen und Bürger „eine fundierte Wahl“ treffen können. Die spielerische Herangehensweise über ein Online-Tool erleichtert zudem den Einstieg. Das zeige sich auch bei den steigenden Zugriffszahlen des Wahl-O-Maten vor Bundestagswahlen.
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Zusammen mit fünf Studierenden arbeitete Hebestreit in den vergangenen Wochen die Thesen für Oberhausen aus. Input lieferten die Parteiprogramme, die Medien-Berichterstattung und der Austausch mit der Bevölkerung. Nach Darstellung von Hebestreit trafen sich die Studierenden unter anderem mit dem Oberhausener Jugendparlament.
In einem nächsten Schritt werden die Oberhausener Parteien gebeten, Stellung zu den Thesen zu beziehen. Mitte August soll die Internetseite freigeschaltet werden. Der Wissenschaftler garantiert, dass die Wahlhilfe neutral und objektiv programmiert sein wird: „Als Mitarbeiter der Universität sind wir parteipolitisch neutral - und nicht interessengebunden. Die Nutzung des Tools ist im Übrigen für alle kostenlos.“
Das ist das Unternehmen Voto
Voto wurde 2019 vom gemeinnützigen Unternehmen Voto gUG in Anlehnung an den Wahl-O-Mat entwickelt, um eine Wahlhilfe für die Gemeinderatswahl in Stuttgart anzubieten. 2021 wurde die Plattform bei den Kommunalwahlen in Hessen und Niedersachsen eingesetzt.
Damit war Voto die erste Wahlhilfe, die bei Kommunalwahlen in Deutschland flächendeckend zur Verfügung stand. Mittlerweile wurde Voto laut Mitgründer Julius Oblong bei etwa 600 Wahlen eingesetzt und von mehr als 900.000 Usern genutzt.
Voto ist eine Webanwendung, die nicht über eine App, sondern über Browser aufgerufen wird. Es handelt sich um eine Plattform-Lösung, die es etwa Vereinen und Hochschulen ermöglichen soll, eigene Wahlhilfen zu erstellen.
Die Voto gUG will laut Eigenbeschreibung „das demokratische Staatswesen fördern. Gemeinsam setzen wir uns dafür ein, dass Wählen einfacher und attraktiver wird“. Zu den Prinzipien zählen politische Neutralität sowie „wissenschaftliche Fundierung und Forschung“.








