Die Mülheimer Kunstszene hat eine ihrer wichtigsten und bekanntesten Persönlichkeiten verloren: Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Künstler Klaus Geldmacher bereits am 23. Februar – er wurde 86 Jahre alt. Der gebürtige Frankfurter beschäftigte sich in seinem Werk vor allem mit Objekten und Lichtkunst, seine Karriere war zudem geprägt von politischem Engagement und Experimentierfreude. 2010 wurde er mit dem städtischen Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.

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Geldmacher verbrachte seine Kindheit und Jugend in einem hessischen Dorf und in Frankfurt. Bevor er in den 1960er-Jahren seinen Durchbruch als bildender Künstler feierte, spielte er ambitioniert Jazz. Diese Verbindung spiegelte sich auch immer wieder in seinen Lichtobjekten – viele von ihnen erzeugten Klänge oder Musik, oft aus bekannten Stücken. Sein Weg in die internationale Kunstszene begann spektakulär: Bereits 1968 feierte Geldmacher als 28-jähriger Student sein Debüt auf der Weltbühne der Kunst, der documenta 4 in Kassel.

Werke des Mülheimer Künstlers in zahlreichen Museen zu sehen

Dieser frühe Erfolg legte den Grundstein für seine Karriere. 1988 erhielt Geldmacher gemeinsam mit Edmund Kieselbach den „Sonderpreis des Deutschen Künstlerbundes“ für eine Licht-Klang-Installation. Seine Werke sind oder waren unter anderem in der Hamburger Kunsthalle, im ZKM Karlsruhe oder im Museum Bochum zu sehen. Auch in der Sammlung des Mülheimer Kunstmuseums sind zwei seiner Installationen zu finden.

Ein Lichtobjekt von Klaus Geldmacher
Ein Lichtobjekt von Klaus Geldmacher© FUNKE Foto Services | Martin Möller

Doch es war nicht nur die Kunst, die sein Leben prägte – sondern auch sein politisches Wirken. 1965 wurde er Sozialdemokrat, Willy Brandt wurde für ihn zum „väterlichen Idol“, wie Geldmacher anlässlich seines 75. Geburtstags in einer kurzen Autobiografie schrieb. „Die 68er-Studentenrevolte prägte mich nachhaltig; ich wurde kein Revoluzzer, bevorzugte den ‚Marsch durch die Institutionen‘.“

Klaus Geldmacher (links) erhielt 2010 den Ruhrpreis und durfte sich in das Goldene Buch der Stadt Mülheim eintragen.
Klaus Geldmacher (links) erhielt 2010 den Ruhrpreis und durfte sich in das Goldene Buch der Stadt Mülheim eintragen.© WAZ FotoPool | Kerstin Bögeholz

Er war beispielsweise Asta-Vorsitzender an der Kunsthochschule, schrieb kunstpolitische Gutachten für die SPD, war Pressesprecher des Hamburger Kultursenators, Geschäftsführer des Deutschen Künstlerbundes, Vorsitzender der IG Medien-Bildende Kunst. Im Rahmen seiner Gewerkschaftstätigkeit startete er auch eine Kampagne: Er forderte Ausstellungshonorare für Künstler. Ende 1982 verließ Geldmacher die SPD, unter anderem wegen der Politik des damaligen Kanzlers Helmut Schmidt. Später unterstützte er aber noch mal Gerhard Schröder im Wahlkampf.

Geldmacher kam der Liebe wegen nach Mülheim

Geldmacher wurde 1974 Vater, trennte sich aber fünf Jahre später von der Mutter seiner Tochter und ersten Ehefrau. Nach Mülheim kam er der Liebe wegen: 1991 lernte er über Theater-Intendant Roberto Ciulli die Schulpsychologin Ulrike Merkel kennen. Drei Jahre später haben die beiden geheiratet, 1997 zog Geldmacher an die Ruhr. Sein Atelier hatte er in einer umgebauten Lederwerkstatt am Schloßberg.

Eine kleinmütige Kommunalpolitik und unpolitische Künstlerschaft machen es schwer, mich zuhause zu fühlen

Klaus Geldmacher, 2015 über Mülheim

In seinem kurzen persönlichen Lebensrückblick äußerte sich Geldmacher 2015 auch zu seiner Wahlheimat. Als Mülheimer fühle er sich nicht, obwohl er gerne in der Stadt am Fluss lebe. Doch: „Eine kleinmütige Kommunalpolitik und unpolitische Künstlerschaft machen es schwer, mich zuhause zu fühlen.“ Dass er 2010 von der Stadt mit dem Ruhrpreis ausgezeichnet wurde, sei für ihn zwar eine erfreuliche Anerkennung gewesen. „Heimatgefühl ist daraus nicht erwachsen.“

Klaus Geldmacher und Galerist Gerold d’Hamé (links) setzten 2022 die Ausstellung „Farbe bekennen“ in Mülheim um.
Klaus Geldmacher und Galerist Gerold d’Hamé (links) setzten 2022 die Ausstellung „Farbe bekennen“ in Mülheim um.© FUNKE Foto Services | Oliver Müller

Zuletzt stellte Geldmacher seine Werke regelmäßig in der  Galerie D’Hamé an der Schloßstraße aus. Mit Galerist Gerold d‘Hamé verband den Künstler eine enge Freundschaft. „Fünfzehn Jahre intensiver Zusammenarbeit, geistigen Austauschs und Freundschaft, getragen von der gemeinsamen Liebe zu Musik, Kunst und Politik, haben uns zutiefst verbunden“, schreibt d’Hamé zum Tod seines Wegbegleiters. „Sein kompromisslos eigenständiges Lebenswerk in Licht, Klang und Objektkunst bleibt für mich Auftrag und Vermächtnis.“