Zusammenfassung
- Herbert Sokolowski, erster Schulleiter des Heisenberg-Gymnasiums in Gladbeck, prägte die Schule 24 Jahre lang und verstarb im Alter von 96 Jahren.
- Sokolowski setzte sich für die Öffnung der Bildungswege ein und legte das Fundament für das heutige Heisenberg-Gymnasium.
- Der Pädagoge war bekannt für seine Leidenschaft und seinen Mut, neue und unbequeme Wege zu gehen, und pflegte einen Briefkontakt mit dem Physiker Werner Heisenberg.
24 Jahre lang prägte Herbert Sokolowski als erster Schulleiter das Heisenberg-Gymnasium in Gladbeck. Nun ist der 96-Jährige am 28. September gestorben. Er wäre am 2. Oktober 97 Jahre alt geworden.
Herbert Sokolowski brachte dem Heisenberg-Gymnasium den Spitznamen „Zeche Soko“ ein
Sokolowski prägte das dritte Gladbecker Gymnasium nachhaltig. 1968 übernahm er die Leitung der damals neu gegründeten Schule. Seinen Schützlingen verlangte er einiges ab, was der Schule auch den liebevollen Namen „Zeche Soko“ einbrachte. „Bis heute erinnern sich Generationen von ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern liebevoll an die ‚Zeche Soko‘“, fasst die heutige Schulleitung des Heisenberg-Gymnasiums, Peter Hogrebe und Stellvertreterin Anja Peters-Kern, für die Schulgemeinde in einer Traueranzeige zusammen.
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„Er hat das Fundament gelegt, auf dem die Schule heute noch steht“, sagt Schulleiter Peter Hogrebe. „Als Kind aus einer Bergarbeiterfamilie war es ihm wichtig, allen Bildung zu ermöglichen und er wusste zu schätzen, was Bildung bedeutet.“ Dass dieses Gut am Heisenberg-Gymnasium allen zugutekomme, auch wenn das damals nicht die Regel gewesen sei, das sei sein Werk gewesen, betont Hogrebe. Ebenso besonders: seine Wertschätzung der einzelnen Menschen, Lehrkräfte wie Schülerinnen und Schüler oder Eltern. „Auch das war zu seiner Zeit nicht selbstverständlich.“ Herbert Sokolowski war ein Mensch, der mit Hingabe um Dinge gekämpft hat. „Er ist nicht immer die leichten Wege gegangen“, erinnert sich der heutige Schulleiter. „Zu der Zeit eine Schule ans Laufen zu bekommen, erforderte viel Leidenschaft.“

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Bis ins hohe Alter war der Pädagoge ein kritisch denkender Freund der Diskussionen, stets geleitet vom Willen, andere Perspektiven aufzuzeigen und auch mal um die Ecke zu denken. Auch der Schule war er bis zuletzt eng verbunden.
Herbert Sokolowski prägte die Schule durch seinen kritischen Geist und Mut zu neuen Wegen
„Durch sein Wirken und Schaffen gestaltete er die Entwicklung der Schule maßgeblich und legte das Fundament des heutigen Heisenberg-Gymnasiums“, heißt es in der Traueranzeige der Schule. Denn er hat das Gymnasium gezeichnet: „durch seine aufrechte Persönlichkeit, seine Leidenschaft und seinen Mut, neue und auch unbequeme Wege zu gehen“.

Herbert Sokolowski wurde in Buer-Erle als zweites von sechs Geschwistern geboren, absolvierte 1949 am Max-Planck-Gymnasium in Buer die Abiturprüfung. Er studierte Deutsch, Geschichte und Philosophie in Mainz, München und Münster.
Zu Beginn seiner Karriere gehörte Sokolowski in den 1950er-Jahren zur „skeptischen Generation“ und setzte sich Ende der 1960er-Jahre mit der Öffnung der Bildungswege und der „Phase der Umorientierung“ auseinander. Zunächst arbeitete er in Marl, bevor er 1968 nach Gladbeck kam, um dort die Leitung des Heisenberg-Gymnasiums zu übernehmen. Dort setzte er seine Idee, neue Wege auszuprobieren, weiter um.
Die ersten Jahre des Heisenberg-Gymnasiums Gladbeck waren von Umbruch geprägt
Das erste Jahrzehnt der Schule war eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs. Die junge Nachkriegsgeneration rebellierte gegen bisherige Konventionen und Werte, entwarf neue Lebenskonzepte. Der Kern: Gleichberechtigung und die Freiheit, das eigene Leben nach eigenen Bedürfnissen und Fähigkeiten zu gestalten. Eine Zeit, die auch die gerade erst gegründete Schule prägten. Bis heute versteht sich die Schule als Ort, an dem es darum geht, anderen Meinungen gegenüber offen zu sein, mutig ausgetretene Pfade zu verlassen und anderen Menschen auf Augenhöhe zu begegnen.
Zu seinem 90. Geburtstag sagte er, er sei stolz, dem Heisenberg-Gymnasium zu seinem Namen verholfen zu haben. Denn der Ausnahme-Physiker Werner Heisenberg zeigte sich zunächst nicht begeistert von der Idee. Sokolowski gelang es schließlich, ihn umzustimmen: Das Heisenberg trägt diesen Namen nun seit bald 60 Jahren. Und aus dem ersten persönlichen Kontakt mit dem Physiker entsprang ein regelmäßiger Briefkontakt. „Einige der Briefe haben wir hier auch noch in der Schule“, sagt Hogrebe.
Karriere in der Schule stand wegen möglicher politischer Kandidatur kurz in Frage
1972 zog der Pädagoge nach Gladbeck, wurde Ortsvorsitzender der SPD in Rentfort, überlegte sogar, als Mitglied des Landtags zu kandidieren, entschied sich schließlich doch dagegen. Das Gymnasium behielt also seinen rührigen Schulleiter, der es bis zu seiner Pension 1992 prägte. Seinen Ruhestand nutzte er für Reisen, schrieb Briefe an Kontakte in den USA und Skandinavien und ist Autor mehrerer Bücher.
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Sein Werk „Schul-Zeit oder: Es könnte gute Schulen geben. Erinnerungen und Reflexionen eines Schulmannes nach beendetem Dienst“ stellte er mit 89 Jahren noch der Öffentlichkeit vor, kritisierte darin das starre Schulsystem. Der Literatur widmete er sich nicht nur als Autor, sondern war auch begeisterter Konsument der Weltliteratur. Was sein Arbeitszimmer zu einer kleinen Bibliothek werden ließ. (nika)




